Die Linke-Direktkandidat Tobias Mainka im MZ-Wintergespräch: „Wohnraum muss wieder bezahlbar werden“

Seit Juni 2024 ist Tobias Mainka Mitglied der Partei Die Linke. Dort hat er sich schnell etabliert: Im November nominierte der Kreisvorstand den 28-Jährigen als Bundestagskandidaten für den Wahlkreis Schwandorf. Im MZ-Wintergespräch erklärte Mainka, warum er sich für Die Linke engagiert und was er erreichen will.
Herr Mainka, für unser Gespräch haben Sie den Weihnachtsmarkt in Teublitz gewählt. Steckt hier ein persönlicher Bezug dahinter?
Tobias Mainka: In Teublitz bin ich aufgewachsen. Hier habe ich meine Kindheit und Jugend verbracht, und hier bin ich auch in der Blaskapelle aktiv. Zum Vereinsleben gehören auch solche schönen Veranstaltungen wie zum Beispiel diese, wo unsere Gemeinschaft mit einem Crêpes-Stand vertreten ist.
Wie sind Sie zur Politik gekommen, und warum engagieren Sie sich für Die Linke?
Tobias Mainka: Mit Politik beschäftige ich mich schon sehr lange. Seither habe ich oft mit dem Gedanken gespielt, mich zu engagieren. Nach der Abspaltung des Bündnis Sahra Wagenknecht ist Die Linke eine Partei geworden, die ich zu 100 Prozent vertreten kann.
Was hat Sie vor der Abspaltung des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) konkret davon abgehalten, der Partei beizutreten?
Mainka: Mit dem Parteiprogramm konnte ich mich auch damals schon identifizieren, allerdings war der Personenkult aus meiner Sicht viel zu groß. Die Meinung einer Gruppe spiegelte nicht immer jene der Partei wider.
Derzeit befindet sich Die Linke – besonders in Bayern – in einem Umfragetief.
Mainka: Sicherlich hat uns ein großer Teil der Wählerschaft mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht verlassen. Ich bin aber zuversichtlich, dass auch wieder Wähler zurückkommen, weil wir unseren Fokus auf die arbeitende Bevölkerung richten. Auf dem Land sind die sozialen Nöte meist nicht so groß wie in den Städten, daher ist die Personengruppe, für die wir uns einsetzen, hier grundsätzlich kleiner.
Wie ging es nach der Abspaltung des BSW weiter?
Mainka: Durch die Neuausrichtung hat sich die Partei wieder gefunden und den Fokus stark auf die sozialen Themen gerichtet. Die Linke verzeichnet derzeit auch einen stetigen Zuwachs – gerade seit die aktuelle Regierung zusammengebrochen ist.
Gregor Gysi, Dietmar Bartsch und Bodo Ramelow haben die die „Mission Silberlocke“ gestartet und möchten die erforderlichen drei Direktmandate holen. Für den hiesigen Wahlkreis gehen Sie als junger Kandidat an den Start, wie wollen Sie überzeugen?
Mainka: Ich halte eine gesunde Altersmischung der Regierungsvertreter für sinnvoll. Jede Generation hat in der Politik ihre Daseinsberechtigung. Denn der Fokus muss auch auf Punkte gelegt werden, die für junge Menschen wichtig sind. Im ländlichen Raum ist diese Durchmischung generell noch nicht in diesem Maß gegeben.
Welche politischen Ziele möchten Sie generell erreichen?
Mainka: Eines der Kernthemen ist sicherlich, das Leben wieder finanziell stemmbar zu machen. Sehr viele Familien müssen jeden Cent am Ende des Monats umdrehen. Dagegen stehen Millionäre und Milliardäre, die ihr Vermögen letztendlich durch die Arbeit anderer angehäuft haben. Somit fehlt es schlichtweg in den unteren Schichten. Mit einfachen Mitteln wäre schon viel geholfen. Dazu gehören eine sinnvolle Deckelung des Mietpreises und der Preise für die wichtigsten Lebensmittel sowie eine Erhöhung des Mindestlohns auf den europäischen Standard von 15 Euro.
Wie will Ihre Partei die wirtschaftliche Lage verbessern?
Mainka: Die Linke setzt sich stark dafür ein, die Schuldenbremse abzuschaffen. Denn so können größere Investitionen auch wieder getätigt werden. Inzwischen stürzen in Deutschland Brücken ein – die Infrastruktur ist sehr marode. Höhere Investitionen in diesem Bereich sind auch ein Antrieb für die Wirtschaft.
Wichtige Themen sind auch Asylpolitik und Migration. Wie ist hier Ihr Standpunkt?
Mainka: Die Asylpolitik, wie sie derzeit gefahren wird, gehört sich meiner Meinung nach umgekrempelt. Es geht derzeit primär darum, die ankommenden Menschen zunächst irgendwo unterzubringen und anschließend in langen Verfahren zu prüfen, ob überhaupt Anspruch auf Aufenthalt besteht. Wir haben es mit Menschen zu tun, die aus ihrer Heimat flüchten mussten und dafür weite Strecken hinter sich gebracht haben. Gerade für ein so reiches Land wie Deutschland gehört es sich einfach, diesen Personen Hilfe anzubieten. Dementsprechend sollte man die Integration mehr in den Fokus rücken und die Menschen nicht separieren, wie es derzeit der Fall ist.
In der Region sind täglich viele Menschen auf den Autobahnen unterwegs. Wie ist Ihre Position zum Tempolimit?
Mainka: Ich denke, da gibt es wichtigere Herausforderungen, die in Deutschland gelöst werden müssen. Generell tendiere ich aber zu einem Tempolimit, da somit die Unfallzahlen sinken und auch der Schadstoffausstoß reduziert werden kann. Die Lärmbelastung in der Nähe von Wohngebieten kann auf diese Weise ebenfalls minimiert werden.
Auch die Cannabis-Legalisierung wird rege diskutiert. Welche Position haben Sie hier?
Mainka: Ich stehe voll und ganz hinter der Cannabis-Legalisierung und möchte mich dafür einsetzen, dass genereller Drogenkonsum nicht mehr strafbar ist. Ausschließlich der Handel mit nicht-legalen Mitteln sollte letztendlich strafbar sein. Menschen, die in eine Sucht fallen, sollten nicht auch noch dafür bestraft werden.
Was möchten Sie für die Region Schwandorf erreichen?
Mainka: Wir befinden uns hier noch im Speckgürtel von Regensburg. Somit sind die Mieten und generell die Preise für Immobilien und Grundstücke in den letzten Jahren massiv in die Höhe geschnellt. Junge Familien können sich vieles nicht mehr leisten oder müssen über lange Jahre hinweg Kredite bedienen. Gerade sie brauchen aber einen Mittelpunkt für ihr Leben. Die angesprochene Deckelung der Mieten würde Abhilfe schaffen. Verhindert werden muss auch, dass Bauunternehmen große Felder kaufen, daraus Baugebiete machen und diese schließlich wieder mit hohen Renditen verkaufen. Grundstücke sollten vorrangig aus kommunaler Hand verkauft werden. Daneben ist auch eine höhere Investition in die Bildung notwendig.
In welchen Bereichen der Bildung besteht aus Ihrer Sicht noch Verbesserungsbedarf?
Mainka: Wir haben teilweise sehr marode Schulen, auch bei uns in der Region. Meines Erachtens geht es viel zu langsam, hier den aktuellen Stand der Technik zu erreichen. Wenn wir Kinder nicht von Anfang an mit den neuesten Technologien vertraut machen, wird uns das in Zukunft einholen.
Zur Person:
Parteieintritt: Die Entscheidung, sich der Linken anzuschließen, hat Tobias Mainka nach dem Austritt von Sahra Wagenknecht getroffen. Seit der Abspaltung des BSW kann er sich vollständig mit dem politischen Kurs identifizieren.
Nominierung: Der Kreisvorstand der Linken Mittlere Oberpfalz hat Mainka im November einstimmig als Bundestagskandidaten für Die Linke im Wahlkreis Schwandorf nominiert. Beruflich ist er im Prozessmanagement tätig.