Couplets aus dem Café Untergang: Salzburger Duo begeistert in Regensburg

Von Michael Scheiner · 14. Januar 2025 um 11:00

Das Ensemble Arc en Ciel bedient den Kitzel am Niedergang und die nostalgische Sehnsucht nach der guten, alten Zeit, getarnt als komödiantisch-feines Entertainment. Das ist kurzweilig, wenn auch wenig gepfeffert.

Die Welt ist schon oft untergegangen. Zuletzt 2012, als der berühmte Maya-Kalender endete. Zuvor warnten wissenschaftsabholde Apologeten, ein schwarzes Loch werde die Erde verschlingen – verursacht durch zwei Teilchen, die im Physikalischen Großversuch am Cern aufeinanderprallen. Selbstredend gab es Warnungen gleich im Dutzend beim Eintritt ins neue Millennium und um das Fass voll zu machen: Für Nostradamus-Anhänger hätte die Welt schon 1999 ausradiert werden müssen.

Hätten doch all diese Propheten, Schwarzseher und apokalyptischen Schmarotzer auf Bernadette Schartner und Johannes Glaser gehört! Als optimistisches Duo Arc en Ciel haben sie ihr neues Programm nach dem Uralt-Schlager „Davon geht die Welt die nicht unter“ benannt, den Zarah Leander einst im Ufa-Film „Die große Liebe“ berühmt machte. Im Turmtheater präsentierten sich die Salzburger als charmante Botschafter zwischen einer nie endenden Sehnsucht nach Glück und einem ernüchternden Blick auf die Realität.

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Geschminkt wie ein Clown, fesselte die Sängerin mit ihrer starken Altstimme und sinnlichen Bühnenpräsenz das erwartungsvolle Publikum vom Start weg. Von einer hohen Stehleiter herab, zu der Scheinwerfer kaum hinaufreichten, verkündete sie mit hochgezogenen Augenbrauen: „Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang, lang, lang (…).“ Angereichert mit eigenen Strophen über die durchaus aktuell interpretierbare Torheit der Österreicher, gab das Wiener Couplet von Johann Nestroy die Richtung des unterhaltsamen Abends vor.

Souverän begleitet von Glaser auf dem Akkordeon und gelegentlich am E-Piano lotste Schartner durch eine bunte Mischung aus Wiener Liedern, Chansons von Jacques Brel und Edith Piaf bis zu Austropop und Udo Lindenberg. Zwischen abgründigem Tiefgang und seichtem Liebesseufzer richtete sie am runden Tischchen im „Cafe Untergang“ ihren grauäugig scharfen Blick auf verschiedene Perspektiven ihres zeitgeistigen Themas. Damit bediente sie einerseits den lustvollen Kitzel am Niedergang und einem vermeintlichen Verfall von Werten und Gewissheiten, wie er heute auf höchst uncharmante Weise tatsächlich Konjunktur hat. Auf der anderen Seite schmeichelte sie der kaum weniger weit verbreiteten nostalgischen Sehnsucht nach der guten, alten Zeit, getarnt als komödiantisch-feines Entertainment.

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Zwischen Mutmacherei und der nüchternen Erkenntnis, dass „die besten Jahre (…) gar nicht so gut (sind)“, versteckten sich kleine Bosheiten und manch traurige Tatsache. Mal liebevoll zärtlich, mal schnoddrig oder humorvoll interpretiert, gelang es den beiden, das bis auf den letzten Stuhl besetzte Theater kurzweilig zu unterhalten. Dazu trug der Glaser, von dem die einfühlsamen Arrangements der Lieder stammen, mit seinem exquisiten und einfühlsamen Spiel auf dem Akkordeon viel bei.

Ein etwas ambitionierteres und weniger nostalgisch-verklärendes Programm, das vielleicht auch etwas mehr auf aktuelle Entwicklungen einginge, hätte sicher einige schärfer gepfefferte Akzente setzen können. Die Regensburger aber machten lauthals und mit tosenden Beifall deutlich, dass sie mit der entschärften Variante bestens zufriedengestellt in die Nacht entlassen waren.

Starke Stimme, sinnliche Bühnenpräsenz: Bernadette Schartner auf der Bühne Foto: Michael Scheiner