Peta nimmt Jäger und Pfarrer ins Visier: Tierschützer kritisieren Hubertusmesse und Drückjagd

Von Bernhard Neumayer · 23. Dezember 2024 um 05:00

Die dunkle Jahreszeit ist für manche Jäger der Zeitpunkt, auf Drückjagd zu gehen. Dass Peta sich gegen das Jagen ausspricht, ist nichts Neues. Jetzt legt die Tierschutzorganisation allerdings nach – und schießt auch gegen Pfarrer, die Hubertusmessen feiern. Kirche und Jagdverband wehren sich.

„Einen Gottesdienst zu veranstalten, der Jagdausübenden symbolisch den Segen für das sinnlose Töten wehrloser Mitgeschöpfe gibt, sendet ein völlig falsches Signal“, wird Peta-Referentin Yvonne Würz in einer Pressemitteilung der Tierschutzorganisation zitiert. Kirchen sollten ihrer Ansicht nach dafür eintreten, die Schöpfung zu bewahren – und nicht zu zerstören. Die Hubertusmesse ignoriere, dass der heilige Hubertus vom Jäger zum überzeugten Jagdgegner wurde, teilt Würz mit.

Dem widerspricht Pfarrer Armin Heß, der jüngst eine Hubertusmesse in Dietfurt zelebrierte. „Der heilige Hubertus ist ein Vorbild für alle“, sagt Heß. Denn jeder von uns könne reflektieren, wie er sein Leben zum Besseren verändern könne.

So wie es Hubertus von Lüttich im siebten Jahrhundert gemacht hat: Der Legende nach hat er nach dem Tod seiner Frau wild und rücksichtslos gejagt. Als er eines Tages einen Hirsch in die Enge getrieben hatte, soll sich plötzlich ein Kreuz zwischen dessen Geweihstangen entflammt haben. Hubertus sei ehrfürchtig auf die Knie gefallen und habe sein Leben umgekrempelt. Diese spätere Haltung von Hubertus sei eng mit dem heutigen Verständnis von Waidgerechtigkeit verbunden.

Heiliger Hubertus ist der Schutzpatron der Jäger

„Hubertus, der Schutzpatron der Jäger, steht für eine respektvolle und nachhaltige Jagd“, sagt Julian Sippl, Vorsitzender des Jägervereins Berching-Dietfurt. Hubertusmessen seien auch ein Aufruf zu Demut und Dankbarkeit. „Sie mahnen, dass Jagd stets mit Respekt gegenüber dem Wild und der Schöpfung ausgeübt werden muss“, sagt Sippl.

Dass Jäger durch die Hubertusmessen die Jagd legitimieren, wie Peta es formuliert, ist nach Ansicht der Tierschutzorganisation nicht mit der christlichen Ethik zu vereinbaren, das Leben zu achten.

Kritik an Hubertusmesse: Das sagt Neumarkts Dekan

Der Neumarkter Dekan Stefan Wingen sieht hier keinen Widerspruch zur christlichen Verantwortung. Im Gegenteil: „Die Sorge um die Schöpfung ist ein urchristliches Thema“, wie Wingen sagt. Den Appell der Tierrechtsorganisation, sich künftig von den „gewaltverherrlichenden Messen“ zu distanzieren, kann Wingen nicht nachvollziehen. Er kenne keine Stelle in einem Gottesdienst, bei dem gewaltverherrlichende Worte gesprochen werden. „Das ist an den Haaren herbeigezogen“, wehrt sich der Dekan gegen die Anschuldigungen der Tierschutzorganisation.

Peta kritisiert in der Pressemitteilung zudem die Drückjagden und die Jagd allgemein. Bei den Treibjagden im Herbst und Winter würden Jäger die Tiere „hetzen und töten“, schreibt Peta. Zudem würden laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, auf die Peta in der Meldung verweist, bis zu zwei Drittel der Wildtiere bei Drückjagden nicht sofort sterben, sondern oft tagelang unter den Verletzungen leiden.

Der Bayerische Jagdverband dagegen stuft die Drückjagden nicht als grausam ein, wie Generalsekretär Robert Pollner auf Nachfrage mitteilt. Drückjagden seien ein effizientes Mittel, den Wildbestand zu regulieren und bei korrektem Ablauf tierschutzgerecht, so Pollner.

Jäger widersprechen Tierschutzorganisation Peta

Julian Sippl vom Jägerverein Berching-Dietfurt wird deutlicher: „Die Behauptung, dass zwei Drittel der Tiere bei Drückjagden nicht sofort sterben und leiden, entbehrt jeder Grundlage.“ Sie sei eine dramatische Übertreibung, die darauf abziele, Menschen gegen die Jagd aufzubringen, statt sachlich aufzuklären.

In der Realität sorgen erfahrene Jäger, Hundeführer und Treiberteams laut Sippl dafür, dass Wild in vorab festgelegte Schussbereiche geleitet wird. Dort erfolge ein gezielter Schuss, der auf die Minimierung des Leidens abziele. „Die Zahl von Fehlschüssen ist dank moderner Technik, strenger Ausbildung und gutem Training gering“, sagt Sippl.

Dass Jagd „unnötig, kontraproduktiv und grausam“ sei, wie Peta schreibt, widerlegt der Bayerische Jagdverband. Aus mehreren ökologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Gründen sei die Jagd wichtig, sagt Pollner und listet zentrale Argumente auf.

Bayerischer Jagdverband listet auf: Darum ist Jagd wichtig

Er gliedert sie in sechs Punkte: Regulierung von Wildbeständen, Naturschutz, Wild als Ressource, Tradition, wirtschaftlicher Faktor sowie Verantwortung/Ethik. Jäger seinen gesetzlich verpflichtet, sich um den Schutz und die Pflege von Wildbeständen sowie um deren Lebensräume zu kümmern. Die Jagd trage dazu bei, Wälder nachhaltig zu bewirtschaften, indem sie Wildschäden reduziere. Sie helfe auch, das ökologische Gleichgewicht zu bewahren. Außerdem trage sie dazu bei, dass sich Krankheiten wie die Afrikanische Schweinepest oder Tollwut nicht ausbreiten. Insgesamt ist die Jagd für den Jagdverband ein unverzichtbarer Bestandteil des Naturschutzes, der Kulturlandschaft und der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen.

Jäger werden Drückjagden und Pfarrer Hubertusmessen deshalb sicher nicht einstellen. Im Gegenteil. „Ich lade Mitglieder von Peta herzlich ein, eine Messe bei uns mitzufeiern“, sagt Dekan Wingen.

Jägerund Mesner schmücken zu den Hubertusmessen die Kirchen. So sah die Berchinger Stadtpfarrkirche 2023 aus. Foto: Brom