Aus Costa Rica nach Regensburg – Norman Benavides über die Stadt, die Bayern und die Bar „Heimat“

Von Selina Schaefer · 9. Januar 2025 um 09:00

Die Donaustadt „ist meine zukünftige Heimat“, sagt Norman Benavides. Der 32-Jährige ist seit mehr als drei Jahren Barkeeper in der Bar „Heimat“ in Regensburg. Seit zwei Jahren arbeitet er zudem als Sprachlehrer, bringt Einwanderern Deutsch bei. Ursprünglich kommt er aus Turrialba in Costa Rica.

„Heimat“ , damit verbinde er „eher die Bar“, erklärt der Mann an dem Hochtisch lachend. Aber auch Regensburg. Die Donaustadt „ist meine zukünftige Heimat“, sagt Norman Benavides. Der 32-Jährige ist seit mehr als drei Jahren Barkeeper in der „Heimat“. Seit zwei Jahren arbeitet er zudem als Sprachlehrer, bringt Einwanderern Deutsch bei. Ursprünglich komme er aus der Stadt Turrialba in Costa Rica und lebe seit 2018 in Regensburg, erzählt er. Dabei klingt im Gespräch gelegentlich ein bairisches „ned’“ oder „scho’“ durch.

„Es war mein Traum nach Europa zu kommen, seit ich fünf Jahre alt war“, sagt er. Als 2008 bei der Fernsehübertragung der Olympiade als nächster Austragungsort London verkündet wurde, habe er gesagt: „Ich werde da sein, ich gehe dahin.“ Vier Jahre später sei er tatsächlich zwei Monate durch Europa gereist – allerdings ohne das teure London, dafür unter anderem durch Deutschland und die Niederlande. In beide Länder habe er sich „verliebt“.

Gastronomie als Deutschkurs

Zurück in Mittelamerika habe er Biologie und Englisch studiert, lebte kurzzeitig in Südafrika und besuchte auch die Niederlande und Deutschland erneut. In Costa Rica habe er 2017 seine deutsche Ex-Freundin kennengelernt. Wegen des Visums seien sie zunächst alle drei Monate zwischen den Ländern gependelt. „Alles, was ich hatte, war in meinem Rucksack“, erklärt Benavides. Nach einem Jahr entschieden sie sich, in den Studienort seiner damaligen Freundin zu ziehen: Regensburg.

Mit Worten wie „Hallo“, „Bier“ und „Schnitzel“ habe er sich durch Freunde an die Sprache herangetastet. Richtig Deutsch habe er dann im Sprachkurs für den Aufenthaltstitel gelernt, erzählt Benavides. Auch ein Integrationskurs sei Pflicht gewesen. „Eine große Hilfe“ sei es seiner Meinung nach gewesen, beim Arbeiten in der Gastronomie – zeitweise in Lindau – Deutsch sprechen zu müssen, sagt er.

Wetter, Natur und Menschen die größten Unterschiede

Was die größten Unterschiede zwischen den Ländern seien? Die Städte, sagt der Barkeeper. „Die Gebäude sind uralt.“ Und „das Essen, das Wetter, die Natur – und die Menschen auch“. Oft habe er gehört, die Deutschen seien „kalt“, „seriös“, „schüchtern“. Diese Erfahrung habe er weniger gemacht: „Weil ich aus Costa Rica komme, habe ich irgendwie den Vorteil, dass die Leute mich eher als exotisch sehen und das ist ein Ice-Breaker“, erklärt Benavides. Da seien interessierte Nachfragen gekommen.

Die Bayern, sagt er, seien im Vergleich gerade am Anfang zwar freundlich, aber reserviert. „Bis du mit denen befreundet bist, dauert es ein bisschen. Aber wenn du schon mit ihnen befreundet bist, dann ist es eine gute Verbindung.“ Um zu beschreiben, wie er die Stadt wahrnimmt , zitiert Benavides einen Freund. Der habe gemeint, „dass Regensburg für Bayern ist, was Berlin für Deutschland ist. Damit ist gemeint, dass die Leute viel offener und lockerer sind, aber es ist trotzdem Bayern und sehr konservativ“.

Und seine alte Heimat? Als er vor einigen Jahren wieder in Costa Rica war, „da habe ich das Land irgendwie anders gesehen“. Er habe sich gedacht: „Ok, vielleicht bin ich schon ein bisschen deutsch.“ So schätze und genieße er dort die Natur oder die Sonne mehr als früher. Zum Essen in die Sonne setzen? Mache dort niemand – die scheine ja ständig. Lachend ergänzt er: „Und ich glaub, ich bin viel pünktlicher als vorher.“

Keine schwere Entscheidung

Seit mehr als einem Jahr besitze er auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Da er beide habe, „war die Entscheidung nicht so krass“, sagt der 32-Jährige. „Und ich will ja auch hier bleiben. Ich habe ja nicht umsonst Deutsch gelernt.“ Der Pass sei zudem „erleichternd“ gewesen. Benavides erklärt: „Die Aufenthaltstitel waren erst für ein oder zwei Jahre. Und dann musst du das immer wieder neu machen. Das ist sehr aufregend.“ Obwohl er gewusst habe, dass er alles richtig mache, Steuern zahle, arbeite, Deutsch spreche, sein Leben hier sei – diese Unsicherheit sei immer da gewesen, die „Angst, dass die irgendwie Nein sagen“.

Künftig möchte er noch Fortbildungen machen, für Deutsch als Fremd- (DAF) und als Zweitsprache (DAZ). Um mit Flüchtlingen, in einer Volkshochschule oder in einem Goethe-Institut arbeiten zu können, erklärt er. Und Regensburg? Sei ihm mittlerweile ein wenig zu klein. Gerne würde er noch einmal in einer größeren Stadt leben, wie Köln. Aber „irgendwann in 20, 30 Jahren“ will Norman Benavides gerne nach Bayern zurückkommen: „Und wenn in Bayern, dann würde ich nur in Regensburg wohnen.“

Vier Fragen an Norman Benavides

Was ist Ihr Lieblingsort in Regensburg und warum?

Norman Benavides: „Die Dreifaltigkeitskirche. Da hast du einen schönen Blick auf Regensburg. Und abends die Heimat.“

Was war der größte Kulturschock in Regensburg ?

Benavides: „Ich habe ein Weizen aus der Flasche getrunken – und ich wurde fast getötet.“

Was ist das Interessanteste, das Sie in Regensburg erlebt haben?

Benavides: „Die Leute, so viele verschiedene Menschen, verschiedene Kulturen. Es ist so multikulturell und trotzdem irgendwie konservativ. Es ist trotzdem noch Bayern.“

Was ist Ihr Lieblingswort auf Bayerisch/Deutsch?

Benavides: „Löwe. Ich finde das Wort schön. Und auf Bayerisch oida. Das sage ich oft.“