Nach Wasserschaden: Regensburger Sternwarte öffnet mit neuen Ausstellungsstücken

Von dem Wasserschaden ist in den Räumen der Sternwarte am Ägidienplatz nichts mehr zu sehen. „An dieser Stelle geht eine Leitung rauf“, sagt Torsten Bendl, Schatzmeister des Vereins der Freunde der Sternwarte Regensburg, als er auf eine frisch gestrichene weiße Wand im dritten Stock des rund 200 Jahre alten Gebäudes zeigt, „dort ist es uns zuerst aufgefallen“.
Tatsächlich war der Raum im dritten Stock – es handelt sich dabei um den Hörsaal, der Platz für 55 Zuhörer bietet – nicht nur der Teil der Sternwarte, in dem der Schaden im Mai vergangenen Jahres zuerst bemerkt worden war. „Es ist auch der Teil, der am meisten betroffen gewesen ist“, sagt Bendl. Nachdem klar war, dass dort durch ein marodes Rohr Wasser austrat, wurden weitere Leitungen im Haus überprüft – mit dem Ergebnis, dass es auch an einigen anderen Stellen Reparaturbedarf gab.
Aufwendige Renovierungsarbeiten
„Am Anfang dachten wir noch, wir haben Glück im Unglück und die Renovierung betrifft unseren Führungsbetrieb nicht“, erklärt der 27-jährige Doktorand für Wissenschaftsgeschichte, der bereits seit elf Jahren Mitglied im Verein ist. Das Observatorium, das seit 1920 für die Öffentlichkeit zugänglich ist, macht grundsätzlich von Juni bis Mitte Juli Sommerpause. „In dieser Zeit wird es nicht dunkel genug.“
Aus der kurzen Sommerpause wurde letztendlich jedoch eine weitaus längere Schließzeit. „Das Gebäude gehört dem Freistaat Bayern, genauer gesagt der Regierung der Oberpfalz. Nach der Begutachtung durch das Staatliche Bauamt hat man uns angeboten, auch die Böden in den Räumen zu erneuern. Das haben wir gerne angenommen. Anschließend wurde noch gestrichen und wir haben die Zeit genutzt, um die Einrichtung ein wenig zu verändern.“
Anfragen für Führungen
Aus diesem Grund dauerte es schließlich bis Mitte Dezember, bis die älteste Volkssternwarte im Süden Deutschlands ihre Pforten wieder für Besucher öffnen konnte. „Wir haben zwischenzeitlich immer wieder Anfragen für Führungen erhalten. Obwohl wir diese während der Renovierung nicht durchführen konnten, freut es uns natürlich, wenn viele Menschen Interesse zeigen und über unsere Homepage auf uns stoßen.“
Denn viel zusätzliche Werbung – etwa in den sozialen Medien – würde die Sternwarte mit dem 300 Mitglieder großen Verein nicht machen. „Das öffentliche Interesse ist aber auf jeden Fall da“, sagt Bendl. Gerade in den letzten Jahren, dem „Tik-Tok-Zeitalter“, habe sich das Publikum verjüngt. „Früher sind vor allem Großeltern mit ihren Enkelkindern zu uns in die Sternwarte gekommen. Heute sind die meisten Leute zwischen 20 und Ende 30. Man kann durchaus sagen, dass sich die Astronomie zur populärsten Wissenschaftsdisziplin entwickelt hat.“
Ein fast 30 Kilogramm schwerer Meteorit
Nachdem der Betrieb im alten Jahr mit den regulären Öffnungszeiten am Freitagabend ab 20 Uhr angelaufen ist und Besucher seitdem wieder einen Blick durch das große Teleskop auf der Kuppel des Dachs der Sternwarte werfen können, geht es ab dem 17. Januar auch mit den Monatsvorträgen in den frisch renovierten Räumen weiter.
Ein besonderer Termin steht am 24. Januar an. Zusammen mit dem Vortrag des Physikers Dr. Jürgen Kemmerer zum Thema „Katastrophenbringer im Weltall“ wird ein fast 30 Kilogramm schwerer Meteorit vorgestellt. „Es handelt sich dabei wahrscheinlich um den größten Meteoriten in Regensburg“, sagt Bendl. Momentan ist dieser gewaltige Gesteinsbrocken noch sicher verschlossen in einem Lagerraum der Sternwarte verwahrt. Zu viel will der Schatzmeister im Vorfeld nämlich noch nicht über die Neuanschaffung verraten. „Das soll eine Überraschung für die Öffentlichkeit werden“, sagt er.
Schaukästen mit wechselnden Ausstellungen
Doch auch abseits des neuen Meteoriten hat sich die Sternwarte im Zuge der Wiedereröffnung herausgeputzt. Zusätzlich zu den drei Ausstellungsräumen, bei denen es sich um ein Planetarium, ein Stellarium und einen Geologischen Schauraum handelt, gibt es zwei neue Vitrinen. „Wir haben sie von einer Besucherin geschenkt bekommen“, sagt Bendl.
Aktuell ist darin eine Ausstellung rund um den Mars zu sehen. Neben Fotografien und Info-Tafeln gibt es für die Besucher auch Gestein der Oberfläche des Roten Planeten zu bestaunen. „Wir wollen die beiden neuen Schaukästen für wechselnde Ausstellungen nutzen“, erklärt er, „das ist etwas, was wir bislang noch nie gemacht haben“.



