Neue Altkleidertrennung verunsichert – Wohin kommt verschmutzte Kleidung?

Von Bernd Hofmann · 14. Januar 2025 um 05:00

Eine neue Vorschrift gilt ab dem 1. Januar und sorgt momentan bei Bürgern für Verunsicherung. Seit dem ersten Tag des Jahres ist nun eine sogenannte gesetzliche Verpflichtung zur getrennten Erfassung von Alttextilien wirksam. Textilien sollen also getrennt vom normalen Restmüll entsorgt werden.

Die neue Regelung basiert auf der EU-Abfallrichtlinie sowie dem Kreiswirtschaftsgesetz, erklären die Chamer Kreiswerke in einer Pressemitteilung. Ziel der neuen Regelung sei es, die Wiederverwendung und das Recycling von Textilien zu fördern. Die Vorschrift lässt dabei aber noch einige Fragen offen: Wohin mit den alten Öl-Lappen? Wohin mit den zerrissenen T-Shirts?

Auf jeden Fall nicht in den Altkleidercontainer, sagt Stefan Raab, Referatsleiter für Mittelbeschaffung beim BRK in Cham. „Wir brauchen gut erhaltene Kleidung“, sagt er. Das Rote Kreuz hat acht Standorte mit insgesamt 35 Containern im Landkreis. Öl- und farbverschmutzte Kleidung könne man dort nicht gebrauchen, so Raab.

„Wenn verschmutzte, nasse oder unbrauchbare Textilabfälle in den Altkleidercontainer gelangen, werden diese Abfälle die Qualität der gesamten Sammelmenge stark negativ beeinflussen“, erklärt der Sachgebietsleiter der Kreiswerke, Martin Kernbichl. Weiter heißt es in der Pressemitteilung der Kreiswerke: „Aus der Getrenntsammlungspflicht abzuleiten, dass verschmutzte und unbrauchbare Textilien, Putzlappen, etc. nicht mehr über den Restabfall entsorgt werden dürfen, ist eine Fehlinterpretation, die aktuell leider gern verbreitet wird. Stark beschädigte oder verschmutzte Textilien gelten als Restabfall und müssen nach wie vor in der Restmülltonne entsorgt werden.“ Der schmutzige Öl-Lappen und das zerrissene Shirt gehört also nach wie vor in den Restmüll.

Wohin mit alter Kleidung?

Für saubere Kleidung gibt es verschiedene Abgabemöglichkeiten im Landkreis. Neben dem BRK haben auch die Malteser Kleidercontainer und Kleiderkammern, wie die Chamer Truhe oder der Kleiderstadl in Furth. Auch der Landkreis bietet die Möglichkeit, alte Kleidung loszuwerden: „Für die Entsorgung von sauberen, trockenen und noch nutzbaren Textilien bieten die Kreiswerke bereits seit Jahren Altkleidercontainer auf den Wertstoffhöfen an“, schreibt das Landratsamt. Auf allen 39 Wertstoffhöfen des Landkreises gebe es die Möglichkeit, saubere, trockene und noch nutzbare Textilien, beziehungsweise paarweise gebündelte Schuhe, kostenlos und in Säcken verpackt abzugeben. Die gesammelte Kleidung geht dann an einen Sortierbetrieb, dort wird die Ware geordnet.

„Der letzte Dreck gehört in die Restmülltonne“, sagt Oliver Schien, Prokurist von FWS Bremen. Der Sortierbetrieb nimmt sowohl dem Bayerischen Roten Kreuz als auch den Maltesern im Landkreis Cham die Textilien aus den Containern ab. Die Bremer Firma sortiert Altkleidung aus ganz Europa. „Die nördlichste Kleidung kommt aus Island und die südlichste aus Südtirol“, sagt Schien. Er wünsche sich vor allem einen Austausch mit den öffentlichen und karitativen Sammlern für eine sinnvolle Umsetzung der neuen Vorschrift. „Ein hochwertiges Recyclingprodukt braucht ein hochwertiges Ausgangsprodukt.“ Die neue Vorschrift sieht Schien kritisch: „Das, was da jetzt gerade passiert, ist in meinen Augen eine Katastrophe.“

In den Sortierbetrieben der Bremer Firma seien nur 60 Prozent der Textilien gut erhaltene Kleidung. Für eine Einschätzung, ob die neue Regelung einen Einfluss auf die Qualität der Kleidung haben wird, sei noch zu früh. Weiterhin gelte: „In einen Kleidercontainer gehört nur das rein, was man als Sachspende einem guten Freund geben würde.“

Sinkende Zahlen

„Die Lage am Altkleidermarkt ist angespannt“, berichtet Stefan Kalm. Er ist stellvertretender Diözesangeschäftsführer der Malteser in der Diözese Regensburg und ist mitverantwortlich für die Altkleidercontainer der Malteser im Landkreis Cham. „Zwischen dem 1. und dem 4. Quartal 2024 hat sich der Preis für Altkleider halbiert“, sagt Kalm. Vor allem die steigende Menge und schlechtere Qualität der Kleidung sei ein Grund, warum die Absatzmärkte schwinden. „Alle Akteure versuchen gerade den Kopf über Wasser zu halten“, fasst er die Situation zusammen.

Die neue Regelung

Kleidercontainer: Gut erhaltene, saubere und trockene Kleidung sowie paarweise gebundene Schuhe. Solche Textilien können für eine Wiederverwendung oder hochwertige Verwertung genutzt werden. Auf allen Wertstoffhöfen stehen Altkleidercontainer, außerdem sammeln gemeinnützige Organisationen wie die Malteser oder das BRK Kleidung. Auch die Kolping Familie und die Kreisfeuerwehr sammeln immer wieder Kleidung.

Restmüll: Stark beschädigte, schmutzige oder verunreinigte Textilien sowie Badteppiche, Sitzauflagen und Polster mit Schaumgummi-Füllung gehören weiterhin in die Restmülltonne.

Sortierung: Die gesammelten Textilien werden geprüft, sortiert und – soweit möglich – wiederverwendet oder zu neuen Produkten verarbeitet.