Dieser Regensburger ist dem Himmel so nah

Andreas Meisinger beobachtet Galaxien und Planeten – unter anderem von der Regensburger Sternwarte aus. Er hat Tipps für Sternschnuppen-Fans.
Andreas Meisinger hat sie alle gesehen, die Planeten. Auch den kleinen Pluto, der offiziell kein Planet mehr ist, hatte er vor dem Teleskop. „Ich weiß, dass ich ihn gesehen habe. Aber ich weiß nicht, welcher der Punkte es war“, sagt er. Die Regensburger Sternwarte unweit des Bismarckplatzes macht es Hobbyastronomen wie Meisinger nicht gerade einfach, ist doch die zentrale Lage „Fluch und Segen“ zugleich. Meisinger zieht es dennoch immer wieder dorthin – auch in Sternschnuppennächten, wie es sie derzeit gibt.
Auch zuhause hat er Ausrüstung, ein Teleskop mit Holzkorpus hat sich der Schreinermeister selbst „gebastelt“. Öfter blickt er aber von der Sternwarte 20 Meter über dem Ägidienplatz in den Himmel. Weit hat er es nicht dorthin, mit seiner Frau wohnt er in der Altstadt. Dennoch kam er über Afrika zu den Sternen über Regensburg. Vor circa 15 Jahren war der heute 53-Jährige zum ersten Mal dort im Urlaub, in Südafrika und Namibia. „Wenn man sich mal den Südsternhimmel anschaut und feststellt, das schaut ganz anders aus wie zuhause …“, schwärmt er. Heute weiß er, dass der südliche Himmel „besser zur Milchstraße ausgerichtet“ ist. Dem Urlaub folgten ein Volkshochschulkurs „Astronomie für Einsteiger“ und eine Einladung des Dozenten zu einem Ausflug mit der Sternwarte zum Meteoritenkrater ins Nördlinger Ries – und schon war Meisinger dabei bei den Hobbyastronomen.
Lage ist „Fluch und Segen“
Warum ihre Sternwarte ein Segen ist, erschließt sich auf die ersten Blicke. Die sind auch lohnenswert, wenn es noch hell ist. Die Dachterrasse eröffnet eine Rundumsicht auf die Dächer und Kirchtürme der Altstadt, von der Schottenkirche St. Jakob im Westen bis zum Dom im Osten, der ehemalige Stadtführer Meisinger kennt auch sämtliche Gotteshäuser dazwischen. Die Sonne geht hinter den Winzerer Höhen unter und der Abendstern, die Venus, schiebt sich aus einem Wolkenstreifen.Um die 5000 Besucher im Jahr zieht dieses Panorama an.
Der Fluch ist die Helligkeit in der Stadt, Astronomen nennen sie „Lichtverschmutzung“. „Je mehr Licht, umso weniger sieht man natürlich“, sagt Meisinger, wobei auch hier mit einem handelsüblichen Fernglas etliches gehe. Vom Ägidienplatz aus lassen sich der Mond und alle Planeten beobachten, der Teil der Milchstraße, der von diesen Breiten aus erkennbar ist, sowie Nachbargalaxien wie Andromeda. Von Mondfinsternissen schwärmt der Hobbyastronom, „wenn sich der Mond rötlich verfärbt …“. Auch Jupiter und Saturn seien „immer wieder ein Highlight“.
Der Ringplanet Saturn allerdings taucht im August erst um Mitternacht auf, der helle Jupiter frühmorgens. „Mit mein Lieblingsobjekt ist ein Kugelsternhaufen, M13“, sagt Meisinger. Er schildert: „Du siehst immer mehr Einzelsterne. Du fängst an, da immer stärker reinzuschauen.“ Den Himmel zu beobachten, sei auch in Krisenzeiten hilfreich. „Es ist wahnsinnig entspannend, es ist wahnsinnig erdend“, erzählt er. „Wenn du merkst, wie klein du eigentlich bist und siehst, dass du eigentlich keine Probleme hast, das hat mir wahnsinnig gutgetan.“
Wenn es ihm um Details geht, hat er Alternativen zum Ägidienplatz. „In der Außensternwarte sehe ich das wesentlich besser.“ Bei Wörth sind auch etwas größere Geräte, für dunklere Objekte. Für den Kometen Neowise sei er vor vier Jahren mehrmals um drei Uhr morgens aufgestanden, um auf die Winzerer Höhen zu fahren. Zu den Sternen in die Ferne schweifen will Meisinger vielleicht 2026, 2027, zur Sonnenfinsternis nach Spanien oder Ägypten.
„Rein in den Liegestuhl“
Alle Objekte am Himmel und jede Jahreszeit haben für ihn ihren Reiz. „Wenn du klare, knackig kalte Nächte hast, hast du fast die beste Durchsicht.“ Zudem ist es dann früher dunkel. In Regensburg trüben allerdings zwischen November und März oft Wolken oder Nebel die Sicht. Angenehmer sind die Sommernächte ohnehin für Hobbyastronomen. „Mit das Entspannteste zum Anschauen sind die Perseiden“, sagt Meisinger. Der Sternschnuppen-Schwarm entsteht, wenn Sandkörner aus dem Schweif des Kometen Swift-Tuttle in das Gravitationsfeld der Erde geraten, und verglühen. Die meisten Sternschnuppen sind in den Nächten zum Montag, 12. August, und zum Dienstag, 13. August, zu sehen – sofern diese klar sind. Ab 23 Uhr stehe der Mond so tief, dass er kaum störe. „Einfach in den Liegestuhl rein und Blick nach oben. Und dann hofft man, dass man sich viel wünschen kann.“
Die Sternwarte
Geschichte: Als Gründungsdatum der Einrichtung am Ägidienplatz gilt der 12. Januar 1920. Sie ist damit die älteste Volkssternwarte in Süddeutschland. Die Kuppel steht unter Denkmalschutz.
Verein: Die Freunde der Sternwarte betreiben diese. Der Verein hat mehr als 300 Mitglieder.
Öffnungszeiten: Abgesehen von einer Sommerpause zwischen 1. Juni und 15. Juli öffnet die Sternwarte jeden Freitagabend für die Öffentlichkeit. Derzeit ist sie wegen eines Wasserschadens geschlossen. Ab 15. August sind Beobachtungen auf der Plattform möglich. Im September beginnt der Führungsbetrieb wieder.
