120 Arbeitsplätze betroffen: Aerumtec-Werk in Bad Kötzting ist geschlossen: Was passiert jetzt?

Von Stefan Weber · 13. Januar 2025 um 15:15

Anfang Juli vergangenen Jahres gab die Firma Aerumtec mit Sitz in Weißenburg bekannt, das erst rund ein halbes Jahr zuvor von Leoni übernommene Werk zur Draht- und Litzen-Herstellung in Bad Kötzting schließen zu wollen. 120 Arbeitsplätze waren davon betroffen, die Schließung ist mittlerweile vollzogen.

„Die Mitarbeiter des Aerumtec-Standortes Bad Kötzting wurden zwischenzeitlich überwiegend betriebsbedingt gekündigt und auch überwiegend freigestellt“, heißt es auf eine schriftliche Anfrage unseres Medienhauses an das Unternehmen von Frank Hohl, Prokurist von Aerumtec. Betont wird hierbei, dass Mitarbeitern die Möglichkeit der Weiterbeschäftigung am Standort im rund 200 Kilometer entfernten fränkischen Weißenburg angeboten worden sei.

Wie viele Mitarbeiter am Bad Kötztinger Standort dieses Angebot angenommen haben, steht nicht in der Erklärung; Auch, wie viele der 120 zuletzt beschäftigten Mitarbeiter neue Arbeitsstellen gefunden haben, sei bei Aerumtec nicht bekannt.

Frage der Konditionen

Das gilt auch für die Gewerkschaft IG Metall, die sich in den vergangenen Monaten auf Arbeitnehmerseite für möglichst gute Konditionen für die Beschäftigten in beiden Standorten eingesetzt hatte. Das Fazit des Bevollmächtigten Rico Irmischer in Regensburg nach einem halben Jahr: „Wir sind absolut nicht zufrieden.“

Stand seines Wissen hätten tatsächlich einige bislang bei Aerumtec am Standort in Bad Kötzting Beschäftigte neue Jobs gefunden, aber: „Zu welchen Konditionen? Das wissen wir auch nicht“, sagt Irmischer. Das gelte wohl umso mehr für diejenigen Mitarbeiter, die zuvor schon teilweise Jahrzehnte bei Leoni gearbeitet hatten. Über die Höhe der gezahlten Abfindungen können sich beide Seiten aufgrund vereinbarter Vertraulichkeit nicht äußern. Irmischer bemängelt aber, dass die Summen viel zu gering ausgefallen seien.

Das habe letztlich auch die vor Weihnachten angerufene Einigungsstelle so gesehen, was den Bad Kötztinger Aerumtec-Mitarbeitern aber wohl nicht wirklich mehr an Abfindung eingebracht haben dürfte: „ Die Kosten für die Vermittlungsstelle hätte man gut auch einfach an die Mitarbeiter geben können“, sagt Rico Irmischer von der Gewerkschaft IG Metall. Während die Maschinen an der Pfingstreiterstraße in Bad Kötzting stillstehen, würden Hallen und Verwaltungsgebäude derzeit geräumt, heißt es aus der Aerumtec-Zentrale in Weißenburg. Die Immobilie „wird für eine Folgenutzung vorbereitet“.

Allerdings nicht durch Aerumtec: „Des Weiteren suchen wir Interessenten für eine Folgenutzung“, heißt es in der Erklärung am Montag. Teile des Maschinenparks seien nach Weißenburg „transferiert und dort erfolgreich in das Produktionsnetzwerk integriert“ worden.

Was geschieht mit Werk?

So bleibt es offen, was weiter mit dem nun leerstehenden Werk passieren wird, an das Aerumtec noch durch längerfristige Verträge gebunden sein dürfte.

Irmischer geht indes davon aus, dass Gewerkschaft, Arbeitnehmer und ehemaliger Arbeitnehmer sich noch vor dem Arbeitsgericht treffen könnten – auch wenn alles, was dabei noch in finanzieller Hinsicht für die Mitarbeiter herauskommen könnte, kein Ersatz für eine verlorene Arbeitsstelle sein könne.

Standort-Geschichte

1969: Gründung des Leoni- Standortes in Kötzting mit einer Lackdrahtfertigung

2019: Die Zahl an Mitarbeitern blieb über all die Jahre gut über 100, doch vermeldete das Unternehmen im 50. Jahr des Bestehens der Niederlassung, dass die Auftragslage nicht zufriedenstellend sei.

2023: Im Dezember übernahm die Deutsche Invest Mittelstand (DIM) die Werke in Weißenburg, Bad Kötzting, Roth sowie je eines in China und in Großbritannien.

2024: Im Juli gibt das Unternehmen bekannt, bis Jahresende das Werk in Bad Kötzting schließen zu wollen.

2025: Das Werk ist stillgelegt.