Zäher Abwehrkampf in Kelheim: Hochwasser frisst sich durch Deiche, Wände und Nerven

Viele Augen sind dieser Tage wegen des Donauhochwassers auf das schutzlose Staubing gerichtet – aber auch im übrigen Stadtgebiet Kelheim, in Herrnsaal, Kapfelberg oder Lohstadt, bedroht es das Hab und Gut der Bewohner.
Das Problem ist nicht allein der Pegelstand. Der erreichte laut Hochwassernachrichtendienst am Mittwochmittag bei Kelheim mit 7,56 Metern seinen Scheitel. Hoch – aber nicht so hoch wie 1999. Das sagen Anrainer flussauf, flussab. Das diesjährige ist das zweithöchste Hochwasser, das Hans Perzl in 52 Jahren bei seinem Gasthof in Lohstadt erlebt hat. Am Mittwochmittag ist es im Gastraum dank des provisorischen Hochwasserschutzes der Feuerwehr trocken. 1999 reichte das Wasser laut einer Markierung bis etwa zur Hälfte der Eingangstür, 1845 gar bis an den Türsturz.
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Was den Menschen allerdings viel mehr Sorgen bereitet, ist die Dauer des Hochwassers. Im Kieswerk TBG Rott bei Herrnsaal etwa wäre eine kurze Hochwasserwelle ein eher kleines Problem, sagt Geschäftsleiter Julian Rott. Aber dieses Hochwasser steht seit Tagen. Es nagt sich durch Deiche, Wiesen, Fliesen und sogar die Betonwände von Rotts Kieswaschanlage. Es greift Sandsackbarrikaden und Wälle aus Betonquadern nicht nur frontal an, sondern drückt auch das Grundwasser nach oben. Das fällt den Verteidigern sozusagen in den Rücken. Rott muss es abpumpen, 6000 Liter pro Minute schafft die Pumpe.
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Lage ist unbeständig
Aber das Wasser droht bald einen Schaltschrank zu erreichen – dann hätte die Pumpe keinen Strom mehr. Binnen einer halben Stunde liefe ein Areal mit wertvollen Maschinen voll. Als Reserve hat Rott von der Feuerwehr eine Pumpe mit ähnlichem Leistungsvermögen bekommen. Der Geschäftsleiter ist dankbar für die Unterstützung. Und versuche selber, zu helfen, wo es geht. Die Firma Rott habe beispielsweise Sand nach Sinzing oder für den Damm an der Regensburger Straße geliefert. Rund um die Uhr sei man auf Abruf, falls Feuerwehren oder Landratsamt um Unterstützung bäten. Insgesamt ist die Situation im Kieswerk noch unter Kontrolle: „Wir halten uns wacker“, sagt Rott. Aber: Das könne sich auch schnell ändern.
So wie auf dem Hof von Johannes Eichhammer in Herrnsaal, nur wenige hundert Meter von der TBG Rott entfernt. Dort ist das Wasser am Dienstagabend erstmals durch die Fliesen ins Wohnhaus gesickert. Seither ist die ganze Familie mit Saugern, Wischern und Pumpen im Einsatz. „Wir versuchen, das Wasser so niedrig wie möglich zu halten“, sagt Nicole Eichhammer. Das Wohnhaus ist komplett eingeschlossen, durch den Innenhof fließt ein Strom. Im Garten ragt nur die Spitze eines Kinderspielturms aus der Donau.
Verglichen mit Staubing sei man hier in Herrnsaal schon ein Stück weit vergessen worden, so sieht man das auf dem Eichhammer-Hof. Aber nur, was den Flutschutz angeht, betont Nicole Eichhammer.
Hochwasser ist eingepreist
Die Unterstützung von der Feuerwehr Kelheimwinzer sei gut und man bekomme viel Hilfe aus dem Dorf, von Verwandten und Freunden. Ein Deich sei allerdings nie ernsthaft angedacht worden. Vielleicht ginge das auch gar nicht, das Bauernhaus liegt nur rund 50 Meter vom Donauufer entfernt. Versichern könne man das Anwesen auch nicht, weiß Eichhammer. Hatte man nach 1999 schon versucht. Man muss sich selber helfen, sagt Nicole Eichhammer. Und warten, dass das Wasser wieder abfließt.
Ähnlich sieht es im übrigen Stadtgebiet aus, etwa auf dem überfluteten Campingplatz Kapfelberg oder auch im Hafen Kelheim-Saal. Dort habe man Güter wie beispielsweise Autos frühzeitig in Sicherheit gebracht, sagt Geschäftsführer Tobias Schlauderer. Viel Hilfe habe es von Kelheimer Firmen gegeben und die Mitarbeiter seien pausenlos im Einsatz. Die Schäden hielten sich bisher in Grenzen – ein Kran und eine Lkw-Waage könnten in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Dass derzeit keine Schiffe fahren, könne man verschmerzen. Hoch- und Niedrigwasser – das habe man als Donauanrainer eingepreist.


