Vom Mittelmeer bis an den Mississippi: Die Lese-Tipps der Regensburger Buchhändler für den Sommer

Endlich Zeit zum Lesen: Diesen Gedanken hegen wohl viele Regensburger, wenn der Urlaub naht. Um die Suche nach passender Literatur zu erleichtern, hat die MZ Buchhändler in der Stadt nach ihren Empfehlungen für den Sommer gefragt.
Ihre Lektüre-Tipps nehmen die Leser mit aufs Land, auf kleine Mittelmeer-Inseln oder in die Südstaaten der USA – und lassen die Vorfreude auf freie Tage noch größer werden.
• Eine leere Mittelmeer-Insel in „Nach den Fähren“
Lalena Hoffschildts Buchtipp „Nach den Fähren“ führt auf eine namenlose Insel, irgendwo im Mittelmeer. In dem Roman von Thea Mengeler wird eine vormalige Touristen-Hochburg nicht mehr angefahren und ist plötzlich abgeschnitten von der Außenwelt. „Es ist ein extrem schöner Ort, der mehr oder minder verwaist“, sagt die neue Inhaberin der Buchhandlung Dombrowsky, „durch den Wegfall des Tourismus stellt sich die Frage, was mit den Menschen, die dort zurückgeblieben sind, passiert“. Eine leise Erzählung mit sommerlichen Setting, die sprachlich fesselt und auch etwas Geheimnisvolles, Beunruhigendes mit sich bringt: Das sei doch die perfekte Urlaubslektüre, findet Hoffschildt. „Dadurch, dass der Rhythmus der Menschen nicht mehr an den Alltag gebunden ist, wirkt alles ein wenig aus der Zeit gefallen. Es geht um Verlangsamung – und die erleben wir im Urlaub ja auch selbst, wenn unsere gewohnten Strukturen wegfallen.“
• Abenteuer auf dem Mississippi mit „James“
Die zeitgenössische Erzählung eines Klassikers empfiehlt Christine Lehner aus der Pustet Dombuchhandlung: In „James“ erzählt Percival Everett die Geschichte von Huckleberry Finn neu. „Und zwar nicht aus seiner Sicht, sondern aus der Perspektive des schwarzen Sklaven Jim.“ Jim, der sich später in der Erzählung James nennt, kann im Gegensatz zum Sklaven aus Mark Twains Romanvorlage lesen und schreiben, ist hochintelligent. Nachdem er zusammen mit Huckleberry Finn flieht, jagt auf dem Mississippi ein Abenteuer das nächste. „Man taucht sofort ein in diese Südstaaten-Atmosphäre“, sagt Lehner, „es ist eine klassische Abenteuergeschichte mit einer Portion Lagerfeuer-Romantik – aber es geht auch um ernste Themen wie Sklaverei und Rassismus“. Nicht nur Erwachsenen, auch jugendlichen Lesern ab 14 Jahren könnte „James“ als Sommerlektüre gefallen. „Sie sollten aber geübte Leser sein und den Klassiker kennen“, so Lehner.
• Wohliges Landleben in „25 letzte Sommer“
„Dieses Buch gibt einem ein wohliges Gefühl“, sagt Heinrich Altenbuchner über „25 letzte Sommer“. Nicht nur wegen des passenden Titels, sondern vor allem aufgrund der tiefen und warmen Erzählung hat sich der Inhaber der Buchhandlung am Kohlenmarkt bei seinem Buchtipp für den 176 Seiten langen Roman von Stephan Schäfer entschieden. „Die Geschichte spielt auf dem Land. Ein Mann, ein Workaholic, der einen Vorstands-Posten hat, joggt an einem See vorbei. Da kommt ein Mann aus dem Wasser, pudelnackt, der ihn zu sich nach Hause einlädt. Er ist Kartoffelbauer – und zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Charakteren entwickelt sich eine Freundschaft“, verrät er die Kurzfassung. Die Botschaft von „25 letzte Sommer“ spreche Frauen und Männer gleichermaßen an. „Ich habe es auf meinem sogenannten Besinnlichen Tisch liegen“, sagt Altenbuchner, „es gefällt allen, die gerne anspruchsvoll lesen. Dennoch ist der Roman nicht schwer zu lesen“.
• „Bonjour Agneta“ führt in die Provence
Eine Schwedin in der Provence, die sich völlig neu entdeckt: Darum geht es in „Bonjour Agneta“ von Emma Hamberg. Für Cornelia Müller aus der Buchhandlung Rupprecht in der Königsstraße hat der Roman das Potenzial zum Lieblingsbuch. „Agneta ist ungefähr 50, hat zwei Kinder, einen Mann und einen sicheren Job. Eigentlich könnte man meinen, sie ist glücklich und zufrieden. Doch sie merkt, dass sie etwas ändern muss, und bewirbt sich auf eine etwas merkwürdige Online-Anzeige für eine Stelle als Au-pair in einem kleinen Dorf in der Provence“, beschreibt die Buchhändlerin die Ausgangssituation der Geschichte, die einige Überraschungen mit sich bringt. In Urlaubsstimmung kommt der Leser nicht nur, weil Genüsse wie Wein und Käse eine Rolle spielen. „Das Buch stahlt so viel Lebensfreude aus“, sagt sie, „das flirrende Sommerlicht der Provence spürt man auf jeder Seite“.
• „Der Sommer zu Hause“: Kirschenernte in den USA„Der Sommer zu Hause“ von Ann Patchett ist ein wunderbares Urlaubsbuch für den Balkon, sagt Yves Tolxdorff aus der Buchhandlung Bücherwurm in der Maximilianstraße. „Die Geschichte spielt im Frühjahr 2020, während des Corona-Lockdowns in Amerika. Die drei erwachsenen Töchter von Lara kehren zurück auf die Farm im Norden von Michigan und wollen bei der Kirschenernte mehr über die vergangene Liebesgeschichte zwischen ihrer Mutter und einem berühmten Schauspieler erfahren“, sagt er. Die Autorin erzähle in ihrem Buch nicht nur mit großer Leichtigkeit, sondern sei auch eine ausgezeichnete Beobachterin. „Obwohl es ein Roman ist, gelingt es Patchett, Familiendynamiken messerscharf zu analysieren“, sagt Tolxdorff. Empfehlen würde er „Der Sommer zu Hause“ vor allem Leserinnen ab Mitte 20.

