Fantastische Klangabenteuer – beim Festival Sparks & Visions

In Regensburg sind von 24. bis 26. Januar hochinteressante Ensembles zu erleben, die die ganze Vielfalt von Jazz ausbreiten. In der dritten Auflage wartet die Reihe mit einigen Neuerungen auf.
Er hat gut 120 Jahre auf dem Buckel, ist zutiefst human und lebendiger denn je. Ausgehend vom Geburtsland, den Vereinigten Staaten, ist der Jazz schon bald akademisch geworden und in seinen besten Momenten dennoch direkt, unverfälscht und roh. Mit ihrem Festival Sparks & Visions, das von 24. bis 26. Januar zum dritten Mal Regensburg bereichert, antwortet Intendantin Anastasia Wolkenstein auf die Frage, was Jazz sei, mit der Gegenfrage: „Ich frage mich, was kein Jazz ist?“ Für den amerikanischen Pianist Herbie Hancock geht es in diesem amerikanischen Kulturgut darum „im Moment zu sein“.
Bei den acht Bands des dreitägigen Events trifft Hancocks spirituelle Definition sicher auf jeden einzelnen der beteiligten Musiker und Musikerinnen zu. Mit dem Sextett inEvitable der griechischen Vibraphonistin und Percussionistin Evi Filippou, die das Festival am 24. Januar (19 Uhr) eröffnet, knüpft Wolkenstein unmittelbar ans Vorjahresfestival an. Damals beeindruckte die starke Komponistin mit dem Bassisten Robert Lucaciu im Duo. Heuer präsentiert sie mit einer pan-europäischen Besetzung eigene Songs und Arrangements traditioneller griechischer Melodien, in denen sich Folk, Jazz und Improvisation auf filigrane Weise verbinden.
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Auch der junge französische Posaunist und Sänger Robinson Khoury ist mit seinem Trio Mÿa auf der Suche nach musikalischen Ursprüngen. Mit modularen Synthesizern und Vokalisen ist seine Herangehensweise aber eine ganz andere. In seinen Kompositionen nimmt er sein Publikum mit in von nahöstlichen Skalen durchsetzte, geheimnisvolle elektro-akustische Klanglandschaften.
Den ersten Abend des Festivals beschließt Bassist Petros Klampanis mit seinem Trio Latent Info, dem Pianist Kristjan Randalu aus Estland und der israelische Schlagzeuger Ziv Ravitz angehören. Dominiert von perlenden Pianoklängen fächern die Drei auf eine poetisch-heitere Weise die Stärke und Schönheit auf, die in übersehenen Dingen und abseitigen Gedanken stecken.
Mit ihrem Programm aus jüngeren Musikern und Musikerinnen und Bands vorwiegend europäischer Szenen bleibt Festivalchefin Wolkenstein ihrer bisherigen konzeptionellen Linie treu und präsentiert im glanzvollen Ambiente des Theaters Regensburg eine überraschende Vielfalt dessen, was Jazz und zeitgenössische Musik heute ausmachen. Aus dem nahen Polen, das schon zu Zeiten des Ostblocks über eine starke und lebendige Jazzszene verfügte, kommen gleich zwei ausgesprochen spannende Bands zum Festival in die Donaustadt. O.N.E., Polens erstes weiblich besetztes Jazz-Quartett, vertreibt am 25. Januar mit energiegeladenem, kompromisslosem Freejazz, in den wundervolle lyrische Motive eingebettet sind, jeglichen Anflug von Melancholie. Am 26. Januar (12.30 Uhr) beschließt dann das vielfach ausgezeichnete Marcin Wasilewski Trio das diesjährige Festival mit seinem meisterhaft intimen und zugleich ausdrucksstarken Pianojazz. Damit führt es die große Tradition des PolJazz von Krzysztof Komeda bis Tomasz Stanko weiter.
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Einen ganz anderen musikalischen Hintergrund bringt die Komponistin und Sängerin Simin Tander mit, die am 25. Januar (19 Uhr) gastiert und bereits vor Längerem in Regensburg zu erleben war. In ihren tiefgründigen, hypnotisch wirkenden Songs und Sounds nimmt Simin Tander auch Bezug auf ihre afghanischen Wurzeln und verknüpft sie mit vokalen Improvisationen voll emotionalen Reichtums. Ihr neues Quartett mit der indischstämmigen Geigerin Harpreet Bansal, Björn Meyer am Bass und Samuel Rohrer am Schlagzeug vertieft noch die Intensität der künstlerischen Sehnsüchte und Freuden.
Zur optischen Signatur von Sparks & Visions gehört mittlerweile das von Karl Iaro entwickelte Bühnenbild mit seinen großen gläsernen Mobiles. Eine Neuerung in diesem Jahr: Als Matinee startet das North Sea String Quartet am 26. Januar (11 Uhr) mit ihren gattungssprengenden, fantastischen Klangabenteuern den Ausklang des Festivals. Das Streichquartett definiert die Möglichkeiten seiner Instrumente neu und schafft es dabei, wie ein einziger, organisch gewachsener Körper zu klingen.
Das Festival
Termin: Das internationale Jazzfestival Sparks & Visions findet von 24. bis 26. Januar zum dritten Mal im Theater Regensburg statt.
Tickets: Eine Neuerung sind Festivalpässe und Tagestickets in fünf verschiedenen Kategorien. Sie sind an der Theaterkasse oder online über die Website des Theaters erhältlich. Weitere Infos gibt die Homepage des Festivals: sparks-and-visions.com/

