Die Ten Tenors reißen ihr Publikum in Regensburg von den Sitzen

Von Robert Torunsky · 13. Januar 2025 um 16:00

Bei Familientreffen gibt es gern mal negative Schwingungen – beim Auftritt der Ten Tenors am Sonntag im Audimax aber, auf der Tour zum 30-jährigen Bestehen, lief alles in perfekter Harmonie ab.

Boyd Owen – eines der etabliertesten Mitglieder des australisch-neuseeländischen Ensembles, das aus zehn Tenören, Drummer und Pianist besteht – nannte die Ten Tenors in seiner Begrüßung eine Familie und die schließe besonders das deutsche Publikum ein. Mitglied Michael Edwards hatte im Vorfeld, im Interview der Mediengruppe Bayern, sogar von der „ersten Liebe“ gesprochen: Deutschland war 2001 die erste Anlaufstelle der Formation außerhalb Australiens. Diese Liebe war auch nach über zehn Jahren Abstinenz in Regensburg nicht verglüht, sondern loderte ab Beginn des gut zweistündigen Auftritts.

Das Publikum im gut gefüllten Rund bestand aus Wiederholungstätern und vielen Neulingen, die den weltweit erfolgreichen Act erleben wollten. Die Ten Tenors werden eigenen Angaben nach gern als Boyband bezeichnet, sie selbst sehen sich als Formation von „echten Männern“. Deshalb widmeten sie ein Medley mit Hits etwa von Madonna, Whitney Houston, Lady Gaga und Cher auch explizit den Ladies.

Die Mischung aus großem Können (alle zehn Tenöre haben klassische Ausbildungen an renommierten Institutionen genossen), Sonnyboy-Charme und ansteckend guter Laune machte den Auftritt zum Hochgenuss. In einer Reihe von Medleys zeigten die Tenöre ihre Vielseitigkeit. Sie verwoben Titel von Abba („Mamma mia“ tauchte später sogar als Gag bei „Bohemian Rhapsody“ von Queen auf), Pop-Songs wie „The Boxer“ von Simon & Garfunkel oder „Largo al factotum“ aus der Arie „Der Barbier von Sevilla“ von Rossini: grandios.

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Die Ten Tenors legten sich nicht zur stimmlich mächtig ins Zeug. Ein Schrittzähler bei den ständigen Wechseln auf den verschiedenen Bühnen-Ebenen hätte sicher imponierende Zahlen geliefert. Augenzwinkernde Tanzeinlagen und Choreografien zeigten, dass der Showfaktor bei den Ten Tenors über die Jahre deutlich zugenommen hat. Die außergewöhnliche Gesangsqualität litt darunter kein bisschen. Leonard Cohens „Hallelujah“ etwa sorgte für Gänsehautmomente, bevor die Stimmung bei Titeln wie „Proud Mary“ und „Komet“ von Udo Lindenberg und Apache 207 wechselte.

Nenas „99 Luftballons“ sangen die Tenöre auf Deutsch, auch bei Anmoderationen versuchten sie sich in deutscher Sprache und unterstrichen so ihre besondere Verbindung zum Publikum. Beim großen Finale „(I’ve had) The Time of my Life“ trauten sich viele Menschen im Saal sogar, selbst mitzusingen. Und tatsächlich hatten die Ten Tenors und ihre Gäste, die lange stehend klatschten, im Audimax „die Zeit ihres Lebens“ – in der Hoffnung, dass bis zum nächsten Familientreffen nicht wieder zehn Jahre vergehen.