Evangelisches Krankenhaus: Herrscht am Regensburger Emmeramsplatz Stillstand bis 2034?

Die Stadt Regensburg hat die Büronutzung im zum großen Teil leerstehenden ehemaligen Evangelischen Krankenhaus am Emmeramsplatz verlängert. Der ganz große Wurf für die Immobilie im Eigentum der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung ist vom Tisch.
Im ehemaligen Evangelischen Krankenhaus am Emmeramsplatz sitzen jetzt Mitarbeiter des „Sachgebiets Gesundheit“ der Regierung der Oberpfalz. Die Behörde, deren Zentrale nebenan ist, hat hier Büros. Weitgehend allerdings steht die Immobilie in Bestlage, die seit Anfang 2017 kein Krankenhaus mehr ist, leer. Und Ende 2024 hat die Stadt die Nutzungsänderung als Büro- und Verwaltungsgebäude um „bis zu zehn Jahre“ verlängert, darüber informiert sie die Stadträte des Planungsausschusses in der Liste der „genehmigten Bauvorhaben“.
Ansonsten wird über die Zukunft des Gebäudekomplexes im Eigentum der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung mit insgesamt 12.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche, zu dem das Ex-Krankenhaus mit etwa 6300 Quadratmetern Geschossfläche gehört, nichtöffentlich verhandelt.
Ausschuss für die Evangelische Wohltätigkeitsstiftung tagt geheim
Nachdem der städtische Ausschuss für die Stiftung bis 2024 auch öffentlich tagte, wies dann die Regierung der Oberpfalz als Aufsichtsbehörde daraufhin, dass für die Evangelische Wohltätigkeitsstiftung – obwohl sie von der Stadt verwaltet wird – nicht die Öffentlichkeitsgrundsätze gelten, denen beispielsweise Kommunen unterliegen. Dem Stiftungsausschuss gehören auch Kirchenvertreter an.
Für die Stiftung spricht allerdings die städtische Pressestelle. Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra bestätigt, aktuell sei der große Wurf für die Zukunft der Immobilie vom Tisch. In der Vergangenheit war von einem Konzept die Rede, in dem Seniorenwohnen eine zentrale Rolle spielen sollte und für das eine Investitionssumme von mehr als 50 Millionen Euro nötig gewesen wäre. Jetzt sagt von Roenne-Styra: „Da keine massive Umnutzung mit speziellen Anforderungen als Gesamtmaßnahme erfolgt, werden nur herkömmliche Kosten für einzelne Instandsetzungsmaßnahmen zum Zeitpunkt der jeweiligen Durchführung anfallen.“ Nur ein Gebäude in der Oberen Bachgasse stehe zur Sanierung an. Aus dem Stiftungsausschuss heißt es, den früheren Plan könne die Stiftung derzeit nicht umsetzen. Andere Großprojekte, nämlich die Entwicklung eines Industriegebiets am Ostbahnhof und ein Vorhaben am Galgenberg mit mehreren hundert Wohnungen, hätten Vorrang.
Verwaltungsnutzung für „längeren Zeitraum“
Von Roenne-Styra erklärt, das gesamte Ex-Krankenhaus eigne sich für Büros und solle nun auch „für einen längeren Zeitraum“ so genutzt werden. Bis 2022 war die Diözesanverwaltung eingemietet. Ab April 2022 zog die Regierung ins zweite Obergeschoss ein – „übergangsweise“, hieß es damals. Aktuell hat die Behörde Sprecherin Kathrin Kammermeier zufolge 1053 Quadratmeter und damit den kompletten zweiten Stock angemietet – und zwar bis Ende 2025. Nun habe die Regierung Bedarf an weiteren großen Flächen, sagt von Roenne-Styra, wofür sich die Stiftung beworben habe. Das Verfahren laufe aber noch.
Die Mitglieder des Stiftungsausschusses aus der Kommunalpolitik verfolgen den Umgang mit der Immobilie kritisch. Grünen-Stadträtin Wiebke Richter sagt über den Plan für die nächsten zehn Jahre: „Ich bin nicht dafür, dass es eine dauerhafte Lösung ist.“ Für Büros sei das Gebäude zu wertvoll. Richter hatte sich in der Vergangenheit für eine Zwischennutzung durch Vereine eingesetzt; das wurde aber als zu aufwendig verworfen. CSU-Stiftungsrätin Ellen Bogner betont, es sei wichtig, dass die Stiftung einzelne Bauabschnitte in Angriff nehme. „Ich würde mir wünschen, dass jetzt schnell was passiert.“
Brücke-Vertreter Joachim Wolbergs hat diesbezüglich keine Hoffnung. Die Verlängerung der Nutzungsänderung bedeute, „in den zehn nächsten Jahren passiert nichts“. Er erklärt: „Ich habe immer die Meinung vertreten, dass ins Evangelische Krankenhaus das dritte Rathaus soll. Alles andere finde ich nicht in Ordnung.“ Die Stadt aber wolle das alte Rewag-Gebäude als Standort, das Ex-Krankenhaus sei angeblich zu klein. Er sehe das anders.