Klausurtagung in Regensburg: AfD mit Protesten verabschiedet – Gerüchte um Promi-Besuch

Von Philip Hell · 15. Januar 2025 um 20:17

Neuer Tag, neue Proteste: Auch am Mittwoch rief die Klausur der AfD-Landtagsfraktion im Sorat-Hotel am Oberen Wöhrd in Regensburg zahlreiche Demonstranten auf den Plan. Gerüchte um einen hochrangigen Besuch machten die Runde – und das Hotel gab eine bemerkenswerte Stellungnahme ab.

Aber von vorn: Der Regensburger AfD-Landtagsabgeordnete Dieter Arnold hatte am Dienstag gesagt, dass seine Kollegen und er den zweiten und letzten Tag des Treffens im Hotel verbringen wollten. Am späten Mittwochvormittag machten dann allerdings Gerüchte die Runde, wonach AfD-Chefin Alice Weidel auf dem Weg nach Regensburg sein solle. Aktivisten trommelten zum Gegenprotest – und wenig später versammelten sich 70 Menschen unweit des Hotels. Die Polizei hatte das Haus weiträumig abgeschirmt. Weidel tauchte schlussendlich nicht auf. Die Demonstranten äußerten dennoch deutlichen Unmut über das Treffen: „Ganz Rengschburg hasst die AfD“, hallte es über den Oberen Wöhrd.

AfD-Klausur in Regensburg: Hotel distanziert sich

Am Mittwoch äußerte sich das Sorat-Hotel erstmals zur umstrittenen Kundgebung im eigenen Haus. Die Entscheidung, die AfD zu beherbergen, „erfolgte ausschließlich auf Basis unseres Grundverständnisses als unpolitisches Unternehmen und Beherbergungsbetrieb“, hieß es in einer Stellungnahme der Geschäftsführung in Berlin. Das Sorat-Hotel agiere „weltoffen, tolerant und respektvoll gegenüber allen Menschen“. Man distanziere sich ausdrücklich von jeglichen rassistischen, diskriminierenden oder menschenfeindlichen Haltungen, betont das Hotel. Ob die AfD verdeckt oder offen gebucht hat, konnte Sorat-Chef Nicolas Meißner auf MZ-Nachfrage nicht beantworten. Die Buchung sei unter einer Hotel-Direktorin eingegangen, die inzwischen das Unternehmen verlassen hat.

Das Hotel schreibt weiter: „Wir verstehen, dass die Durchführung dieser Veranstaltung kontroverse Reaktionen hervorruft, und bedauern, wenn dies zu Verunsicherungen geführt hat.“ Der Anspruch des Hauses sei es, ein Ort der Gastfreundschaft und des respektvollen Miteinanders zu sein. Auf die Frage, ob der Ruf des Hauses durch die AfD-Klausur Schaden genommen habe, sagte Meißner: „Ich hoffe nicht.“ Es seien zwar zahlreiche kritische Mails eingegangen. Die seien aber zu 95 Prozent anonym. „Wirkliche Kunden haben sich noch nicht gemeldet.“ Meißner weiter: „Wir sind uns keiner Schuld bewusst.“ Mit der Welle an Kritik habe man nicht gerechnet.

Demonstration gegen die AfD in Regensburg: Massive Kritik an Partei

Um 15.30 Uhr kamen erneut rund 120 Menschen zusammen, um gegen die AfD zu demonstrieren. Dabei wurde auch das Statement des Hotels zum Thema. Dieses sei heuchlerisch, sagte eine Sprecherin. „Lasst uns dafür sorgen, dass deren Image doch Schaden nimmt.“ Beate Büttner, Juristin und Mitglied der Flüchtlingsorganisation „Unser Veto Bayern“, berichtete am Demo-Mikrofon, dass sie dem Hotel auch geschrieben habe. Ihr gegenüber hätte Meißner betont, dass das Sorat-Hotel aus wirtschaftlichen Gründen die AfD aufgenommen habe. Ihre Schlussfolgerung: „Die wussten genau, wen sie da beherbergen.“

Im Anschluss traten Vertreter zahlreicher zivilgesellschaftlicher Gruppen aus Regensburg an das Mikrofon. Sie alle übten massive Kritik an der AfD. Hin und wieder ließen sich Vertreter der Partei vor dem Hotel blicken – und wurden umgehend ausgebuht. Eine Vertreterin von „Studis gegen Rechts“ betonte an die AfD gerichtet: „Ihr seid hier nicht willkommen. Nicht in Regensburg, nicht in Bayern und nicht in Deutschland. Nicht gestern, nicht heute und niemals.“ Die Proteste während der Klausurtagung hätten Wirkung gezeigt.

Ursprünglich war die Demonstration bis 18 Uhr angemeldet. In Absprache mit der Polizei durften die Protestierenden allerdings bis 19 Uhr bleiben. Am meisten beschäftigte die Demonstranten am Abend die Frage, ob denn nun alle AfD-Abgeordneten abgereist sind. Gegen 19 Uhr schaffte ein Polizeisprecher gegenüber der MZ Klarheit: „Die meisten sind weg.“ Die Demonstration löste sich daraufhin auf.

Protest mit Lichtermeer: Am Abend demonstrierten erneut Menschen gegen das Treffen der AfD.