Von Ecuador nach Regensburg: Domenica Luna kam für eine bessere Zukunft

Von Lilly Mantel · 6. Januar 2025 um 15:00

Als Domenica Luna vor ungefähr einem Jahr nach Regensburg kam, war das ihr erster Besuch in Europa. Für Deutschland hat sich die 28-Jährige entschieden, da neben einem hohen Bildungsniveau auch die Studiengebühren niedrig sind. Ihr Traum verlangte allerdings auch Vorarbeit.

An der Wand in ihrem WG-Zimmer hängt eine Weltkarte. Die Länder, die sie besucht hat, sind bunt, der Rest weiß. Inzwischen erstrahlen schon einige europäische Nationen in Farbe. Neben Portugal und Großbritannien eben auch Regensburg.

Ursprünglich ist Luna aus Cuenca in Ecuador. Ihre Eltern und ihr Bruder leben noch dort. Mehr als 10 000 Kilometer liegen nun zwischen ihnen.

Warum die 28-jährige nach Deutschland gekommen ist? „Mein Traum war es schon immer, meinen Master in Europa zu machen“, erzählt Luna. Für Deutschland hat sie sich entschieden, da neben einem hohen Bildungsniveau auch die Studiengebühren niedrig sind. Ihr Traum verlangte allerdings auch Vorarbeit: „Für das Visum musste ich vorweisen, dass ich Geld habe, um ein ganzes Jahr in Deutschland zu überleben. Deshalb habe ich viel gearbeitet.“ Als es soweit war, bewarb sich Luna an sieben Universitäten in ganz Deutschland, darunter auch die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) in Regensburg. „Ich habe gebetet, dass es klappt.“

In Regensburg leben Einwanderer aus der ganzen Welt. Wir erzählen ihre Geschichten – jeden Tag ein anderes Land. Alle Teile, wie über über Hamid Ghaznezami aus dem Iran oder Nevena Vrbarac aus Bosnien, finden Sie bei uns im Netz unter mittelbayerische.de/angekommen.

Ein Traum geht in Erfüllung

Um einen Favoriten unter den sieben Unis zu finden, sah sich Luna Bilder der Universitätsstädte an. „Ich habe mich sofort in Regensburg verliebt. Das erste Bild, das ich gesehen habe, war eines von der Steinernen Brücke und dem Turm dahinter, und dann war die Suche für mich vorbei. Ich wollte hierherkommen.“ Inzwischen ist die Brücke gemeinsam mit der Altstadt ihr Lieblingsort. „Es sieht wie im Märchen aus.“

Ihr Traum ist also in Erfüllung gegangen: Luna studiert inzwischen Europäische Betriebswirtschaftslehre im Master an der OTH Regensburg. Sie hat hier Freunde gefunden und sich in einen Bayer verliebt. „Mein Deutsch ist allerdings noch in Arbeit“, sagt sie – online nimmt sie Deutschunterricht.

Neben dem Studium arbeitet Luna Teilzeit in München. Für drei Tage in der Woche pendelt sie in die bayerische Landeshauptstadt. „Die Deutsche Bahn kann einem ganz schöne Kopfschmerzen bereiten.“ Auch die Bürokratie könne manchmal an den Nerven zehren. „Man bekommt für alles Briefe. In Ecuador habe ich nie Briefe bekommen“, sagt Luna. Außerdem könne die Wartezeit nervig sein. Das ihr Deutsch noch nicht so gut sei, mache es nicht einfacher und häufig könnten die Leute im Migrationsbüro kein Englisch.

Besonders spannend sind für Luna die verschiedenen Jahreszeiten. In Ecuador ist das Wetter meist recht ähnlich. Richtige Jahreszeiten wie in Deutschland gäbe es dort nicht. „Als ich den ersten Schnee gesehen habe, musste ich gleich meine Mutter anrufen“, erzählt Luna. Auch die Vielfalt an Bier fasziniert sie. „Hier gibt es so viele verschiedene Sorten. Und ich habe entdeckt, dass ich Bier mag“, sagt Luna.

Als die 28-jährige das erste Mal nach Deutschland flog, kam sie in München an. Luna war bei Freunden der Familie untergebracht. „Es war September, deshalb war das erste, was ich so richtig gesehen habe, das Oktoberfest. Es war eine tolle Begrüßung.“ Dort wurde sie direkt mit Gegenteilen einiger Vorurteile konfrontiert: „Viele haben irgendwie dieses Bild von den super strengen und ernsten Deutschen. Aber auf dem Oktoberfest haben alle ausgelassen gelacht und getanzt. Ich habe mir gedacht: Okay, das ist nicht das Deutschland, das alle vermuten.“

Puppe gegen Heimweh

Auf einem Regal in Lunas Zimmer sitzt eine Puppe. Sie trägt einen grünen Rock, eine weiße Bluse und einen Strohhut. „Das ist eine Chola Cuencana Puppe“, sagt Luna – eine traditionelle Puppe aus ihrer Heimatstadt Cuenca.

Luna vermisst ihr Zuhause und ihre Familie. Aber in Ecuador sei die Situation nicht die beste. In ihrer alten Heimat gäbe es viel Instabilität. „Manchmal sind die Menschen in Ecuador tagelang ohne Licht“, erzählt Luna - so beispielsweise während der Dürreperiode im vergangenen September. Ihre Familie sei jetzt glücklicher, dass sie hier ist – einen Job hat, in Sicherheit ist. „Ich denke, es ist ein Opfer, um eine bessere Zukunft zu haben.“ Zwar sei Luna es gewöhnt, weit weg von zu Hause und ihrer Familie zu leben, trotzdem telefoniert sie fast täglich mit ihnen. „Und natürlich vermisse ich mein Essen. Hier kann ich einige Früchte aus meinem Heimatland finden. Aber ihr habt nicht diese exotischen Früchte, die wir haben.“ Ihr Lieblingsessen sind inzwischen übrigens Käsespätzle.

„Im Moment ist es schwer, weit weg von der Familie zu sein“, sagt Luna. Ihre beiden Großmütter sind in den letzten Monaten verstorben. „Ich habe das Gefühl, dass ich der Situation im Moment ein wenig entfliehen kann. Aber meine Familie lebt jeden Tag damit.“

Ob Luna eines Tages zurück in ihre Heimat will? „Nein. Nur für die Ferien.“ Ihr Traum sei es irgendwann Deutsche zu sein, hier arbeiten und wohnen zu dürfen. „Ich liebe Deutschland, die Kultur, das Befolgen der Regeln – ich liebe es, dass sie sich an die Ampeln halten“, sagt Luna mit einem Lächeln.

Vier Fragen an Domenica Luna

Was ist Ihr Lieblingsort in Regensburg und warum?

Domenica Luna: „Das Stadtzentrum. Es sieht aus wie im Märchen. Vor allem mit der Steinernen Brücke. Gerade jetzt mit der ganzen Weihnachtsdekoration.“

Was war der größte Kulturschock in Regensburg?

Luna: „Dass die Deutschen sehr direkt sind. Wir Latinos versuchen die Sachen so nett wie möglich zu verpacken. Auch die vielen Briefe und die Bürokratie waren ein Kulturschock für mich.“

Was ist das Interessanteste, das Sie in Regensburg erlebt haben?

Luna: „Die Jahreszeiten und die Vielfalt an Bier.“

Was ist Ihr Lieblingswort auf Bayerisch/Deutsch?

Luna: „Eichhörnchen. “

Was ist Ihr Lieblingsort in Regensburg und warum?

Domenica Luna: „Das Stadtzentrum. Es sieht aus wie im Märchen. Vor allem mit der Steinernen Brücke. Gerade jetzt mit der ganzen Weihnachtsdekoration.“

Was war der größte Kulturschock in Regensburg?

Luna: „Dass die Deutschen sehr direkt sind. Wir Latinos versuchen die Sachen so nett wie möglich zu verpacken. Auch die vielen Briefe und die Bürokratie waren ein Kulturschock für mich.“

Was ist das Interessanteste, das Sie in Regensburg erlebt haben?

Luna: „Die Jahreszeiten und die Vielfalt an Bier.“

Was ist Ihr Lieblingswort auf Bayerisch/Deutsch?

Luna: „Eichhörnchen. “