19 Prozent der Radrouten in Regensburg sind fertig: Jetzt weichen auch Parkplätze

Mehr als fünf Jahre nach dem erfolgreichen Bürgerbegehren Radentscheid sind 19 Prozent des Hauptradroutennetzes fertig oder werden es bald. Dafür greift die Stadt auch in den Autoverkehr ein.
Zwischenzeitlich waren die Regensburger Radaktivisten total frustriert. 2023, vier Jahre nach dem erfolgreichen Bürgerbegehren für ein Hauptradroutennetz, rechneten sie einmal vor, dass die Stadt noch 85 Jahre dafür brauchen würde, wenn sie im bisherigen Tempo weitermache. Aus dieser Zeit stammt auch der Antrag der Grünen im Stadtrat zum Umsetzungsstand. Allerdings stand er erst an diesem Dienstag auf der Tagesordnung des Planungsausschusses, weshalb die Stadt mehr vorweisen konnte als 2023. Seit 2024 geht es schneller voran, und das bekommen jetzt auch Autofahrer zu spüren.
Im November 2019 hatte der Stadtrat entschieden, die Forderung des Bürgerbegehrens Radentscheid nach durchgängigen Hauptrouten für Radler anzunehmen. Nun berichtete das Planungs- und Baureferat in seiner Beschlussvorlage, dass 2023 und 2024 das Netz „wesentlich fortentwickelt“ worden sei. Inzwischen seien 22 von 168 Kilometern fertig – darunter fällt die 2024 eröffnete erste Route von Sinzing bis in den Stadtosten – 27 Kilometer seien in Bau und 7,7 Kilometer für eine „kurzfristige Umsetzung bis voraussichtlich 2027“ vorgesehen. Damit gilt aus Verwaltungssicht insgesamt: 19 Prozent des Netzes seien fertig oder würden es bald.
86 Kilometer Radroutennetz fehlen noch
Bei 50 Wegkilometern beziehungsweise 30 Prozent des Netzes gebe es auf mittlere bis längere Sicht keinen zwingenden Handlungsbedarf, weil die Abschnitte in gutem Zustand seien, auch wenn sie nicht alle Kriterien für eine Hauptradroute erfüllten. Das treffe beispielsweise auf den Geh- und Radweg entlang der Pilsen-Allee zu. 86 Kilometer genügten derzeit nicht den Ansprüchen oder seien nicht umgesetzt. Die Realisierung anstehender Maßnahmen, darunter langfristige Neubauprojekte an den Bahntrassen oder an der A3, sei davon abhängig, ob genügend Geld und Verwaltungspersonal da sei, teilweise auch von der Verfügbarkeit von Grundstücken und der Zustimmung Dritter – und auch „von politischen Schwerpunktsetzungen“.
Darunter fällt auch die Frage, ob es eine Mehrheit dafür gibt, für Radrouten dem Autoverkehr auch im größeren Stil Platz wegzunehmen. Gestern war das der Fall. Der Planungsausschuss beschloss gegen die Stimmen von FDP-Stadträtin Gabriele Opitz und AfD-Stadtrat Erhard Brucker, dass im Straßenzug Bamberger Straße/Am Europakanal/Dultplatz für die Radroute 1 nördlich der Donau 14 Stellplätze wegfallen sollen, zusätzlich zu den Parkverboten an drei Stellen, die bereits seit Frühjahr 2024 gelten. Opitz zweifelte an der Notwendigkeit, hier Parkplätze zu streichen. „Die Leute kommen halt nicht mit dem Lastenrad aus Maxhütte-Haidhof nach Regensburg, um hier zu arbeiten.“ Auch CSU-Fraktionschef Michael Lehner äußerte Bedenken. Letztlich stimmte die CSU aber zu, weil zum Ausgleich für den Entfall von Stellplätzen jetzt unter der Oberpfalzbrücke geparkt werden darf.
Fahrradstraße im Osten wird länger
Außerdem sprach sich die Mehrheit dafür aus, dass die Stadt die bestehende Fahrradstraße im Osten im Straßenzug Alfons-Auer-Straße/Sternbergstraße/Gabelsbergerstraße über die Hornstraße hinaus bis zur Von-Reiner-Straße verlängert und außerdem den Auto-Durchgangsverkehr aus dem Areal verlagert. Aus Sicht der Verwaltung bieten sich dafür gegenläufige Einbahnstraßen zwischen Hemauerstraße und Landshuter Straße an. Dagegen stimmte neben Opitz und Brucker auch die CSU. Lehner sagte: „Einfach nur den Autofahrer dauernd zu piesacken, ist keine Lösung für eine Fahrradroute.“ Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) widersprach vehement: Alle Verkehrsteilnehmer müssten gut vorankommen, und in der Unterführung Sternbergstraße entstünden „wirklich gefährliche Situationen“ für Radfahrer, viele davon Schüler auf dem Weg zum Albrecht-Altdorfer-Gymnasium im Minoritenweg.
Von Grünen, SPD und ÖDP kam Lob für die Fortschritte beim Routennetz, aber auch die Forderung nach mehr Ehrgeiz. Michael Achmann-Denkler (Grüne) sagte: „Wir waren sehr positiv überrascht, was auf einmal möglich war. Ich hoffe, dass wir in der Geschwindigkeit dabeibleiben und vielleicht sogar noch ein bisschen schneller werden können.“ Florian Rottke (Brücke) bedauerte, dass es wegen der Konflikte in der ehemaligen Koalition zu Fahrrad-Themen zunächst so langsam vorangegangen sei, nachdem 14 000 Menschen den Radentscheid unterstützt hatten. „Diese positive Stimmung ist mittlerweile verpufft.“