Badebucht für die Regensburger: Motorboot-Vereine stehen am Oberen Wöhrd vor dem Aus

Von Benedikt Baumgartner · 14. Januar 2025 um 09:00

2857 Kilometer lang ist die Donau und trotzdem wird es eng an ihren Ufern – zumindest in Regensburg. „Wir haben keine Ausweichmöglichkeit mit unseren Booten“, sagt Dr. Jürgen Jerger, Vorsitzender des Regensburger Motorboot- und Wassersportvereins.

Noch stehen dem RMWV, dem 1. Motorboot- und Wasserskiclub (MWSC) und der Firma Kainz Boote 110 Liegeplätze am Ufer des Oberen Wöhrd zur Verfügung. Doch wie lange noch? Die Pachtverträge hatte das Wasserwirtschaftsamt zum Jahresende 2021 aufgekündigt, seither sind die Vereine und der Betrieb nur noch geduldet – unter der Auflage, dass die Vereine einen geeigneten Ort für einen Alternativhafen finden. Doch die Duldung läuft zum 31. Dezember ab. 2025 wird zum Schicksalsjahr.

Komplexe Planungen

Ein neuer Standort ist etwas weiter donauabwärts ausgemacht. Nur: „Ein Hafen in Weichs kann planungstechnisch unmöglich im Jahr 2025 umgesetzt werden“, sagt Jerger. Ein Umzug zur Saison 2026 sei ausgeschlossen. Das Genehmigungsverfahren in Abstimmung mit der Stadt, die Erschließung vom Schwabelweiser Weg her, der Aushub des Hafens in der Donau – „Das ist alles nicht trivial, das sind komplexe Fragen, die sich da stellen“, sagt Jerger zur zeitintensiven Vorplanung.

Ein Pachtende sei lange in den Verträgen verankert und seit 2015 konkret angekündigt gewesen, teilt Stefan Neudert, Leiter des Wasserwirtschaftsamts, mit. Der Uferbereich am Oberen Wöhrd soll stark verändert werden. Das zentrale Projekt ist der Bau des Hochwasserschutzes. „Die Vorentwurfsplanung ist abgeschlossen“, informiert Neudert zum aktuellen Stand. Verschiedene Varianten sowie eine Vorzugslösung seien entwickelt und sollen in der ersten Jahreshälfte öffentlich vorgestellt werden. Es folgt die Entwurfsplanung, die sich auf der Donauinsel sehr komplex darstelle. Vor 2030 erfolge der Beginn der Maßnahme daher nicht.

Hochwasserschutz und Hafen vertragen sich

Mit Schutzbauten vor der Flut seien die Bootsanlieger vereinbar, argumentiert Jerger. „All unsere Anlagen sind dem Hochwasserschutz in keiner Weise im Weg. Das ist Überschwemmungsgebiet.“ Man habe auch das Vereinsheim zur Disposition gestellt, etwas Lagerraum genüge dem RMWV am Anliegeplatz.

Mit dem Hochwasserschutz hat das Pachtende jedoch nur indirekt zu tun, führt Neudert aus: „Das eigentliche Ziel, die Flächen des Freistaats Bayern dauerhaft und ohne Einschränkung für die Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar zu machen, besteht unabhängig vom Fortgang des Hochwasserschutzes am Oberen Wöhrd.“ Statt wenigen Vereinsmitgliedern soll das Donauufer der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden.

Ufer soll für Bevölkerung zugänglich werden

Im Westen befinde sich die eingezäunte Pachtfläche des RMWV in der engeren Zone des Schutzgebietes für die Wasserversorgung von Regensburg. Der derzeitige Umgang mit Benzin, Ölen und Abwasser durch den Motorbootverein sei mit erhöhter Gefährdung für das Grundwasser verbunden, sagt Neudert. Hier soll sich zukünftig die Natur entfalten können. Im Anschluss Richtung Osten soll der Donauarm wie der Uferbereich des Regen in Steinweg, Reinhausen und Sallern mit einer Kies-Badebucht aufgewertet werden.

Vereine kämpfen um Betrieb ohne Unterbrechung

Grundsätzlich wolle man Hochwasserschutz und Uferumgestaltung zwar in einem abhandeln. Verzögert die Finanzierungsfrage den Bau der Flutabwehr, könnten die weiteren Arbeiten aber vorgezogen werden, um der Bevölkerung die Uferflächen schnellstmöglich zugänglich zu machen.

Wird der Hafen am Oberen Wöhrd dichtgemacht, kommen die Aktivitäten des RMWV laut Jerger zum Erliegen. Ausweichanlagen in der näheren Umgebung seien komplett ausgelastet. „Wir werden natürlich versuchen, unseren Betrieb ohne Unterbrechung aufrechtzuerhalten“, beteuert der Vorsitzende. Eine weitere Duldung am Oberen Wöhrd werde man beim Wasserwirtschaftsamt beantragen. „Für eine Verlängerung über 2025 hinaus müssten eine detaillierte Planung und ein eingeleitetes Genehmigungsverfahren vorliegen“, sagt Neudert. Ein Umzug müsse sicher und konkret scheinen.

Ohne Investor kein Hafen

„Das ist nach meiner besten Einschätzung realistisch“, sagt Jerger, das Genehmigungsverfahren sei für dieses Jahr angepeilt. „Am liebsten würden wir dort bleiben, wo wir sind“, wenn es von der Stadtgesellschaft gewünscht ist, verwehre man sich einem Umzug aber nicht. Wie viel der Bau und die Erschließung einer neuen Hafenanlage kosten werde, sei nicht seriös vorherzusagen. „Dass es sich um Investitionen im siebenstelligen Bereich handelt, ist vollkommen klar“, sagt Jerger aber. Dass ein eingetragener Verein bei solchen Summen bei einer Bank gar nicht erst um einen Kredit vorsprechen brauche, sei ebenso klar. Der Bau eines neuen Hafens sei ohne externen Investor nicht machbar.