Staubings Kommandant: „Binnen 30 Sekunden war das Erdgeschoss geflutet“

Sie führten einen Abwehrkampf gegen die Flut. Unzählige Betroffene im Landkreis Kelheim bangten beim Juni-Hochwasser um ihr Hab und Gut. Mehr als 3000 Retter und Helfer waren im Einsatz. Einer von ihnen, Staubings Kommandant Rainer Huber, erinnert sich, wie der Einsatz an die Substanz ging.
„Ich persönlich habe danach erst einmal drei Wochen gebraucht“, gesteht der 48-Jährige. So ausgepowert war er.
Erst waren sie im am heftigsten vom Hochwasser betroffenen Kelheimer Ortsteil ganz gut dran. „Hochwasser kommt langsam.“ Sie konnten sich vorbereiten. Zunächst halfen die 43 Aktiven der Staubinger Feuerwehr den donaunahen Anwohnern beim Räumen ihrer Häuser und Garagen. Möbel, Elektrogeräte und vieles mehr wurden mit Traktoranhängern und allem, was zur Verfügung stand, zu Verwandten, Freunden und Bekannten gebracht.
12 Feuerwehren im Dorf
Als die Flut dann da war, war in der zweiten Nacht schnell klar: Sie brauchten Hilfe von außen. „Bei uns waren zwölf auswärtige Feuerwehren im Einsatz“, sagt Huber. Die Essinger, die Volkenschwander, die Schweinbacher, die Paringer oder die Siegenburger packten mit an, um ständig 25 Frauen und Männer vor Ort zu haben. In drei Schichten rund um die Uhr. Die Pumpen konnten sie nicht unbeaufsichtigt arbeiten lassen.
Bei der Jahrhundertflut 1999 war Huber noch nicht dabei. Aber seit 18 Jahren ist er Staubings Kommandant. Da hat er schon einige Hochwasser erlebt. „Von der Dimension her war dieses aber das größte für mich“, sagt er. Das zeigte sich auch daran, dass diesmal beinahe die Einsatzleitung, die am Kirchplatz angesiedelt war, umziehen hätte müssen. Weil dort das Wasser schon anstand. Die Herausforderung 2024: Der Scheitel blieb lange stehen. Der Höchststand in der Kreisstadt (einen offiziellen Pegel Staubing gibt es nicht) war am 5. Juni mit 7,56 Meter erreicht. Nicht vergessen wird Huber auch, wie er über Funk hörte, dass bei einem guten Freund, durch das hochdrückende Wasser der Estrich in der Küche aufgeplatzt war. Bei einem Nachbarn drückten die Wassermassen die Kellertür ein. „Binnen 30 bis 40 Sekunden stand das Erdgeschoss unter Wasser.“
Spätestens ab dem Zeitpunkt lagen bei vielen Staubingern die Nerven blank. Immer mehr Schäden gab es an den 16 Einsatzstellen. „Wir stehen ohnmächtig da, wie unsere Häuser absaufen“, sagten die Anwohner unserer Zeitung.
Heizung kam kurz vorm Fest
Nach einer Woche war der Katastrophenfall im Landkreis wieder aufgehoben. Doch das Schuften ging bei den Betroffenen weiter. Schlamm und Dreck wegschrubben, kaputte Böden herausschlagen, Handwerker suchen.
Kurz vor Jahresende sieht man immer noch Autos von Handwerker-Firmen im Dorf, sagt Rainer Huber. Wegen des nassen Sommers dauerte das Trockenen der nassen Mauern länger. Der Feuerwehr-Kommandant weiß, dass in einem Haus, das mit am schlimmsten betroffen war, erst vor Kurzem die letzten Fliesen in der Küche verlegt worden sind. In einem anderen Haushalt kam kürzlich die neue Küche. Eine andere Familie bekam erst „vor zwei, drei Wochen“ die neue Heizung.


