Regensburger Hotel-Institution macht dicht: Zum Abschied gibt es Raritäten auf dem Flohmarkt

Von Philip Hell · 27. Dezember 2024 um 19:00

Während Neil Armstrong aus seiner Rakete stieg, um als erster Mann den Mond zu betreten, passierte in Neuprüll etwas ganz und gar Irdisches: Bauarbeiter hoben eine Grube aus. Dort wurde das Hotel der Familie Rösch gebaut. „Mein Vater war so fasziniert von der Mondlandung, dass er das Hotel Apollo 11 nannte“, erzählt Irmgard Rösch. 55 Jahre nach diesen beiden Ereignissen schließt das Hotel in diesen Tag – und lädt zum großen Flohmarkt.

Rösch ist in dem Haus aufgewachsen – später hat sie Jahrzehnte darin gewohnt. „Das war total anstrengend. Man ist ja immer präsent.“ Manchmal standen nachts noch unangemeldete Gäste vor der Tür. „Die haben auch mal an das Küchenfenster geklopft.“ Später baute sie sich die Straße rauf ein eigenes Haus. „Das war ein Lebensziel von uns.“

Und das restliche Geld? „Ging immer nur ins Hotel“, sagt Rösch. „Wir haben 30 Jahre nur renoviert.“ Die Anforderungen an die Häuser seien über die Jahrzehnte schließlich gestiegen. Dazu kamen Anbauten – ein Schwimmbad etwa. „Das war schon etwas Besonderes“, sagt Rösch. Die 61-Jährige übernahm das Hotel Anfang der 90er-Jahre von ihren Eltern. „Mir macht es immer noch Freude. Ich bin gerne für die Menschen da. In den vergangenen Jahren gab es aber Ereignisse, die uns den Boden unter den Füßen weggezogen haben.“

Sorge um den Mittelstand

Corona, zum Beispiel. „Wir mussten von einem Tag auf den anderen zusperren.“ Heute sei sie sich sicher, sagt Rösch: „Andere Länder haben das besser gemacht.“ Und nach der Pandemie? Kamen der Krieg, die Inflation – und eine neue Regierung. „Man muss ganz ehrlich sagen: Es wurden viele Entscheidungen getroffen, die für die deutsche Wirtschaft kontraproduktiv waren.“ Dazu komme noch die ganze Bürokratie. „Der deutsche Staat lässt den Mittelstand ausbluten.“ Großen Firmen werde geholfen. „Und der kleine Mittelständler muss schauen, dass er zurechtkommt.“ Sie sei jetzt über 60, da müsse sie sich überlegen: „Was wollen wir noch investieren? Wie lange wollen wir noch arbeiten?“ Die Kinder wollten das Geschäft nicht übernehmen. „Wissen sie was, das versteh ich auch!“

In Rösch reifte der Gedanke, das Hotel zu verkaufen. Verpachten wollte sie es nicht. „Ich wollte wenn dann belastungsfrei sein. Wenn man das Objekt immer noch besitzt, ist man auch immer noch verantwortlich dafür.“ Ein Bauunternehmer kaufte das Gebäude und wird es abreißen. Dort sollen Wohnungen entstehen. Rösch ist fast ein bisschen froh darum, dass das Haus abgerissen wird. Sonst müsse sie ja jeden Tag daran vorbeilaufen. „Mir ist es lieber, einen harten Cut zu machen. Am Schluss müsste ich noch den Niedergang mit anschauen.“ Im Sommer teilte sie die Entscheidung den Gästen mit. „Das war eine harte Zeit.“ Sie habe viele Stammgäste beherbergt – zum Beispiel Professoren an der Uni. Aber: „Unser Publikum war bunt gemischt, bei uns haben auch Lastwagenfahrer auf der Durchreise übernachtet.“ Teilweise hätten sich auch Freundschaften ergeben. Ihr Mann gehe beispielsweise jedes Jahr mit einem bekannten Uni-Professor wandern.

Mit erhobenem Haupt gehen

Vor Weihnachten verabschiedete Rösch den letzten Gast, am 1. Januar gehört ihr das Hotel offiziell nicht mehr, sie hat aber noch ein paar Wochen Zeit, es zu räumen. Daher veranstaltet sie am Samstag einen Flohmarkt (siehe Info im letzten Absatz). Schon seit einigen Tagen kämen immer wieder Leute vorbei, um Dinge abzuholen. „Die Handtücher waren als Erstes weg“, sagt die 61-Jährige und muss lachen. Die Hotelküche wird künftig in einer Gaststätte im Landkreis stehen. „Es freut mich, dass es für sowas noch eine Verwendung gibt – auch im Sinne der Nachhaltigkeit.“ Rösch will alles verkaufen. Vom Mülleimer, über Bilder – bis hin zum Feuerlöscher. Alles muss raus! Und was hat sie nun vor? „Man kann im Leben nichts nachholen – aber man kann das machen, was im Leben ein bisschen zu kurz gekommen ist.“ Sich um die kleine Enkelin zu kümmern – oder auch selbst zu reisen. „Ich werde jetzt künftig auch mal Gast sein.“ Eines ist der Hotelierin wichtig: „Ich kann mit erhobenem Haupt gehen. Ich habe meine Leute immer gut gezahlt, ich habe keine Schulden. Ich habe keine Reichtümer erwirtschaftet. Aber es geht meiner Familie und mir gut und ich muss mir nichts vorwerfen.“

Der letzte Schritt, den Rösch über die Schwelle ihres Apollos geht, er wird klein sein – und gleichzeitig doch so groß.

Informationen zum Flohmarkt

Termin: Der Flohmarkt beginnt am Samstag um 8 Uhr im Apollo Hotel (Neuprüll 17) und dauert bis 18 Uhr.

Angebot: Dort gibt es Schüsseln, Lampen, Betten, Schränke, Decken, Bücher, Kommoden, Spiegel, Tische, Stühle, Bilder, Tischwäsche, Badvorleger, Duschtücher, Handtücher, Telefone, Fernseher und vieles mehr.

Bilder und Mülleimer: Beim Flohmarkt gibt es ein vielseitiges Angebot.
Nicht vom Beckenrand springen: Im Hotel gab es auch ein Schwimmbad.