Kiwis, Öl und Dubai-Eis: So kreativ sind die Landwirte in der Oberpfalz und in Niederbayern

Von David Santl · 9. Januar 2025 um 19:00

Was gehört zu einem bayerischen Bauernhof? Kühe und Hühner natürlich, aber auch einige Felder. So zumindest die klassische Vorstellung. Mehr Konkurrenz, aber auch Erfindergeist, sorgen jedoch dafür, dass Landwirte in der Oberpfalz und in Niederbayern experimentierfreudig werden. Mit Erfolg, wie sieben Beispiele zeigen.

• Niederbayerische Kiwis auf dem Maxnhof in Aiglsbach

Die Bananen sind ihm erfroren, darum baut Erwin Betzenbichler auf seinem Hof in Aiglsbach seit 18 Jahren eben Kiwis an. „Das war alles Rumprobieren“, sagt er. Die exotischen Früchte sind Betzenbichlers Leidenschaft. Darum lohnt sich der Anbau für ihn persönlich auch. „Aber jede einzelne Arbeitsstunde bräuchte ich nicht aufschreiben“, sagt er und lacht.

Betzenbichler vermarktet aber nicht nur Kiwis. Auf dem Maxnhof gibt es auch Bio-Honig, Soßen, Chutneys und Esskastanien. Außerdem beliefert er Schulen und Kindergärten. „Du musst eben flexibel sein und mehrere Standbeine haben“, sagt der Kiwi-Bauer.

• Auf dem Kreuzerhof gibt es Pasta aus dem Bayerwald

Als klassischer Bauernhof startete auch der Kreuzerhof in Furth im Wald (Landkreis Cham). Bis die Familie in den 1990er-Jahren auf eine Idee kam: Warum nicht die Eier der Hühner für Nudeln hernehmen? So entstand das „Kreuzerhof Nudelwerk“, erzählt Franz Kreuzer. Damit der Hof eine weitere Einkommensquelle hat, bieten die Kreuzers neben Trockenpesto auch Nischenprodukte an, wie Proteinnudeln oder Dinkelnudeln.

Vor allem Letztere kommen bei vielen Kunden an. „Wir bekommen einige Rückmeldungen, dass sie Dinkelnudeln am besten vertragen.“

• Der Hoferbauer in Hemau bietet edle Öle an

„Wohin nur mit all den Nüssen?“, fragten sich Birgit und Christian Dinauer 2008. Die Nussbäume auf ihrem Hof in Hemau (Landkreis Regensburg) bescherten eine üppige Ernte. Dann kam ihnen eine Idee: Sie kauften eine Presse, verarbeiteten die Nüsse zu Öl und verschenkten es an Bekannte.

Die waren begeistert – und jetzt sind die Bio-Öle vom „Hoferbauer“ eine Marke in der ganzen Region. Eine große Ölpresse steht im früheren Kuhstall. Die dürfen Gäste bei Führungen bestaunen. Auch das Getreide für weitere Ölsorten bauen die Dinauers selbst an oder beziehen es aus der Nähe. Neben Klassikern wie Raps- oder Leinöl bieten sie – legales – Hanföl an, aber auch Mehl, Senf und Proteine. „Wir können alles verwerten und müssen nichts wegwerfen“, sagt Birgit Dinauer.

• Beim Deß-Hof in Freystadt dreht sich alles um Ziegen

Die Kühe des elterlichen Bauernhofs lohnten sich nicht mehr, also zogen Maria und Günther Deß vor 20 Jahren auf den Richthof bei Freystadt (Landkreis Neumarkt), um dort ihren Traum zu verwirklichen: einen Ziegenhof.

„Ziegen mag eigentlich jeder, weil sie so zutraulich sind. Außerdem sind sie kleiner und handsamer als Kühe“, begründet Maria Deß ihre Entscheidung. Zum Hof gehört auch ein Café mit allerlei Hausgemachtem. Gäste können dort Geburtstagsfeiern, Tagungen oder sogar kleine Hochzeiten stattfinden lassen. „Von dort aus können sie auch direkt in den Stall sehen“, sagt Deß, die im Café auch gerne einmal die Steirische Harmonika in die Hand nimmt. Denn sie ist nicht nur als offizielle Erlebnisbäuerin bekannt, sondern auch als singende Ziegenbäuerin.

• Marco Mulzer ist der Fisch-Bauer aus Schwandorf

Seit 233 Jahren gehört der Familie Mulzer das gleichnamige Teichgut in Schwandorf. Die Teiche haben schon vorher existiert. Zunächst war der Hof ein klassischer Mischbetrieb. Nun liegt der Schwerpunkt auf der Zucht und der Veredelung von Karpfen, Forellen, Saiblingen und vielen anderen Süßwasser-Fischarten. Die gibt es in allen möglichen Variationen, zum Beispiel als Filet oder als Räucherfisch.

Dabei ist Marco Mulzer ein Prinzip ganz wichtig: „Klasse statt Masse.“ Damit konnten die Mulzers einen kleinen Markt etablieren. „Aber die Konkurrenz aus dem Ausland und die EU-Verordnungen stellen uns vor Herausforderungen“, sagt Marco Mulzer.

• Exotische Eissorten in der „Wegwarte“ in Illschwang

Ein neuer Bulldog oder lieber eine Eismaschine für seine Frau Elisabeth? Vor dieser Entscheidung stand Hans Dehling aus dem Illschwanger Orsteil Haar (Landkreis Amberg-Sulzbach) vor 20 Jahren. Gekostet hätte es ungefähr gleich viel. Er entschied sich, seiner Frau ein Geschenk zu machen. Bereuen musste er es nicht.

Denn die Landwirtschaft hat sich irgendwann ohnehin nicht mehr gelohnt. Dafür steht jetzt ein Eis-Automat im Hof und vor zwei Jahren eröffneten sie ein Eiscafé. Dort gibt es nicht nur Klassiker, sondern auch lilafarbenes Eis aus der philippinischen Ube-Wurzel – und einen absoluten Trend: Dubai-Eis. „Das ist wirklich total lecker“, schwärmt Elisabeth Dehling. Der Erfolg gibt ihnen recht: „Wir haben Stammkunden, die sagen, dass sie kein anderes Eis mehr essen als unseres.“

• Bei Küffners wachsen Südfrüchte an der Donau

Melonen, Auberginen oder Artischocken wachsen eigentlich eher im mediterranen Raum oder in Afrika. Der Klimawandel sorgt allerdings dafür, dass sie auch direkt an der Donau im Regensburger Stadtwesten angebaut werden.

So wie auf dem Hof von Ingrid Küffner. „Das Klima und das Schwemmland bieten ideale Voraussetzungen“, sagt sie. Gemüse wird auf dem Küffner-Hof schon in der vierten Generation angebaut – nun wird es eben noch exotischer. Profitieren können Kunden im Hofladen und auf diversen Märkten. „Das lohnt sich allemal“, sagt Küffner.

Marco Mulzer züchtet auf seinem Teichgut in Schwandorf Süßwasser-Fische. Das Filettieren und Räuchern geschieht in Handarbeit. F.: Teichgut Mulzer
Laura Dehling und ihre Familie betreiben in Illschwang ein Eiscafé auf dem ehemaligen Hof. Exotische Eissorten kommen dort gut an. F.: Regina Wolfohr
Ingrid Küffner aus Regensburg baut auf ihren Feldern allerlei klassisches Gemüse an. Inzwischen halten aber auch südliche Sorten Einzug. F.: Marion Koller
Franz Kreuzer bietet im „Kreuzerhof Nudelwerk“ in Furth im Wald sowohl klassische Pasta an, als auch Nischenprodukte, wie Protein-Nudeln.F.: Kreuzerhof
Christian Dinauer und Tochter Julia auf einem ihrer Felder im Sommer in Waltenhofen bei Hemau: Dort bauen sie Getreide für Bio-Öle an. F.: Dinauer
Maria Deß hält auf ihrem Hof bei Freystadt rund 200 Ziegen. Zugleich betreibt sie ein Café und unterhält dort Gäste gerne mit der Steirischen.F.: Heike Regnet