Bestsellerautor Hacke begegnet der Härte des Lebens mit heiterer Leichtigkeit

Von Peter Geiger · 29. Dezember 2024 um 13:52

Bestsellerautor Axel Hacke fächert auch im neuen Buch „Aua“ sein Leben auf. Der rote Faden: Blessuren und Erkrankungen. Der Härte des Lebens begegnet er aber mit sehr viel Leichtigkeit − zur großen Heiterkeit des Publikums in Regensburg.

Man muss sich Axel Hacke vor allem als fleißigen Menschen vorstellen: In schöner Regelmäßigkeit ist er kurz nach Weihnachten zu Gast, hier bei uns in Regensburg im Theater – zu einer Zeit also, die aufgrund ihrer Exponiertheit im Kalender völlig zu Recht mit dem geflügelten Wort „zwischen den Jahren“ bezeichnet wird. Weshalb fast alle Menschen diese Tage mit Begriffen wie „Familienfeier“, „Ferien“ und „Freizeit“ assoziieren – und abends mit den Tickets, die sie unterm Christbaum gefunden haben, ins Theater gehen.

Weihnachtsengelsgeduld im kommerziellen Brachland

Axel Hacke aber, der „seit dem letzten Jahrtausend“ (wie er spitzbübisch anmerkt, um der Dauer seines beruflichen Tuns den Beiklang des Biblischen zu verleihen) in wöchentlicher Regelmäßigkeit Kolumnen fürs Magazin der Süddeutschen Zeitung verfasst, er nutzt genau dieses kommerzielle Brachland im Kalender mit der ihm eigenen Engelsgeduld (oder besser: Weihnachtsengelsgeduld?), um mit der Bahn – die an allem, was uns derzeit belastetet, schuld ist und selbstredend auch an dessen Gegenteil, wie er uns in seinem Eröffnungstext gleich wissen lässt – hierher zu fahren. Und fürs nächste Jahr, so kann er Fans am Bücherstand beruhigen, hat er auch schon wieder zugesagt!

Kurzweilige Groteske

Weshalb Axel Hacke aber nunmehr schon seit Jahrzehnten Kolumnen verfasst, das verrät er in seinem neuen, „Aua“ überschriebenen Büchlein, aus dem er an diesem „dritten“ Weihnachtsfeiertag vor allem vorträgt. Die fachsprachlich „Ausruf- oder Empfindungswort“ genannte Dreibuchstaben-Miniatur hat’s deshalb zum Titel dieser 15 Kapitel gebracht, weil er sich darin autobiographisch ausschließlich mit der Geschichte seines Körpers beschäftigt. Was übrigens, der kleine Einschub sei gestattet, so kurzweilig ist, dass man kaum die Heimkehr abwarten kann, um sich auch noch jenem Kapitel zu widmen, das er an diesem Abend nur ganz kurz streift – in einer grotesk überdrehten Kolumne, in der er von einem Skiunfall erzählt, über jenem fünf Buchstaben langen Körperteil (Ehrensache, hier das grammatikalische Maskulinum zu verwenden), der nur Männern zu eigen ist. Der Elfjährige hinter mir kam am Abend im Theater dabei aus dem Lachen gar nicht mehr raus.

Auch ein Tinnitus war mit ihm Spiel

Aber zurück zum Erzählkern: Dass aus dem Journalisten mit Festanstellung (der, wie er vergangenes Jahr erzählte, 1984 bei den Olympischen Winterspielen in Sarajevo seine Reportagen auch auf dem Herrenklo tippen musste, weil im Pressezentrum kein Platz zu haben war) ein frei mitarbeitender Kolumnist wurde, der heute Bücher schreibt, die über so viel tröstenden Witz verfügen, dass er damit Heiterkeitsgiganten wie Erich Kästner oder Robert Gernhardt kistenweise sprudliges Mineralwasser zu reichen vermag (und zwar so spielend wie wortspielerisch), dafür wiederum sind zwei Faktoren verantwortlich: Ein Tinnitus, den er sich während seiner Wehrpflicht als Panzerkommandant bei Schießübungen zuzog.

Und sein Streben nach Stressreduktion, weil er für eine Seite 3-Reportage, deren Thema ihn nicht die Bohne interessierte, eine Woche seines Lebens hätte opfern müssen. Sodass er von sich behaupten kann, heute dort zu sein, „wo es mir gut geht und ich zufrieden bin. Wo ich tue, was ich tun will, und nicht das, was andere wollen, dass ich es tue. Weil das so ist, hat der Tinnitus für mich eine Bedeutung, er gehört zur Geschichte meines Körpers. Er ist selbst eine Geschichte, die mir mein Körper erzählt. Oder eben vorpfeift“.

Besser als jede bittere Medizin

Aber vielleicht hat der Axel Hacke des Jahres 2024 auch eher was von einem Priester, so, wie er dasitzt und thront, auf seinem roten Samtsessel auf der Bühne, von der herunter er seine tröstlichen Botschaften verkündet, weil er auch aus seinem vorangegangenen Bestseller, dem Heiterkeitsbändchen, liest. Oder doch eher was von einem in Ehren ergrauten Chefarzt? Der den Heilungsprozess deshalb in Gang zu setzen vermag, weil er ahnt, wie es seiner in Depression und News-Fatigue versinkenden Patientenschar geht, weil er selbst all die Jammertäler durchschritten hat.

Und weiß, was besser ist als jede bittere Medizin: Das literarische Tätscheln der Wangen und erzählerische Handauflegen nämlich. Und eine per Rezept von der Bühne aus verordnete kräftige Zwerchfellmassage! Regensburg darf also getrost drauf vertrauen, auch nächstens wieder zwischen den Jahren getröstet zu werden, vom fleißigen Axel Hacke!