Nach fast zwei Jahren Bauzeit: In das Senioren-Servicehaus Burglengenfeld kehrt Leben ein

Von Thomas Rieke · 12. April 2024 um 19:00

Jahrzehntelang galt das ehemalige Weiß-Gelände an der Dr.-Kurt-Schumacher-Straße als städtebauliche Wunde. Das ist endgültig Geschichte. Das Unternehmen Georg Ehrenreich hat auf dem Areal rund 100 Eigentums- und Mietwohnungen errichtet – und ein Senioren-Servicehaus. Dieses erhielt am Freitag durch Dekan Michael Hirmer und Pfarrer Gottfried Tröbs den kirchlichen Segen.

Erste Bewohnerin der Einrichtung ist Ursula Hermann. Die 78-Jährige aus Teublitz saß unter den geladenen Gästen und erklärte gern, weshalb sie sich entschieden hat, umzuziehen. Vor zwei Jahren hat sie ihren Mann verloren und lebte seitdem allein in einem „viel zu großen Haus“. Als sie im Januar 2023 beim Einkaufen die Bautafel vom Senioren-Servicehaus las, nahm sie Kontakt mit dem Bauherrn, der Firma Ehrenreich, auf. Der vermittelte sie an das Sozialteam Weiß, das die Einrichtung betreibt – „und schon hatte ich mich beworben“.

Erste Bewohnerin ist 78 und stammt aus Teublitz

Hermanns neues Reich ist nun ein 44 Quadratmeter großes Appartement mit Blick auf die Burg. Kostenpunkt: monatlich 970 Euro warm, inklusive Serviceleistungs-Pauschale.

Christian Weiß, Geschäftsführer des Sozialteams, nahm in seiner Rede Bezug auf den klassischen Widerspruch, dass die meisten Leute zwar alt werden wollten, aber nicht alt sein. Dem gelte es Rechnung zu tragen, und zwar in der Form, dass dem älter gewordenen Menschen Rahmenbedingungen geschaffen würden, die ihm gut täten, so dass er sich wohl fühlen könne. Dabei seien auch Politik und Kostenträger gefordert. Doch weder die Ampelkoalition, noch die Vorgängerregierung hätten guten Worten Taten folgen lassen.

Plädoyer für „vernünftige Zuwanderung“

Weiß forderte eine „ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema“ und veranschaulichte an der Anfahrtspauschale von 4,54 Euro, dass bei der Finanzierung der Dienstleistungen in der Pflege nachgebessert werden müsse. Um das chronische Personalproblem zu lindern, plädierte Weiß für eine „vernünftige Zuwanderung und Willkommenspolitik“, damit Menschen ins Land kämen, die arbeiten wollten.

Wer vor den Neubauten steht, kann sich kaum noch vorstellen, wie es vor wenigen Jahren auf dem Areal an der Dr.-Kurt-Schumacher-Straße ausgesehen hat. Die MZ begleitete seinerzeit die Abbrucharbeiten. Mehr dazu lesen und sehen Sie hier.

Für seine neue Einrichtung in Burglengenfeld wünschte sich Weiß, dass sie zu einem „Haus voller Leben und Geborgenheit“ werden möge – mit glücklichen Menschen. Dazu solle das Konzept des Sozialteams beitragen, denn es sei hoch flexibel und ermögliche den Bewohnern größtmögliche Selbstbestimmung.

Lob vom Bürgermeister und von stellvertretendem Landrat

Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) sprach von einem Freudentag für das Sozialteam, aber auch für die Stadt und ihre Bewohner. Die Lage der Einrichtung sei ideal. Burglengenfeld habe mit ihr einen wichtigen Mosaikstein im Bereich der Pflege hinzugewonnen. Stellvertretender Landrat Richard Tischler (FW) bezeichnete die Anlage als „Gewinn für den ganzen Landkreis“. Denn sie passe genau in die Lücke zwischen einem Leben zuhause und der vollstationären Pflege.

Bauherr Georg Ehrenreich verriet, dass die Revitalisierung des früheren Weiß-Areals für seine Familie ein generationenübergreifendes Projekt sei. Schon sein Vater habe vor 25Jahren mit der Erbengemeinschaft verhandelt. Erst vor wenigen Jahren sei ihm selbst der Durchbruch gelungen.

Bei Konzeptsuche half auch der Zufall

Bei den Überlegungen, was man aus dem Gelände machen könnte, sei der Zufall zu Hilfe gekommen – in Person von Christian Weiß, der für ein anderes Vorhaben einen Bauträger gesucht habe. Schnell habe er, Ehrenreich, erkannt, dass das Seniorenservicehaus-Konzept auch für sein Grundstück in Burglengenfeld passen würde.

Im Juli 2022 wurde es dem Stadtrat präsentiert, zwei Jahre später war der erste Spatenstich, im März dieses Jahres war die Endabnahme. Die Kooperation mit Weiß sei so gut gewesen, dass „ich hoffe, dass weitere Projekte folgen werden“, sagte Ehrenreich. In Teublitz ist dies bereits der Fall.

Weitere Details in Kürze

Das Sozialteam: Es betreibt in Bayern und Sachsen Einrichtungen und Dienste für über 1700 pflegebedürftige Senioren sowie für psychisch kranke und suchtkranke Menschen. In ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten sind über 750 Mitarbeiter an mehr als 25 Standorten beschäftigt.

Die Einrichtung in Burglengenfeld: Das SeniorenServicehaus bietet 28 barrierefreie Ein- und Zwei-Zimmer-Appartements, eine Tagespflege für 20Gäste und zwei ambulant betreute Wohngemeinschaften für jeweils zwölf Personen mit dementieller Erkrankung.

Kontakt: Das Beratungstelefon hat die Nummer (09471) 3262250.

Geschäftsführer Christian Weiß (l.) lud die Gäste zu einem Rundgang durch die Räumlichkeiten. Foto: Rieke
Sie brachten den Segen ins Haus: Dekan Michael Hirmer (l.) und Pfarrer Gottfried Tröbs Foto: Rieke
Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) rühmte einmal mehr den Standort. Foto: Rieke
Die erste Bewohnerin, Ursula Hermann, stammt aus Teublitz und zieht jetzt ein. Foto: Thomas Rieke