Dresscodes am Arbeitsplatz: Haben Krawatte und Kostüm ausgedient?

Von Marion Neumann · 28. Dezember 2024 um 11:00

Krawattenpflicht im Büro? Diese Zeiten sind vorbei. Die Dresscodes am Arbeitsplatz werden lockerer. Ganz ohne Vorgaben geht es in einigen Branchen aber trotzdem nicht.

Wir haben uns in Regensburg umgehört.

Für Tom Karger sind seine Mitarbeiter das Aushängeschild des Salons. „Wir legen großen Wert auf gepflegtes und stilvolles Auftreten“, sagt der Inhaber des Friseursalons Eulenstein im Regensburger Stadtteil Stadtamhof. „Unsere Kunden erwarten von uns nicht nur exzellente Dienstleistungen, sondern auch, dass wir Vorbild in Sachen Styling und Ästhetik sind.“

Einen strikten Dresscode am Arbeitsplatz gibt es bei Karger dennoch nicht. „Wichtig ist, dass der Kleidungsstil den Vorschriften der Berufsgenossenschaft entspricht, wie geschlossene Schuhe und kein Handschmuck. Abseits davon fördern wir kreative und einzigartige Looks, solange sie professionell wirken und die Werte unseres Salons repräsentieren.“

Arbeit nicht im Lieblingsoutfit als Friseur in Regensburg

Bei der Kleiderwahl setzt man in der Branche aber grundsätzlich auf Schwarz und dunkle Töne. „Das liegt daran, dass Flecken durch Tönung oder Farbe auf dunkler Kleidung weniger auffällig sind. Obwohl wir bei Färbearbeiten Schürzen tragen, lassen sich Flecken durch Blondierung nicht komplett vermeiden.“

Das ist auch der Grund, warum Karger selbst seine Lieblingsoutfits nicht im Salon trägt. „Für die Arbeit greife ich lieber auf günstigere Modelle zurück oder trage Kleidung im Used-Look, die Flecken besser kaschiert“, sagt er. „Im Friseurhandwerk hat man definitiv zwei verschiedene Seiten im Kleiderschrank.“

Wie sich seine Mitarbeiter präsentieren, ist auch Urs Erös wichtig – zumindest, wenn Mandanten in seiner Kanzlei in der Andreasstraße erwartet werden. „Abgesehen davon kann jeder kommen, wie er möchte. Aber wenn Mandanten ins Büro kommen, besteht für die Anwälte Sakko-Pflicht.“ Vor Gericht darf es dann mit Anzug und Krawatte noch ein wenig formeller sein. „Ein schicker Anzug macht die Arbeit eines Anwalts nicht besser. Trotzdem sollte bei einer Verhandlung die Etikette eingehalten werden.“ Ein Gerichtstermin habe schließlich nicht nur für den Mandanten eine große Bedeutung. „Die Öffentlichkeit ist anwesend und der Anwalt repräsentiert die Kanzlei nach außen.“

Urs Erös: Stilbrüche sind kein Problem mehr

Dennoch seien die Kleidervorschriften in der Anwaltsbranche lockerer geworden. „Deutlich laxer als noch vor zehn, 15 Jahren“, stellt Erös fest. Mehr Individualität und Stilbrüche wie Turnschuhe zum Anzug seien längst kein Problem mehr. „Aber diese Kombination ist eigentlich schon seit Joschka Fischer salonfähig.“

In Sachen Dresscode mit der Zeit gegangen ist auch der Bankensektor, erklärt Gerd Baumann, Referent für Unternehmenskommunikation bei der Sparda-Bank Ostbayern. Krawatte oder Kostüm sind für die Mitarbeiter seit fünf Jahren nicht mehr verpflichtend. „Bei uns im Haus lautet der Dresscode mittlerweile Smart Casual – also Sakko und Blazer oder auch ein Poloshirt. Dazu kann eine ordentliche Jeans oder Chinohose mit gepflegten Schuhen kombiniert werden.“

Dieser Standard sei „einfach zeitgemäß“ und gelte für alle Altersstufen. „Wenn sich jemand mit Kostüm oder Anzug wohlfühlt, kann er das natürlich tragen“, sagt Baumann, „aber der Großteil der Mitarbeiter nimmt Smart Casual gerne an.“

Gerade an heißen Tagen sei es angenehmer, auf die Krawatte verzichten zu können. „Seriöses Auftreten ist wichtig und zeigt Wertschätzung gegenüber unseren Kunden. Dass ein Mitarbeiter im Sommer kurze Hosen trägt, wäre nicht angemessen – doch gegen ein schönes Poloshirt hat wohl niemand etwas einzuwenden.“

Einheitlich im Außendienst, individuell im Büro

Mal Kapuzenpullover, mal Hemd: Bei Regelkraft, einem Unternehmen für Energietechnik mit Sitz in der Techbase, erscheinen die Mitarbeiter unterschiedlich gekleidet im Büro. „Wir sind da sehr offen und machen keine Vorschriften“, sagt Jan Wartmann, der die Firma zusammen mit seinem Kollegen Michael Schneider leitet. Anders sieht es im Außendienst aus.

Sind die Mitarbeiter beispielsweise auf Baustellen unterwegs, brauchen sie Sicherheits- und Arbeitskleidung. Damit Regelkraft gut zu erkennen ist, gibt es einheitliche Kleidung. „Auf allen Jacken ist zum Beispiel dezent unser Logo eingestickt“, sagt Wartmann.

Dass die „Teamwear“ gut ankommt, sieht er daran, dass die Jacken und T-Shirts auch gern im Büro getragen werden. „Die Sachen sehen gut aus und sind bequem. Ich denke, dass einheitliche Teamwear gut für die Stimmung ist. Man identifiziert sich ein bisschen mehr mit der Firma.“

In Jacken mit dem Regelkraft-Logo: Michael Schneider (li.) und Jan Wartmann Foto: Regelkraft
Schürze und dunkle Farben trägt Tom Karger in seinem Friseursalon. Foto: Tom Karger
Dresscode Smart Casual: Statt auf Kostüm- und Krawattenpflicht setzen die Auszubildenden der Sparda-Bank Ostbayern eG auf Sakko und Blazer. Foto: Lena Nguyen