Darum sind die Präsidenten der Handwerkskammer und der IHK in der Region optimistisch für 2025

Natürlich können die konjunkturellen Dellen, die inzwischen auch den Arbeitsmarkt erreicht haben, sowie die geopolitischen Herausforderungen und strukturellen Defizite nicht mehr schöngeredet oder gar geleugnet werden. Dennoch setzt die ostbayerische Wirtschaft mit Blick auf 2025 in hohem Maße auf Zuversicht und einen optimistischen Grundton.
Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer (HWK) Niederbayern-Oberpfalz, blickt trotz aller Unwägbarkeiten sogar durchaus zufrieden auf das nun endende Jahr zurück: „Das Handwerk kann stolz auf sich sein – obwohl es mittelständischen Unternehmen in Deutschland selten so schwer gemacht wurde, ökonomisch sinnvoll und erfolgreich zu wirtschaften wie in den letzten drei Jahren“, sagt Haber in seinem Jahresrück- und -ausblick.
Investitionen im Handwerk sind gestiegen
Das Handwerk habe allen Problemen wie der überbordenden Bürokratie, den hohen Energiekosten oder dem Fachkräftemangel zum Trotz eine bewundernswerte Resilienz bewiesen. Haber ist überzeugt: „Unsere Handwerker in Ostbayern haben sich überdurchschnittlich gut geschlagen.“ Vor allem zog die Investitionsbereitschaft der Betriebe in den letzten Monaten deutlich an – und dies trotz sinkender Nachfrage und spürbar weniger Auftragseingängen. 41 Prozent der Betriebe investierten laut dem Konjunkturbericht der Kammer im dritten Quartal – „so viele wie seit Anfang 2020 nicht mehr“.
Positive Signale gab es laut Haber auch im Hinblick auf die Beschäftigtenzahlen. Erstmals seit zwei Jahren habe sich bei mehr Betrieben die Zahl der Mitarbeitenden erhöht, als dass sie gesunken sei. Derzeit sind in den fast 42 000 Betrieben des ostbayerischen Handwerks 219 100 Personen beschäftigt, die mit über 37 Milliarden Euro rund 20 Prozent aller Umsätze in Niederbayern und der Oberpfalz erwirtschaften. Die Reaktion des Handwerkskammerpräsidenten fällt dementsprechend aus: „Chapeau, liebe Kolleginnen und Kollegen! Hut ab vor so viel Unternehmergeist, Mut und Aufbruchstimmung! Genau das ist es, was unser Land jetzt braucht – Aufbruchstimmung und den Willen, die angestauten strukturellen Probleme nun endlich an der Wurzel zu packen.“
Dafür sorgen, „dass sich Leistung wieder lohnt“
Es gelte, eine umfassende Steuer- und Sozialreform anzustoßen, die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen und vor allem dafür zu sorgen, „dass sich Leistung wieder lohnt“. Letztendlich könne schließlich nur das verteilt werden, was vorher auch erwirtschaftet wurde. Es könne nicht angehen, dass die Leistungsträger in der Gesellschaft ständig ausgebremst werden – eine Position, die offenbar auch von Michael Matt, Präsident der IHK Regensburg für die Oberpfalz und Kelheim, geteilt wird. Er verweist jedenfalls darauf, dass die Konjunkturexperten der Industrie- und Handelskammern bereits zu Jahresbeginn 2024 darauf hingewiesen hatten, wie sehr die Wirtschaft weitestgehend wettbewerbsfähig aufgestellt sei. Die Politik aber hätte keine adäquaten Rahmenbedingungen geliefert. Daran habe sich auch im Laufe des Jahres wenig geändert: „Die Insolvenzen, vor allem im Automotive- und Baubereich, häuften sich im Herbst 2024 auch in unserer Region.“ Zwar sei die Automobilbranche bei der E-Mobilität oder beim Wasserstoff zukunftsfähig aufgestellt und dabei massiv in Vorleistung gegangen, gleichzeitig habe der Staat es nicht fertiggebracht, kräftige Impulse für die neuen Technologien zu setzen. „Andere Länder sind da weiter“, kritisiert der IHK-Präsident in seinen Worten zum Jahreswechsel.
Als Repräsentant von 85 000 Unternehmen im Bereich Industrie, Handel und Gewerbe in der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim setzt Matt aber auch darauf, dass Politik nicht nur in Berlin gemacht werde. Mit Blick auf die im März 2026 anstehenden Kommunalwahlen werde die IHK vor Ort jedenfalls die aus Sicht der Wirtschaft wichtigen Projekte intensiv einfordern.
Michael Matt: Zinssenkung gibt Hoffnung
Neben der jüngsten Senkung des Leitzinses zum Jahresende 2024, die in Matt die Hoffnung aufkeimen lässt, dass die Konjunktur im Frühjahr 2025 auch in der Region aus der Talsohle kommen werde („damit Bauen wieder bezahlbarer wird“), macht den IHK-Präsidenten „unsere resiliente Industrie nach wie vor Mut“.
Dass Konjunkturpolitik auch regional vorankommen kann, dafür verweist Matt nicht zuletzt auf die Landesgartenschau in Furth im Wald, die 2025 dem Tourismus Schwung verleihen werde. Und vielleicht – so sein Blick auf die „großen Bühnen“ – lösen sich im kommenden Jahr sogar scheinbar unlösbare geopolitische Krisen? Vielleicht wird die EU handlungsfähiger und selbstbewusster?
„Ein wenig Hoffnung und Zuversicht tun uns gut“, ist Matt jedenfalls überzeugt. Schließlich treibe – wie an der Börse – die Stimmung den Kurs. Und Georg Haber bemüht mit Blick in die Glaskugel, die laut Matt manchem derzeit eher trübe erscheinen mag, sogar ein Dichterwort von Hermann Hesse mit der legendären Zeile, wonach jedem Anfang, also auch dem neuen Jahr 2025, „ein Zauber inne wohnt, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben“.

