Inventar und Fahrzeuge: Regensburger Autohaus endet in Online-Versteigerung

Ende November hat das Autohaus Gebhardt in der Friedenstraße in Regensburg den Betrieb eingestellt. Das verbliebene Inventar und einige Fahrzeuge werden jetzt versteigert.
Eine vier Meter lange Werkbank, in blau mit Schraubstock und elf Lochblechen für aktuell 55 Euro. Eine Pkw-Waschanlage, bis dato noch zum Startpreis von einem Euro erhältlich. Oder auch ein zwei Jahre altes Mercedes-Coupé AMG Night Edition mit 258 PS, Neuwert 98 000 Euro, für derzeit 32 000 Euro.
Diese und 909 weitere Posten sind bei einer bis Ende des Monats laufenden Online-Auktion zu haben. Versteigert wird alles, was an Warenbestand und Inventar vom Autohaus Gebhardt noch übrig geblieben ist. Das an der Friedenstraße beheimatete Regensburger Traditionsunternehmen hatte Ende November nach 104 Jahren den Betrieb eingestellt.
Seit dem Zweiten Weihnachtsfeiertag läuft die ebenso ungewöhnliche wie spektakuläre Abwicklung. Für Markus Rockmann aus Weißenburg, Chef von Rockmann Industrieauktionen und zugleich Präsident des Bayerischen Versteigererverbandes, ist es jedoch ein ganz normaler Vorgang. „Das gibt’s jetzt immer öfter. Dass die Wirtschaft den Bach runter geht, wissen wir ja alle. Die Insolvenzen nehmen zu“, sagt er, allerdings ohne mit dem üblichen Geschimpfe auf die Politik fortzufahren.
„Kein Ramsch dabei“
Denn sehr oft sind auch eine nicht geregelte Unternehmensnachfolge oder ganz allgemein Personalprobleme der Grund für Betriebsschließungen. Bei Gebhardt war es so. Und die noch vorhandenen Werte des in kerngesundem Zustand geschlossenen Autohauses sind beträchtlich. Rockmann geht jedenfalls davon aus, dass der Erlös der Auktion siebenstellig sein wird.
Doch das ist nur ein Aspekt für den Versteigerungsprofi. „Da geht es auch um nachhaltige Verwertung, die Sachen sind zu schade zum Wegschmeißen“, erklärt er mit Blick auf die hochwertige Werkstatt-Ausstattung. „Das war ja alles nach dem neuesten Stand der Technik und nach Vorgaben von Mercedes eingerichtet. Da ist kein Ramsch dabei.“
Großes Echo auf die Auktion
Entsprechend groß ist das Echo auf die Auktion, das Rockmann seit dem 26. Dezember registriert. „Es läuft von Beginn an sehr gut. Aber richtig heiß werden dann die letzten Minuten werden. So wie es jeder von Ebay kennt.“ Das Publikum ist ähnlich bunt gemischt wie beim bekanntesten Online-Auktionshaus, schätzt Rockmann. Unter den 912 Artikeln ist nämlich nicht nur alles dabei, was man für die Einrichtung einer professionellen (Auto-)Werkstatt braucht – auch das komplette Büro-Inventar von Gebhardt kommt unter den Hammer. Hier reicht die Spanne von Möbeln aller Art bis zum Laserdrucker.
Weil Personal und Kunden des Autohauses selbstverständlich im Betrieb gegessen, getrunken sowie hin und wieder wohl auch gefeiert haben, stehen Kaffeeautomaten, ein großer Kühlschrank sowie ein Gasgrill ebenso auf der Auktionsliste. Wer länger sucht, findet dann sogar doch noch Ramsch: Eine Zimmerpflanze aus dem Meisterbüro ist zu haben, zusammen mit Topf momentan noch zum Startpreis von einem Euro.
Bis Ende Februar ist alles weg
„Die Highlights sind natürlich die Fahrzeuge“, weiß Rockmann und bezieht sich dabei nicht nur auf edle Boliden von Mercedes und Dodge. Auch Nutzfahrzeuge wie ein Kastenwagen, ein Sprinter, ein Autotransporter und ein Lkw sind im Katalog enthalten.
In Augenschein genommen werden kann das gesamte Sortiment bei einem öffentlichen Besichtigungstermin am 25. Januar von 12 bis 14 Uhr vor Ort in der Friedenstraße. Als besonderes Schmankerl führt Rockmann hierbei die Live-Versteigerung eines Oldtimer-Lkw durch.
Nach Ende der Online-Auktion am 31. Januar um 13.15 Uhr haben alle Käufer bis zum 24. Februar Zeit zur Abholung. Läuft alles nach Plan, ist das Autohaus-Gelände dann komplett ausgeräumt und nur noch der größte Wert übrig: ein weitläufiges, neu zu nutzendes Grundstück zwischen Innenstadt und Uni.