Trend zur Einbürgerung: Fast die ganze Welt ist im Landkreis Cham zuhause

Wissen Sie, wie viele verschiedene Nationalitäten es gibt? Die Vereinten Nationen erkennen nach aktuellem Stand offiziell 195 unabhängige Länder an. Und wie viele davon haben wenigstens einen Vertreter im Landkreis Cham? Mehr als Sie denken!
Allein die Menschen, die im vergangenen Jahr bei uns in Cham die deutsche Staatsbürgerschaft zuerkannt bekamen, stammen aus rund 50 verschiedenen Ländern.
Die neuen deutschen Staatsbürger mit Wohnsitz im Landkreis Cham kommen aus: Afghanistan, Ägypten, Albanien, Frankreich, Mexiko, Armenien, Äthiopien, Bangladesch, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Eritrea, Indien, Irak, Iran, Italien, Jemen, Kasachstan, Korea, Kosovo, Kroatien, Libanesische Republik, Marokko, Mauritius, Nigeria, Nordmazedonien, Österreich, Pakistan, Philippinen, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Sierra-Leona, Simbabwe, Slowakei, Spanien, Südafrika, Syrien, Thailand, Tschechien, Tunesien, Uganda, Ukraine, Ungarn, Vietnam und aus Weißrussland. Man könnte sagen, die Neuen kommen aus der ganzen Welt. Geografisch kommt das in etwa hin, wobei Länder aus Kontinenten wie Australien oder Amerika fehlen.
Der Trend hält an
Auch wenn immer wieder Deutsche auswandern und im TV ihre Erlebnisse zu sehen sind, ist Auswandern für Deutschland keine Einbahnstraße. Eingewandert wird ebenso – auch in den Landkreis.
Die Zahlen der Menschen, die im Landkreis Cham wohnen und den deutschen Pass haben wollen, steigt seit Jahren. 2024 wurden laut Landratsamt insgesamt 375 Menschen zu Deutschen und damit auch zu Neu-Chamern. Das ist ein Spitzenwert. 2023 waren es 240 Neubürger, 2022 nur 124 und im Jahr davor 104. 2020 war die Zahl erst zweistellig – 86 Menschen bekamen damals den deutschen Pass überreicht.
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Und der Trend setzt sich fort, wie das Landratsamt mitteilt. Derzeit haben demnach bereits weitere 230 Personen ihre Einbürgerung beim Landratsamt beantragt.
Zur aktuellen Debatte um die Syrer, die hier Zuflucht gefunden haben und nun die Frage im Raum steht, ob sie in ihre Heimat zurückgehen oder bleiben, geben die Einbürgerungszahlen auch einen Hinweis. Seit 2014 sind laut Landratsamt bis heute insgesamt 180 Syrer im Landkreis Cham eingebürgert worden. Im Jahr 2023 waren dies 83 Personen. Im Jahr 2024 waren es 55. Es gibt also einige, die bleiben wollen.
Das Land wie der Landkreis sind attraktiv für Mitbürger mit ausländischem Pass, warum auch immer. Und den Berechnungen nach ist Einwanderung aufgrund des demografischen Wandels mehr als nötig, um den Fachkräftemangel aufzufangen und die Überalterung zu stoppen. Nicht ohne Grund hat etwa Sana mit der Anwerbung von Pflegekräften und Auszubildenden in Tunesien oder auch Marokko begonnen. Ähnliches macht der Landkreis gemeinsam mit der Agentur für Arbeit für die hiesigen Unternehmen in Kirgistan.
Die Einbürgerung erfolge aktuell aufgrund des Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts, das am 27. Juni 2024 in Kraft getreten sei – dabei werde die Mehrstaatigkeit akzeptiert. Die Einbürgerungswilligen müssen also nicht zwischen einer Nationalität entscheiden, sondern können beide Pässe behalten. Wobei dies nur die deutsche Seite sei, die so entscheide. „Es kann jedoch durch die Annahme der deutschen Staatsangehörigkeit der Verlust der Herkunftsstaatsangehörigkeit eintreten. Dies wird aber bei der Einbürgerung nicht geprüft. Die Antragsteller erhalten einen entsprechenden Hinweis, dass sie dies selbst mit ihren Herkunftsbehörden abklären müssen“, so die Auskunft des Landratsamtes.
Zwei Drittel der Welt
Neubürger aus 50 Nationalitäten – das klingt zunächst viel. Doch ist der Landkreis noch viel bunter als von vielen erwartet. Allein die Stadt Roding beherbergt Menschen aus über 80 verschiedenen Ländern. Zum zweiten Januar 2025 lebten Ausländer aus 126 verschiedenen Nationen im Landkreis Cham. Da ist es nicht mehr weit, um von den vereinten Nationen im Landkreis zu sprechen – immerhin sind Vertreter aus zwei Dritteln der Länder der Welt hier zuhause.