Stadt berichtet: So marode sind Regensburgs Brücken

Von Juliana Ried · 11. Januar 2025 um 05:00

Das Planungs- und Baureferat der Stadt der Stadt Regensburg will künftig mehr Geld für die Brücken in seiner Zuständigkeit – und setzt dabei auf deutliche Worte. Der Teil-Einsturz der Dresdner Carolabrücke im September 2024 sei ein „mahnendes Beispiel“, heißt es am Anfang des Statusberichts, den das Referat am Dienstag Stadträten vorlegt.

Es folgt ein Appell, „dass die Finanzierung von Brückenunterhaltsmaßnahmen, -sanierungen und -ersatzneubauten gesichert sein muss“, heißt es am Anfang des Statusberichts, den das Referat am Dienstag Stadträten vorlegt.

Referent Florian Plajer betont: „Aufgrund des steigenden Verkehrsaufkommens und durch das immer höhere Alter der vorhandenen Brücken müssen die Investitionen in die Substanz künftig sicher höher werden.“ Auch der Aufwand für den laufenden Unterhalt werde höher. Für 73 Brücken ist die Stadt zuständig. Acht davon erhielten bei der jüngsten Bauwerksprüfung eine Note von 3,0 oder schlechter, sind also in „nicht ausreichendem“ oder sogar „ungenügendem Zustand“.

Vier Brücken sind „erheblich beeinträchtigt“

Bei 3,5 oder schlechter – das betrifft vier Brücken – seien die Standsicherheit beziehungsweise die Verkehrssicherheit „erheblich beeinträchtigt“ und die Dauerhaftigkeit des Bauwerks sei nicht mehr gegeben, steht in der Beschlussvorlage. Das bedeute: „Es ist eine umgehende Instandsetzung beziehungsweise Erneuerung der Brücke erforderlich.“ Tatsächlich gibt es allerdings für einen Teil der so schlecht bewerteten Brücken noch keinen Sanierungs- oder Neubautermin.

Mit 3,8 schnitt der Eiserne Steg bei der Bauwerksprüfung am schlechtesten ab. Grund seien „eine hohe Anzahl an massiven Schäden an den Trägern der Brücke“. Errichtet wurde die Brücke 1947 als Provisorium aus Wehrmachtsbeständen. Die Prüfung eines Statikbüros ergab, dass eine Sanierung möglich ist – weil die Verkehrslasten auf dem von Fußgängern und Radlern genutzten Steg gering seien. Die Kosten von geschätzt 3,25 Millionen Euro sind im Investitionsprogramm 2024 bis 2028 allerdings nicht berücksichtigt. Bis zur Sanierung soll der Steg alle zwei Jahre eingehend überprüft werden – anstatt wie bisher alle sechs.

Grieser Steg für Fußgänger und Radler

Nicht ganz so viele gravierende Schäden weist der ebenfalls ab 1947 errichtete und mit 3,6 benotete Grieser Steg für Fußgänger und Radler auf. Eigentlich sollte 2025 mit dem Neubau für 11,4 Millionen Euro begonnen werden. Doch es droht eine Verzögerung: Bei einer Vermessung der Flusssohle wurde festgestellt, dass sie zum Einfahren der Brückenteile teilweise zu hoch liege. Derzeit werde mit dem Wasserwirtschaftsamt und Fischereiverbänden erörtert, ob für das Ausbaggern ein zusätzliches Wasserrechtsverfahren nötig ist.

Mit 3,5 ebenfalls ein „ungenügend“ bekam die von 1936 bis 1937 erbaute Frankenbrücke. Dem Planungsreferat zufolge „ist dieses Bauwerk für heutige Verkehrsaufkommen und für heutige Lasten nicht ausgelegt“. 1937 seien Brücken „noch mit Lastannahmen für Dampfwalzen mit 24 Tonnen bemessen“ worden. Inzwischen liegt das zulässige Gesamtgewicht für Lkw bei 44 Tonnen.

Das Tiefbauamt unterzieht die Brücke seit mehreren Jahren jährlich einer Hauptprüfung, „um die Zustandsverschlechterung besser im Blick zu haben“. „Eine zukünftige Verkehrsbeschränkung ist dabei nicht ausgeschlossen.“ Bis zum bereits 2012 beschlossenen Neubau werden noch ein paar Jahre vergehen. Im Investitionsprogramm sind erst ab 2028 Baumittel vorgesehen. Die Bogenbrücke über den St. Petersweg von 1783/1784 erhielt ebenfalls die ungenügende Note 3,5. „Aufgrund großflächiger Wasser- und Frostschäden erscheint derzeit eine größere Sanierung als unumgänglich“, so das Urteil des Tiefbauamts. Die nächste Hauptprüfung müsse vorgezogen werden, ein Sanierungskonzept folgen.

ADAC: Bei Brücken genau hinsehen ab Note 3,0

Die maroden Regensburger Brücken sind keine Einzelfälle. Alexander Kreipl, verkehrspolitischer Sprecher des ADAC Südbayern, betont, generell gelte: „Es ist eine der drängendsten Aufgaben für die nächsten Jahren, die Brücken instand zu halten.“

Dennoch sagt er, auch vor dem Hintergrund des Dresdner Falls: „Es besteht kein Grund zur Panik. Man kann davon ausgehen, dass man jetzt noch genauer hinschaut, als man es vorher schon gemacht hat.“ Bei einer Note von 3,0 oder schlechter „sollte man eher an kurzfristige Maßnahmen denken, muss sich aber immer das Schadensbild anschauen“. So könnten unter Umständen etwa Stabilisierungsmaßnahmen oder auch eine Lastbeschränkung kurzfristig hilfreich sein.

So prüft die Stadt Brücken

Vorgaben: Brücken ab einer lichten Weite von zwei Metern müssen nach einem vorgeschriebenen Zyklus geprüft werden. Mindestens alle sechs Jahre muss eine Bauwerkshauptprüfung stattfinden. Dazwischen gibt es alle drei Jahre einfache Prüfungen ohne Hilfsmittel wie etwa Hebebühnen oder Brückenuntersichtgeräte. Bauwerke in schlechtem Zustand werden häufiger einer Hauptprüfung unterzogen.

Ergebnisse: Neben den vier Brücken mit Note 3,5 oder schlechter (Eiserner und Grieser Steg, Frankenbrücke und Brücke über den Stadtgraben) erhielten vier weitere Bauwerke eine Bewertung mit 3 oder schlechter, also „nicht ausreichend“: Safferlinger Steg, die südliche Vorlandbrücke des Odessa-Rings, die Brücke in der Mitte der Osthafenstraße und der Geh- und Radwegsteg am Staufstufenkanal.

Der Grieser Steg soll neu gebaut werden. Foto: Daniel Steffen
Der Eiserne Steg schnitt am schlechtesten ab. Foto: Tino Lex
Massive Schäden: die Brücke über den Stadtgraben Foto: Ried