K-Pop und Nobelpreis lassen einen Regensburger Online-Buchhandel brummen

Von Katharina Kellner · 13. Januar 2025 um 15:00

K-Pop und Nobelpreis lassen den Online-Buchhandel von Helmut Hetzer brummen. Der Regensburger ist einer von nur drei europäischen Importeuren von Büchern aus Südkorea.

Wer in Europa ein Buch im südkoreanischen Original bestellen will, der landet wahrscheinlich bei Helmut Hetzer. Der Regensburger betreibt den Onlineshop Korean Book Services. Er ist der größte von nur drei Buchhändlern in Europa, die aus dem asiatischen Land importieren. „Die ersten Jahre war es eine Durststecke“, sagt Hetzer über seinen Start vor 25 Jahren. Doch seit einiger Zeit reitet er die K-Pop-Welle. Und mit dem Literaturnobelpreis für die südkoreanische Schriftstellerin Han Kang im Dezember gingen die Bestellungen durch die Decke.

Ein Ende des Hypes ist nicht in Sicht

Es gibt wohl wenige Menschen in Deutschland, die Han Kang ebenso lange kennen wie Hetzer: Er war es, der vor 20 Jahren dafür sorgte, dass sie nach Regensburg kam. Die heutige Nobelpreisträgerin war damals Teil einer Delegation aus südkoreanischen Schriftstellerinnen, die im Juni 2005 durch Bayern und Baden-Württemberg reisten, um ihr Land als Gastland der Frankfurter Buchmesse zu repräsentieren. Hetzer meldete sich bei den Organisatoren und holte Han Kang und Kang Sok Kyong für eine Lesung in den Andreasstadel. Han Kang las dort aus „Die Verwandlung meiner Frau“, Eva Sixt die deutsche Übersetzung.

Ob Han Kang nochmal kommen würde? Helmut Hetzer glaubt nicht – sie ziehe sich eher zurück. Von der hohen Auszeichnung ist auch der Regensburger Buchexperte überrascht worden. Schon die Hartnäckigkeit, mit dem sich das K-Pop-Fieber hält, verwundert ihn: „Ich wundere mich manchmal, dass der Hype so groß geworden ist, das war nicht abzusehen“, sagt er.

Doch Korea ist weiter auf dem Pfad zu einer Supermacht des Entertainments mit perfekten Stars, die wie vom Reißbrett wirken, einprägsamen Melodien und ausgefeilten Choreografien, mit Mangas, K-Dramen auf Netflix, K-Beauty oder K-Food. „Viele junge Leute lernen jetzt Koreanisch“, sagt Hetzer.

Auch bei Hetzer selbst hat alles mit einem Sprachkurs begonnen: Im Studium an der Uni Regensburg interessierte er sich für asiatische Sprachen und landete eher zufällig im Koreanisch-Kurs. Dem hielt er eisern die Treue, auch während seines Auslandsstudiums in den USA. Eher zufällig wurde er auch Buchhändler: Seine Koreanisch-Dozentin suchte nach jemandem, der ihr Lehrbuch, das in einem koreanischen Verlag erschienen war, auf den deutschen Markt brachte. Hetzer fand die Idee gut.

Mit dem Verlag der Dozentin und einem Wörterbuch-Verlag fing er an. Seither kamen viele weitere Verlage hinzu. Sein Angebot ist ebenso breit wie das anderer Buchhandlungen – mit dem Unterschied, dass so gut wie alles bei ihm online läuft und auf Korea ausgerichtet ist. Im Sortiment hat er Bücher auf Koreanisch, Deutsch und Englisch. Von Regensburg und Leipzig aus beliefert er den Buchgroßhandel und verkauft in ganz Europa, vor allem nach Österreich, Benelux und Skandinavien.

Sein Hauptgeschäft sind Lernmittel. Die erschöpfen sich allerdings nicht in drögen Grammatiken und Wörterbüchern: So bringt der Verlag Cake Bücher heraus, mit deren Hilfe man zusammen mit den Lieblings-Boygroups BTS oder Seventeen Koreanisch lernen, kochen oder die Lyrics erschließen kann. Es gibt auch einen Sprachstift mit den Stimmen von BTS, erzählt Helmut Hetzer.

Buch-Tipps für Korea-Fans

Auch wenn er selbst kürzlich bei einem K-Pop-Konzert war – Hetzers Herz schlägt für die Literatur. Seine Empfehlungen sind: „Frau Yeoms kleiner Laden der großen Hoffnungen“ von Kim Ho-yeon, „Der Fluch des Hasen“ von Bora Chung, „Miss Kim weiß Bescheid “ von Cho Nam-Joo und den Roman, der es auf die Shortlist des Booker Prize geschafft hat: „Der Wal“ von Cheon Myeong-kwan – und natürlich: die fünf auf Deutsch erschienen Bücher von Han Kang.

Ziemlich „daebak“ läuft es gerade für Helmut Hetzer – der koreanische Ausruf für ein Ereignis, das gefällt. Foto: Elisabeth Hetzer