Schreck in Neukirchen-Balbini: Wer sabotierte den Winterdienst?

Sobald der erste Schnee fällt, wird in den sozialen Netzwerken über den Winterdienst diskutiert. Dem einen kommt der Räumdienst zu spät, dem anderen zu früh, für den einen wird zu wenig gestreut, für den anderen zu viel. Dass aber ein Winterdienst-Fahrzeug manipuliert wird, ist eine neue Dimension. In Neukirchen-Balbini (Landkreis Schwandorf) hat ein solcher Vorfall nun die Bürger aufgeschreckt.
Am 30. Dezember war den Bauhof-Mitarbeitern aufgefallen, dass der Radlader, der zum Streusalz-Nachschieben benötigt wird, nicht mehr funktionierte. Bauhofleiter Xaver Hinteneder suchte nach dem Fehler. Es dauerte einige Zeit, bis die Ursache ermittelt war: Kabel zum Steuergerät waren durchtrennt worden. Sie waren nicht nur herausgerissen, sondern richtig durchgeschnitten worden, sagt Hinteneder. Es sei ein erster Hinweis gewesen, dass sich jemand unerlaubt Zutritt zum Bauhof verschafft hatte.
Merkwürdiges Klappern gehört
Der Verdacht erhärtete sich am 4. Januar: Bauhofmitarbeiter Markus Hinteneder, der Sohn des Chefs, war gerade mit dem Unimog unterwegs, um die Straße zum Ortsteil Boden zu räumen, als er ein merkwürdiges Klappern hörte. Als das Geräusch lauter wurde, wurde der 36-Jährige unruhig. Zu Recht, denn sämtliche Radmuttern des Fahrzeuges waren gelockert worden. Da er nur etwa einen halben Kilometer vom Bauhof entfernt war, konnte er mit dem Unimog langsam zurückfahren und dort die Radmuttern wieder befestigen.
Als Bürgermeister Markus Dauch von dem Vorfall erfuhr, sei er geschockt gewesen. Er sei zugleich „zutiefst traurig“ gewesen und habe sich gefragt, wie jemand auf die Idee kommen kann, die Radmuttern an einem Bauhof-Fahrzeug zu lockern. „Man darf gar nicht zu viel nachdenken, was alles hätte passieren können“, meint Dauch.
Es seien nicht nur die Mitarbeiter des Bauhofes in Gefahr gebracht worden, auch andere Bürger hätten verletzt werden können, so Dauch. Als Beispiel nennt er ein Rad, das sich während der Fahrt hätte lösen können. Direkt neben der Straße nach Boden führt ein Wanderweg entlang. Die Strecke werde laut Bürgermeister auch gern zum Gassigehen genutzt.
Fahrzeug hatte noch einen Radmutterschutz
Markus Hinteneder war mit dem Unimog mit bis zu 30 Stundenkilometern unterwegs. Man wolle sich nicht ausmalen, welche Wucht ein sich lösendes Rad entwickelt hätte. Der Bauhof-Mitarbeiter hatte Glück im Unglück: Da es sich bei dem Unimog um ein älteres Fahrzeug – Baujahr 2011 – handelt, gibt es an den Rädern noch einen Radmutterschutz. So fallen lockere Radmuttern nicht einfach ab, sondern sorgen für ein Klappergeräusch. Neuere Fahrzeuge haben einen solchen Radmutterschutz nicht mehr, erklärt der Bauhofleiter.
Dass sich die Radmuttern von allein gelockert haben, kann Xaver Hinteneder ausschließen. Anfang November werden die Bauhof-Fahrzeuge für den Winterdienst umgerüstet. Die Winterräder werden mit entsprechender Technik so festgezogen, dass sie sich nur mit entsprechender Kraftanstrengung lockern lassen. Deshalb vermutet der Bauhofleiter, dass es sich bei dem unbekannten Täter wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine männliche Person gehandelt haben muss.
Der Unbekannte habe mutmaßlich über die Gegebenheiten vor Ort Bescheid gewusst. Der Tathergang würde darauf schließen lassen, glaubt Hinteneder. Denn der Unimog war in der verschlossenen Fahrzeughalle des Bauhofgebäudes abgestellt. Da es keine Einbruchsspuren gebe, muss der Täter wohl einen Schlüssel besessen haben, so seine Vermutung.
2018 wurde eine Schließanlage installiert. Ein überschaubarer Personenkreis besitze dafür einen Schlüssel, weist der Bürgermeister hin. Allerdings gebe es noch zwei Rolltore, die sich mit den alten, zuvor verwendeten Schlüsseln öffnen lassen. Wer alles einen solchen Schlüssel besitzt, sei nie dokumentiert worden, ergänzt Dauch.
Schlösser sollen ausgetauscht werden
Bekannt ist aber, dass neben den Bauhofmitarbeitern die Beschäftigten des benachbarten Recyclinghofes einen Schlüssel besitzen, um die Sanitäranlagen im Bauhof nutzen zu können. Ein Schlüssel wurde darüber hinaus an den Sportverein vergeben, der eine Mähmaschine in der oberen Halle untergestellt hat. Wie viele Schlüssel außerdem noch im Umlauf sind, ist nicht wirklich klar.
Die Schlösser sollen nach dem Vorfall ausgewechselt werden, kündigt der Bürgermeister an. Wer dafür künftig einen Schlüssel besitzt, soll genau nachvollziehbar sein. Das ist aber nicht die einzige Sicherheitsmaßnahme, die nach der Tat ergriffen werden soll.
Das Gelände soll zudem noch besser überwacht werden. Bisher gibt es im unteren Teil des Geländes zwei Kameras, die aber zur Überwachung des Recyclinghofes angebracht wurden, weil es laut Dauch immer wieder falsche Ablagerungen in den Containern gegeben habe. Dass der Täter in diesem Bereich unbemerkt in das Bauhofgebäude eingedrungen ist, könne ausgeschlossen werden. Er wäre dann von einer der beiden Kameras erfasst worden. Und die Bauhofmitarbeiter haben nach Sichtung der Aufnahmen keine Auffälligkeiten entdeckt.
Polizei ermittelt wegen gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr
Der obere Bereich wird dagegen von den bisherigen Kameras nicht erfasst. Dort könnte der Täter unbeobachtet das Gebäude betreten haben. Das soll künftig nicht mehr so sein. „Es ist traurig, dass wir am Bauhof mit Kameras arbeiten müssen“, findet der Bürgermeister. Auch auf die Räder der Fahrzeuge werden die Bauhofmitarbeiter in Zukunft genauer schauen.
All diese Schritte könnten durchaus dafür sorgen, dass der oder die Täter nicht erneut zuschlagen. Um den Unbekannten zu ermitteln, der über die Weihnachtsfeiertage die Fahrzeuge manipuliert hat, ist dagegen die Neunburger Polizei gefragt. Sie ermittelt in dem Fall wegen gefährlichem Eingriffs in den Straßenverkehr. Eine solche Straftat kann laut Strafgesetzbuch mit Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafen geahndet werden.
