Lebenshilfe erweitert ihr Angebot: In Burglengenfeld entsteht 2025 eine Frühförderstelle

Von Marius Göhl · 13. Januar 2025 um 05:00

Die Lebenshilfe Amberg-Sulzbach betreut an ihrer Frühförderstelle in Schwandorf mehr als 200 Kinder. Davon stammt fast die Hälfte aus dem Städtedreieck. Um die Versorgung der Familien vor Ort zu ermöglichen, will die Lebenshilfe 2025 eine Außenstelle in Burglengenfeld eröffnen.

Die ersten Schritte sind nach MZ-Informationen bereits gemacht. Der Mietvertrag in einem Gebäude in der Nähe des Rewe-Marktes im Naabtalpark ist unterschrieben. Nun stehen diverse Umbaumaßnahmen vor der Tür, um das Gebäude den Vorgaben einer Frühförderstelle entsprechend zu gestalten.

Melanie Dietrich, Bereichsleiterin „Frühe Kindheit“, erklärt die Details: „Wir müssen Wände einbauen und Verstärkungen einziehen, so dass beispielsweise an der Decke eine Therapieschaukel angebracht werden kann. Auch eine Schiebetür muss umgebaut werden.“ Außerdem wird das gesamt Gebäude barrierefrei gestaltet.

Bezirk unterstützt Projekt

Zu den Kosten des Projekts kann Dietrich noch nichts Genaues sagen. Um es überhaupt zu ermöglichen, war die Lebenshilfe auf Unterstützung des Bezirks angewiesen. „Er ist unser Kostenträger. Nur aus eigenen Mitteln könnten wir das nicht stemmen“, erklärt die Bereichsleiterin. Der Bezirk beteilige sich auch an der Miete.

Der gesamte Umbau soll laut Dietrich bis zu den Sommerferien abgeschlossen sein. Die Versorgung vor Ort soll dann bis zum kommenden Kindergarten- und Schuljahr angeboten werden.

Die Lebenshilfe Amberg-Sulzbach ist bereits in Schwandorf mit einer Frühförderstelle tätig. Aufgrund der großen Nachfrage, unter anderem aus dem Städtedreieck, hat sie sich entschieden, in Burglengenfeld einen zweiten Standort zu eröffnen.

Künftig soll es zwei Teams geben

Dietrich erklärt weitere Hintergründe: In der Großen Kreisstadt seien aktuell weit mehr als 20 Mitarbeiter beschäftigt. Ein Team dieser Größe an einem einzigen Standort sei jedoch zu groß, um effizient arbeiten zu können. Daher soll es künftig zwei Teams geben, die jeweils vor Ort die Familien versorgen können, sagt die Bereichsleiterin. Aber auch neue Mitarbeiter kämen für die Außenstelle in Burglengenfeld in Frage.

Somit könnte in Burglengenfeld die Zahl der betreuten Kinder, die im Städtedreieck wohnen und bisher in Schwandorf versorgt werden, steigen. „Das wird sicher noch ein bisschen wachsen. Ich rechne mit rund 120 Kindern. Das ist der Plan“, erklärt Dietrich.

Generell betreuen die Frühförderstellen der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach Kinder mit einer Teilhabe-Beeinträchtigung von der Geburt bis zur Einschulung. „Die Kinder sind in ihrer Teilhabe beeinträchtigt, beispielsweise aufgrund einer chronischen Erkrankung oder einer diagnostizierten Behinderung. Sie können aber auch Probleme im sozialen oder emotionalen Bereich haben, wie zum Beispiel bei Autismus-Spektrum-Störungen. Das ist gerade eine ganz große Gruppe“, berichtet Dietrich.

Ursachen für Hilfe vielfältig

Durch die gesundheitlichen Probleme benötigen die Betroffenen manchmal Unterstützung im Alltag und Entwicklungsförderung. Dies übernimmt dann die Lebenshilfe.

In ihrem Team arbeiten Pädagogen und Therapeuten verschiedenster Fachgebiete. Psychologen und Heilpädagogen ergänzen es. Das breite Angebot ist auch erforderlich, denn die individuelle Versorgung der Kinder stellt laut Dietrich immer eine Komplexleistung dar. Ihren Angaben zufolge wächst aktuell besonders die Zahl an Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen. Dabei handle es sich um neurologische Entwicklungsdefizite. Auffällig sei hier ein reduziertes Interesse an sozialen Kontakten und an Kommunikation. Die Symptome würden bereits in der frühen Kindheit beginnen.

Betreuung von Kindern mit Down-Syndrom

Auch Beeinträchtigungen wie das Down-Syndrom spielen aktuell wieder eine größere Rolle. „Wir haben kürzlich in Schwandorf wieder eine solche Gruppe eröffnet. Da war jahrelang gar nichts. Und jetzt kamen wieder fünf, sechs Eltern, die Kinder mit Down-Syndrom haben. Das sind immer so Wellen“, berichtet Dietrich.

Außerdem werden durch Verbesserungen in der Medizin immer mehr Frühchen geboren. Diese werden ebenfalls von den Frühförderstellen unterstützt. Diese stehen laut Dietrich im ständigen Austausch mit den Kindergärten und -ärzten in der Region.

Damit ist das Aufgabengebiet aber noch immer nicht vollständig beschrieben. Immer öfter hat es die Frühförderstelle mit Menschen mit Migrationshintergrund zu tun. Denn Fluchterfahrungen haben nicht selten traumatisierende Wirkung, gerade bei Kindern. Durch geschulten Umgang kann es gelingen, Erlebnisse zu verarbeiten, was der weiteren Entwicklung und damit dem Zurechtfinden in der „neuen Welt“ förderlich ist.

Einen Bewegungsraum mit einer Therapieschaukel soll es auch in Burglengenfeld geben.