Mehr Pflichtanteile: Baugenossenschaft in Burglengenfeld bittet langjährige Mieter zur Kasse

Seit über 100 Jahren sorgt die Gemeinnützige Baugenossenschaft in Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) dafür, dass sich auch Menschen mit weniger Einkommen eine Wohnung leisten können. Aktuell herrscht allerdings Verdruss: Kurz vor Weihnachten wurden wurden Mieter aufgefordert, zusätzliche Anteile zu erwerben.
Eine Bewohnerin wandte sich daher verärgert an die MZ-Redaktion. Ihren Worten zufolge hätten „alle“ Genossenschaftler ein Schreiben erhalten, in dem zum Kauf von Geschäftsanteilen gedrängt werde. Ein Anteil koste 100 Euro. Bei Mietern, die schon länger Mitglied sind, ergäben sich Forderungen von bis zu 800 Euro. „Woher soll ich das Geld nehmen?“, fragte die Seniorin.
MZ-Reporter Thomas Rieke wünschte sich, dass die Baugenossenschaft Burglengenfeld weiteren Wohnraum schafft. Hier lesen Sie seinen Kommentar dazu.
2. Vorstand Laura Schieder und Aufsichtsratsvorsitzende Songül Demirtas erklären auf Anfrage der MZ, was sich dahinter verbirgt: Wie erwähnt, hat die Genossenschaft eine lange Geschichte. Wer sich noch zu D-Mark-Zeiten bei ihr um eine Wohnung beworben hat, musste sieben Anteile zu je 100 Mark zeichnen. Diese Leistung dient quasi als Ersatz für eine Kaution. Mit der Einführung des Euro 1999 erfolgte eine entsprechende Umstellung. Ein Mieter hatte fortan also 700 Euro zu berappen.
Prüfer kritisierte die Kulanz
2016 gab es die nächste Satzungsänderung. Es wurde beschlossen, die Zahl der Pflichtanteile pro Mieter auf zehn zu erhöhen. Dem entsprechend, wäre es laut Schieder und Demirtas schon damals geboten gewesen, auch diejenigen, die bereits Mieter waren, zu Zahlungen aufzufordern. Aus Kulanz habe man darauf jedoch verzichtet.
Im Dezember 2023, so berichten Schieder und Demirtas weiter, habe der Prüfer des Dachverbands VdW Bayern genau dies reklamiert. „Die vom Vorstand zu führende Mitgliederliste entspricht nicht vollständig den Anforderungen des § 30 (2) Genossenschaftsgesetz. Teilweise haben Mitglieder ihre Geschäftsanteile nur entsprechend der alten Satzung einbezahlt. Dies ist durch die Satzung nicht gedeckt“, heißt es im Prüfbericht.
Viele positive Rückmeldungen
Damit sei, so die Sprecher der Genossenschaft, klar gewesen, dass an einem Kurswechsel kein Weg mehr vorbeigeführt habe. Bei der jüngsten Generalversammlung im November vergangenen Jahres sei dem gemäß ein Beschluss gefasst worden. Wenig später habe man die Mieter schriftlich informiert.
Die Rückmeldungen im Büro seien keineswegs negativ gewesen, im Gegenteil, versichert Schieder. Beispielsweise habe eine Mieterin die Entscheidung als „überfällig“ bezeichnet. Sie freue sich, „dass nun alle gleich gestellt sind“. Über 85 Prozent der Betroffenen, rund 40 an der Zahl, hätten die Forderungen auch bereits erfüllt. Wer Probleme habe, das Geld sofort aufzubringen, könne in Raten zahlen, betont Schieder. „Wir segnen das ab.“
Viele Kosten werden nicht umgelegt
Umso mehr ist der 2. Vorstand über das Vorgehen der Genossin verwundert, die sich gleich an die MZ gewandt hatte, um sich öffentlich zu beschweren. Wer die Sache so kritisch sehe wie sie, möge bedenken, dass die Genossenschaft eine ganze Reihe von Nebenkosten, die sie umlegen dürfte, eben nicht umlegt. Ob Grundsteuer oder Gebäudeversicherung, Kaminkehrer oder Heizungswartung – all das trage allein die Genossenschaft. Für den einzelnen Mieter bedeute das eine jährliche Entlastung von 300 bis 400 Euro.
Ansonsten ist bei der Gemeinnützigen Baugenossenschaft weitgehend alles wie gehabt: In fünf Straßenzügen in Burglengenfeld gehören ihr rund 130 Wohnungen. Der Altbestand wird in gewohnter Weise sukzessive saniert. 2024 lag der Schwerpunkt in der Pfalzgraf-Johann-Straße, wo auch jetzt noch eine Maßnahme läuft. Für solche Generalsanierungen und kleinere Projekte seien mindestens 300 000 Euro ausgegeben worden, heißt es.
Fokus liegt auf dem Bestand
Der Mietzins für eine Altbauwohnung beläuft sich laut Schieder auf durchschnittlich sieben Euro pro Quadratmeter, in den neueren Wohnungen an der Maxhütter Straße liege er bei 8,50 Euro. Damit liege man deutlich unter dem auch in Burglengenfeld üblichen Niveau von elf bis 13 Euro. Dem entsprechend lang ist die Liste derjenigen, die gerne eine Genossenschaftswohnung hätten. Schieder berichtet von mehreren Hundert Anfragen.
Doch obwohl die Genossenschaft über unbebaute Grundstücke verfüge, sei an Neubauten derzeit nicht zu denken. Zuschüsse gebe es eher weniger als noch vor Jahren, gleichzeitig seien aber die Auflagen und Anforderungen gestiegen. Die Devise laute daher unverändert: „Wir müssen in den Bestand investieren!“ So stünde die eine oder andere Dachsanierung auf der Agenda, die das Budget schon erheblich belasten dürften.
Aufsichtsratsvorsitzende Demirtas geht einen Schritt weiter. Sie würde es begrüßen, die Zusammenarbeit mit der Stadt zu intensivieren. Vielleicht ergäben sich daraus „neue Möglichkeiten“.
