Im Turmtheater brummt es wieder

Die Regensburger Institution feiert in diesem Jahr ihr 35. Jubiläum. Sie hat zuletzt große Herausforderungen gemeistert. Nun stehen vielversprechende Premieren an.
Seit dem Sommer ist vieles neu im Regensburger Turmtheater am Watmarkt 5: Nach dem endgültigen Umzug von der DEZ-Bühne ins Stammhaus wurde dort an einigen Schließtagen Elektrik und Beleuchtung saniert und auf den neuesten Stand gebracht: Ein digitales Lichtpult ist da, LED-Technik ersetzt fast vollständig die heißen Scheinwerfer. Alles, was auf der Bühne passiert, kann jetzt optimal ins Licht gesetzt werden. Markus Bartl, Vorsitzender des Vereins Kulturturm und künstlerischer Leiter, sagt: „Es war ein Kraftakt. Wir sind sehr stolz, dass das so gut gelaufen ist.“
Bei seinem Start im Turmtheater Ende 2022 hatte Bartl große Herausforderungen zu meistern: Mitten in der Spielzeit hatte er die Leitung von Undine Schneider übernommen, der Betrieb musste ohne Holpern weitergehen. Wegen laufender Verträge bespielte das Turmtheater zu dieser Zeit zwei Bühnen: Das Ausweichen ins DEZ, das in der Pandemie das Überleben des Theaters gesichert hatte, erwies sich danach als Minus-Geschäft. Hinzu kamen die Rückforderungen von Corona-Hilfen. An diesen knabbert das Turmtheater bis heute. Insgesamt waren es 70 000 Euro. Bartl ist zuversichtlich, die ausstehenden 30 000 Euro innerhalb der nächsten zwei Jahre abzahlen zu können. Abgesehen davon geht er sehr zufrieden ins neue Jahr, in dem das 1990 von Peter Nüesch gegründete Turmtheater sein 35. Jubiläum feiern kann.
Nicht nur, dass sie den Umzug mitten im Spielbetrieb geschafft haben – die Sommerkomödie „Extrawurst“ in Bartls Regie wurde zum Erfolgsstück, das weiter im Programm ist. „Hoch amüsant“, hieß es in der MZ-Kritik über die Komödie um eine eskalierende Mitgliederversammlung im Tennisverein. Auch die guten Auslastungszahlen des Theaters von über 85 Prozent stimmen Bartl froh. Zudem reiche das Einzugsgebiet über Stadt und Landkreis Regensburg hinaus, bis zu 300 Kilometer weit, schätzt Bartl.
Unterhaltung und Tiefgang
Auf der erneuerten Bühne im Turm lasse es sich arbeiten „wie an einem großen Repertoirehaus: Wir bieten trotz der knappen Raum- und Personalsituation professionelles Theater und ein Programm mit sehr abwechslungsreichen Genres.“
Bei seinem Antritt war es Bartls Ziel, Werkverträge durch solche mit Sozialversicherungspflicht abzulösen. Das sei gelungen, allerdings fehle es weiterhin an Fachkräften, die Vollzeit arbeiten wollen. Bartl ist froh, dank besserer Einnahmen mehr als den Mindestlohn bezahlen zu können: Der Freistaat Bayern sehe das Turmtheater als Erfolgsgeschichte und habe seine Zuwendungen erhöht, was angesichts weit verbreiteter Kürzungen im Kulturbereich keine Selbstverständlichkeit sei. Zudem habe man die Eintrittspreise etwas erhöht. Seine eigene Tätigkeit als Vereinsvorstand und künstlerischer Leiter übt er ehrenamtlich aus – eine Gage erhält er nur für seine Inszenierungen. Zudem unterrichtet er ein bis zwei Tage pro Woche an der Akademie für Darstellende Kunst Bayern in Regensburg. Ein bis zweimal pro Spielzeit inszeniert Bartl am Landestheater Niederbayern in Landshut. In seiner Regie hat dort im April das Schauspiel „Fahrenheit 451“ Premiere.
Das Profil weiter schärfen
Für Bartl ist wichtig, dass die Stücke unterhaltend sind und zugleich literarischen Tiefgang haben. So wie in der aktuellen Komödie „Match Me If You Can“ in seiner Regie über die Höhen und Tiefen digitaler Partnersuche und Beziehungsprobleme. Noch immer trauten sich wenige Menschen zuzugeben, dass sie im Netz nach einem Partner suchten – das habe „den Nimbus eines kleinen Tabubruchs.“ Das Schauspiel „Gift“ wird auch 2025 vom Turmtheater und Altstadttheater Ingolstadt gespielt – ein Zwei-Personen-Stück über Trauer, Entfremdung und Neubeginn. Weitere Dauerbrenner sind „Nein zum Geld“, „Mei Fähr Lady“, „Die 39 Stufen“ oder „Wunder gibt es immer wieder“. Zukünftig möchte Bartl das Profil des Theaters weiter schärfen – weniger Kabarett und Konzerte, dafür mehr literarisch hochwertige Stoffe.
Für 2025 stehen viel versprechende Premieren an – am 8. Februar zum Beispiel „The Last 5 Years“: Bartl spricht von einem tollen Musical mit hitverdächtigen Popsongs, das sich für die kleine Bühne eigne: „Die Geschichte ist sehr narrativ und berührend, sie hat einen hohen literarischen und musikalischen Anspruch.“ Für Mai plant er die deutschsprachige Erstaufführung von Anoushka Wardens „My Mum’s A Twat“. Die Coming-of-Age-Geschichte mit provokantem Titel handelt von einer Figur, die sich aus den Fängen einer Sekte befreit hat.
Im Herbst kommt „Kurzschluss“ in den Turm: Für das Stück über ein atemloses Paar im Hamsterrad eines ganz normalen Familienlebens braucht es laut Bartl „Leute, die Standup-Comedy können“ – eine weitere Gelegenheit für die Turmtheater-Darsteller, eigene Stärken auszuspielen.
