Staatssekretär zu umstrittenen Kaufhof-Deal in Regensburg: „Zweifle am Marktpotential“

Der bayerische Wirtschaftsstaatssekretär und Landtagsabgeordnete Tobias Gotthardt hätte sich für den Kaufhof im Herzen von Regensburg etwas völlig anderes gewünscht, als das islamische Kulturzentrum, das laut den Investoren nun kommen soll. Im MZ-Interview gibt er Ideen preis, die bislang nur intern kursierten.
Seit wann beschäftigt Sie in Ihrer Funktion als Staatssekretär der Kaufhof am Neupfarrplatz?
Tobias Gotthardt: Im Grunde begleiten mich die Signa-Pleite samt daraus resultierender Krise aller bayerischen Kaufhof-Standorte fast seit Beginn meiner Amtszeit vor einem Jahr.
Wie haben Sie das Tauziehen rund um die Zukunft des Warenhauses und René Benkos Signa empfunden?
Gotthardt: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im kompliziertest angelegten Firmengeflecht Benkos und zahlreiche laufende Ermittlungsverfahren gegen ihn lassen das Ausmaß des Signa-Prozesses nur ansatzweise erahnen. Während hier nur absolute Gründlichkeit der Ermittlungsbehörden gelten kann, tuts mir leid um die tausenden Kaufhof-Mitarbeiter. All ihre erfolgversprechenden Bemühungen, das Anpacken für ihre Warenhaus-Kette wurden durch Benkos Machenschaften zerstört.
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Benko hatte enge Kontakte in die Vereinigten Arabischen Emirate. Der Staatsfonds verklagt ihn auf 750 Millionen Euro. Hat es Sie überrascht, dass jetzt plötzlich Investoren aus Israel und den VAE die Immobilie übernommen haben?
Gotthardt: Investorengesuche aus aller Welt sind keine Seltenheit und ich will da auch nicht spekulieren.
Die Rede ist von einem islamischen Kulturzentrum neben Shopping-Lösungen und Gastronomie. Wie bewerten Sie ein solches an dieser Stelle?
Gotthardt: Der Kaufhof-Komplex ist von zentraler Bedeutung für die weitere Entwicklung der Regensburger Innenstadt. Entsprechend stark hat die Stadt eine städtebauliche Einbindung gefordert – und sie tut gut daran, das auch konsequent durchzuziehen. Gerade dieser Ort braucht ein Konzept, das nachhaltig Leben und Kaufkraft in die Innenstadt bringt. Die von den Investoren gegenüber der MZ angedeutete Mischung aus religiös-islamischen Kulturzentrum und orientalischem Basar klingt für mich kaufmännisch mindestens wagemutig und nach europäischen Maßstäben kulturell befremdlich: Niemand käme doch auf die Idee, im DEZ eine evangelische Glaubenswelt zu installieren oder in den Arkaden zum Rosenkranz einzuladen. Außerdem zweifle ich schwer am Marktpotential – um ein solches Majlis-Konzept dauerhaft zu unterhalten, brauchts nicht nur Schaulustige – es braucht Tag um Tag hunderte zahlfreudiger Kunden. Dieses Potential sehe ich so an diesem Standort überhaupt nicht.
Welche Vorstellungen hätten Sie als örtlich zuständiger Abgeordneter für das Gebäude gehabt?
Gotthardt: Für mich stellt sich, wie gesagt, grundsätzlich die Frage der Nachhaltigkeit solch komplexer Shop-in-Shop-Systeme dieser Größe in dieser Lage, nochmal mehr in der geplanten Mischung mit dezidierten, religiösen Nonprofit-Bereichen. Mein ,Neu denken‘ geht deshalb in eine ganz andere Richtung: Ich habe – bislang dem Prozess angemessen stets intern – das Konzept eines gemeinsamen Altstadt-Campus von OTH und Universität skizziert, gepaart mit einem internationalen Haus der Forschung, Kongress-Bereich, gemeinsamen EntrepreneurshipCenter, Popup-Flächen für hochschulnahe Startups sowie Gastro und passende Stores in der A-Lage des Erdgeschosses sowie vieles mehr. Der einstige Kaufhof als lebendige Kathedrale der Forschung, die Alte Wache als Symbol neuer Perspektiven, als Tor zur Innovation – darüber sollte man meines Erachtens dringend und ganz konkret reden.
Welche Möglichkeiten hat die Kommune, nun auf die künftige Nutzung einzuwirken?
Gotthardt: Stadtrat, Wirtschaftsförderung und die geschaffene TaskForce müssen jetzt sehr schnell ihre konkreten Ansprüche für den künftigen Kurs im Kaufhof-Areal formulieren – das Nürnberger Kaufhof-Konzept bietet dafür eine gute Blaupause, inklusive bestehender Vorkaufsoptionen.
Was kann das Ministerium tun?
Gotthardt: Unser Haus begleitet den Prozess aller ehemaligen Kaufhof-Filialen in Bayern sehr eng. Wir stehen überall, auch in Regensburg, im Austausch mit der Wirtschaftsförderung, haben vergangenes Jahr eigene Mikro-Studien zu den Optionen der Häuser in Auftrag gegeben und werden überall dort unterstützend begleiten, wo wir gefragt werden.