Tunesier begehen 13 Prozent aller Straftaten in Regensburg – und sorgen sogar in Haft für Ärger

Drei Zahlen bringen das Problem auf den Punkt: In Regensburg leben 200 Flüchtlinge aus Tunesien. Das macht 0,12 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Diese Gruppe ist für sage und schreibe 13 Prozent aller Straftaten im Stadtgebiet verantwortlich. Das ganze Jahr dominierten tunesische Kriminelle die Schlagzeilen. Die Behörden geben allerdings vorsichtig Entwarnung.
Besonders spürbar wurde das Problem im Justizgebäude. Dort gaben sich kriminelle Tunesier heuer die Klinke in die Hand. Beinahe wöchentlich standen Männer aus Tunesien vor den Richterinnen und Richtern. Sie begingen Diebstähle, wurden gewalttätig oder begrapschten Frauen. Zum Teil setzten sie auch Waffen ein. Die Männer haben alle eines gemein: Sie sind sogenannte Mehrfach- und Intensivstraftäter.
Tunesische Straftäter in Regensburg: Staatsanwalt bleibt hart
Seit rund einem Jahr gibt es für diese Täter ein Sonderreferat bei der Staatsanwaltschaft Regensburg. Derzeit seien dort 116 Intensivtäter registriert – 94 stammen dabei aus Tunesien, sagt Pressesprecher und Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher. Die Einführung des Sonderreferats sei „ein durchschlagender Erfolg“, sagt Rauscher. Man danke dabei auch den Regensburger Polizeibehörden und Gerichten, „die dieses Konzept äußerst engagiert mitgetragen haben.“ Dennoch: Die Anklagebehörde will sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Man wolle das Referat beibehalten, „um die Lage weiterhin im Griff zu halten und auf etwaige Lageveränderungen konsequent reagieren zu können“, betont Rauscher. Tunesier seien nach wie vor auffällig, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Insgesamt Beobachten wir eine deutliche Beruhigung der Situation.“
Die tunesischen Intensivtäter sorgen nicht nur in Freiheit für Ärger – auch im Gefängnis benehmen sie sich daneben, bestätigt Thomas Luthermoser, Regierungsrat der Justizvollzugsanstalt Regensburg. Rund 11 Prozent der derzeitigen Gefangenen stammten aus dem nordafrikanischen Land. In den letzten Wochen gehe die Anzahl der Tunesier allerdings ein wenig zurück. Dennoch: „Es bestehen weiterhin Spannungen zwischen tunesischen und anderen Gefangenen, die den Vollzugsalltag beeinträchtigen.“ Durch den großen Einsatz der Bediensteten – zum einen mit deeskalierendem Verhalten, zum anderen mit repressiven Maßnahmen – habe sich die Situation allerdings inzwischen gebessert.
Warum kommen die Tunesier nach Regensburg?
Doch: Warum hat ausgerechnet Regensburg so ein Problem mit Tunesiern? Rauscher vermutet: „Dies dürfte primär auf die ausländerrechtliche Zuweisung tunesischer Staatsangehöriger nach Regensburg zurückzuführen sein.“ Heißt im Klartext: In Bayern kommen tunesische Flüchtlinge grundsätzlich in die Domstadt. Der Gedanke dahinter: Behörden können so Kompetenzen für Menschen aus den Maghrebstaaten aufbauen.
Hier ist die Regierung der Oberpfalz dafür zuständig, sich um die Flüchtlinge zu kümmern. Pressesprecherin Kathrin Kammermeier sagt, dass derzeit rund 200 tunesische Flüchtlinge im Stadtgebiet wohnen. Das heißt wiederum, dass etwa die Hälfte dieser Menschen Intensivstraftäter sind. 94 dieser Tunesier sind ausreisepflichtig, bei 108 läuft das Asylverfahren noch – die Chancen für diese Menschen, bleiben zu dürfen, sind aller Voraussicht nach überschaubar. Im zurückliegenden Jahr wurden 55 Menschen nach Tunesien abgeschoben.
Tunesier in Regensburg: Abschiebungen steigen stark
Dafür ist wiederum das Bayerische Landesamt für Asyl und Rückführungen zuständig. Barbara Freymüller, die stellvertretende Pressesprecherin des Amts, bestätigt die Zahlen der Regierung. Besonders auffällig: Kriminelle Tunesier scheinen in Bayern ein recht neues Phänomen zu sein. Von 2020 bis einschließlich 2023 wurden insgesamt 33 Tunesier aus Bayern abgeschoben – zwei davon aus der Oberpfalz. Diese Zahl ist im zurückliegenden Jahr explodiert.
Mehrere größere Abschiebeaktionen nach Tunesien sorgten heuer für Schlagzeilen. Anfang Oktober wurden etwa 22 Tunesier aus der Oberpfalz in ihre Heimat zurückgeflogen. Auch 2025 wolle man den Aufenthalt von ausreisepflichtigen Tunesiern zwangsweise beenden, teilt Sprecherin Freymüller mit. Man bitte allerdings um Verständnis, zu konkreten Maßnahmen in der Zukunft keine Aussage treffen zu können.