Regina-Kino: Pächterin hört nach 38 Jahren auf – Nachfolger bringt Promi-Faktor nach Regensburg

Von Philip Hell · 1. Januar 2025 um 15:00

Charlie Chaplin blickt etwas traurig von der Wand im Metropolis-Saal des Regina-Kinos auf Doris Lerchl-Goldermann, während sie von den 38 Jahren im Filmtheater im Regensburger Stadtteil Reinhausen erzählt. Mit dem Jahreswechsel ging diese Ära nun zu Ende.

Alles begann vor 42 Jahren im Gloria Kino, erzählt Lerchl-Goldermann der MZ am Silvestertag. Dort arbeitete sie als Platzeinweiserin in den Ferien. An den ersten Tag erinnert sie sich noch genau. „Es war der 7. August 1981 – ein James Bond. Das hat mich gepackt.“ Sie verbrachte fortan ihre Wochenenden im Kino. Erst im Gloria, dann im Regina. Nach dem BWL-Studium hatte sie einen Job bei der Bank sicher – bis ihr der Besitzer des Regina-Kinos ein Angebot unterbreitete. Sie sollte Pächterin werden − mit gerade einmal 24 Jahren. Sie sagte kurzerhand zu. „Manchmal ist es gut, wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt.“

Einfach war das alles nicht, auch für ihre Eltern. „Ich würde mich heute wahnsinnig aufregen, wenn mein Sohn eine Arbeitsstelle bei der Bank absagt, um ein Kino zu leiten.“ Ihr BWL-Studium sei allerdings ein gutes Fundament gewesen. In zweierlei Hinsicht. Zum einen für den Betrieb des Kinos. Und zum anderen: „Ich habe gesehen, dass ich etwas vom Anfang bis zum Ende durchziehen kann.“

Filme muss man pflegen

Schon am Anfang setzte sie auf Kinderfilme – und absolute Kultstreifen. „Die Blues Brothers oder das Leben des Brian.“ Es waren andere Zeiten. Im Kino-Geschäft ging es noch nicht so Schlag auf Schlag. „Wir haben immer versucht, einen guten Kompass zu haben“, sagt Lerchl-Goldermann. „Die Leute sollten wissen: Wenn im Regina-Kino ein Film läuft, hat er einen gewissen Stil.“ Kriegsfilme? Horror? Nicht mit ihr!

Dabei sei die Flut an Filmen in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, wirft Oliver Goldermann ein. Er betrieb das Kino mit seiner Frau. „Wir müssen herausarbeiten, was unser Publikum will.“ Das ist den beiden über Jahrzehnte gelungen. Dabei sei es auch wichtig, einen Film zu „pflegen“, sagt Goldermann. Manche müssten mal ein paar Wochen laufen, bis das Publikum kommt. „Münter & Kandinsky ist so ein Beispiel. Der wurde ja in Regensburg gedreht. Das spricht sich gerade herum“, wirft Lerchl-Goldermann ein.

Bei aller Liebe für den Film: Kino ist bisweilen ein hartes Geschäft. „Wir haben immer versucht, ein stabiles Preisniveau zu halten.“ Technik, Verwaltung: Alles machten die beiden allein. „Fast bis zur Ausbeutung.“ Der Entschluss, nun aufzuhören, sei ihr nicht leicht gefallen, sagt Lerchl-Goldermann. Es habe private Gründe.

Vor rund einem Jahr wählte sie die Nummer von Christian Pfeil, einem Münchner Schauspieler, der gemeinsam mit Markus Eisele einige Traditionskinos in der Landeshauptstadt und darüber hinaus betreibt. Die beiden genießen einen hervorragenden Ruf. Pfeil spielt zudem in Film- und Fernsehproduktionen und auf dem Nockherberg. Oliver Goldermann ist froh um seine Nachfolger. „Es hätte uns am ärgsten getroffen, wenn wir niemand Patenten gefunden hätten. Es geht ja um unser Lebenswerk.“

Christian Pfeil betont: „Wir wollen kein von außen gesteuertes Ketten-Kino betreiben.“ Ihm sei es wichtig, dass alle Häuser eine hohe Individualität behalten. „Wir versuchen, Kulturarbeit mit Wirtschaftlichkeit zu kombinieren“, sagt Pfeil. „Wir möchten nicht komplett von staatlichen Zuschüssen abhängig sein.“ Pfeil und sein Geschäftspartner Markus Eisele kennen das Regina-Kino schon seit Jahren und mussten nicht lange überlegen, als der Anruf aus Regensburg kam. „Das Angebot war eine Ehre“, sagt Eisele. Der Zeitpunkt sei günstig gewesen. „Es ist eine schöne Ergänzung unserer kleinen Kino-Familie.“

Dabei haben die beiden eine Mission, sagt Pfeil: „Es hört sich vielleicht geschwollen an, aber: Wir wollen solche Kinos retten.“ Dazu möchten die beiden nun herausfinden, was das Filmtheater in Reinhausen ausmacht. Sie machen sich gewissermaßen auf die Suche nach der Seele des Regina-Kinos. „Die Leute werden erst mal gar nicht merken, dass es eine Übernahme gegeben hat.“ Die ein oder andere Idee hätten die beiden aber freilich schon: ein Abo-System für mehrere Regensburger Kinos zum Beispiel. „Aber erst mal möchten wir das Haus richtig kennenlernen.“

„Freuen uns auf Abenteuer“

Das Personal bleibt im Übrigen komplett erhalten, die beiden haben allerdings ein neues Leitungsteam ins Boot geholt. „Wir freuen uns auf das Abenteuer Regensburg“, sagt Pfeil.

Und Lerchl-Goldermann? „Ich glaube, ich werde das Publikum vermissen. Die Leute.“ Eine bestimmte Sache treibt sie noch um. Aber das ist noch nicht spruchreif. Sie werden es aber vielleicht bald an dieser Stelle lesen.