Löwen und Tiger in der Manege: Tierrechtler und Befürworter streiten sich

Von David Santl · 25. September 2024 um 05:00

Von Donnerstag bis Sonntag gastiert der Circus Krone in Neumarkt. Wie so oft, ist dann Protest von Tierrechtlern nicht weit. Dieses Mal melden sich aber auch ausdrückliche Befürworter von Wildtier-Aufritten in Zirkussen zu Wort. Was sind ihre Argumente – und was sagt der OB dazu?

Mit halb geschlossenen Augen liegen die Löwen und Tiger in ihrem Gehege auf dem Neumarkter Volksfestplatz. Sie beobachten, wie unzählige Arbeiter große Planen am Zirkuszelt anbringen. Wenn von Donnerstag bis Sonntag der Circus Krone zu seinen Vorstellungen in Neumarkt lädt, werden die Raubkatzen eines der Highlights sein. Doch schon vor dem ersten Auftritt sorgen sie für Gesprächsstoff.

Denn wo ein Zirkus mit Wildtieren auftritt, folgt der Protest von Tierrechtlern meist auf dem Fuß. Das ist in Neumarkt nicht anders. Dieses Mal melden sich aber auch klare Befürworter von Wildtier-Auftritten in Zirkussen zu Wort.

Neben einer Pressemitteilung der Tierrechtsorganisation Peta, in der von Tierleid und Misshandlungen beim aktuellen Tour-Programm des Circus Krone die Rede ist, liegt der Redaktion auch ein Offener Brief an den Neumarkter Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn vor. Absender ist ein Aktionsbündnis mit dem Namen „Tiere gehören zum Circus“. Zirkusdirektor Martin Lacey kann von solchen Diskussionen ein Lied singen. „Aber unsere Tiere sind in besten Händen“, macht er im Interview auf dem Neumarkter Volksfestplatz deutlich. Sowohl Amtsärzte als auch Wissenschaftler hätten grünes Licht gegeben, sagt Lacey, der sich selbst als „großer Tierschützer“ beschreibt.

Support für Tierprojekte

Beispielsweise unterstütze der Circus Krone den gemeinnützigen Verein „Go for Rhino“, der sich für den Schutz von Nashörnern einsetzt. Ebenso gründete Martin Lacey den Verein „Lacey Fund“, der sich für die Verbesserung von Haltungsbedingungen für Tiere stark macht und über Tierhaltung in modernen Zirkusbetrieben aufklären will. „Unseren Tieren geht es sehr gut. Dafür haben wir alles gemacht“, so Martin Lacey.

Von der Tierrechtsorganisation Peta kommt energischer Widerspruch. Nach Angaben der Organisation falle der Circus Krone immer wieder durch Gewalt gegenüber Tieren auf. Laut der Pressemitteilung hat Peta Videoaufnahmen der aktuellen Tournee des Zirkusses veröffentlicht.

„Unseren Tieren geht es sehr gut. Dafür haben wir alles gemacht“

Martin Lacey, Zirkusdirektor

Darauf seien unter anderem gestresste Pferde, ein auf Hinterbeinen hüpfender Tiger und der Einsatz einer Peitsche zu sehen. Außerdem weist Peta auf ein fünf Jahre altes Video einer Dressurprobe hin. Laut Peta hat die Staatsanwaltschaft München I festgestellt, dass die Großkatzen „leichtere Schmerzen“ erlitten haben. Weil den Tieren nach Ansicht der Anwälte allerdings keine erheblichen Leiden zugefügt wurden, ist das Verfahren eingestellt worden.

Für Peta ist klar: „Die Gefangenschaft, Misshandlung und Ausbeutung fühlender Lebewesen im Circus Krone muss ein Ende haben. Wir fordern das Direktorenpaar auf, in Zukunft auf moderne, tierfreie Darbietungen zu setzen“, wird Fachreferent Peter Höffken zitiert.

Das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“ aus Rheinland-Pfalz hält dagegen. In einem Offenen Brief bedanken sich die Zirkusliebhaber ausdrücklich bei OB Ochsenkühn, dass er den Auftritt des Circus Krone in Neumarkt ermöglicht.

Ohne Vertrauen kein Auftritt möglich

In jeder Gastspielstadt, so das Bündnis, würden den Krone-Tieren großzügige Außengehege mit vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Ebenso zitiert das Bündnis eine Studie, die belegen soll, dass die Tiere während der Transporte nicht gestresst seien. Zudem würden die Auftritte in der Manege die positiven Aspekte der Wildnis ersetzen. Das erhöhe Fitness und Wohlbefinden.

Das Bündnis verweist auch auf den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages, der keine systemimmanente Tierquälerei in Zirkussen feststellen konnte und führt im Brief stattdessen das wechselseitige Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier an, ohne das ein Auftritt unmöglich wäre.

Das Thema sei komplex und schwierig zu bewerten, erklärt OB Ochsenkühn auf Anfrage. „Einerseits gibt es Bedenken, weil die Bedingungen oft nicht den natürlichen Bedürfnissen der Tiere entsprechen. Andererseits gibt es Zirkusse, die sich bemühen, hohe Standards zu gewährleisten und auf artgerechte Methoden zu setzen“, sagt der OB.

Der Circus Krone sorgte zuletzt auch in Burghausen für Schlagzeilen. Während einer Luftakrobatik-Nummer stürzte dort eine 29-jährige Artistin ab und verletzte sich lebensbedrohlich.

Laut Direktor Martin Lacey sei ihr Zustand stabil. Mehr könne er zu diesem Thema nicht sagen.

Der Circus Krone in Neumarkt:

Auftritte: Vorstellungen am Festplatz finden von Donnerstag bis Samstag je um 15.30 Uhr und 19.30 Uhr statt, am Sonntag um 10.30 Uhr und 14.30 Uhr. Tickets gibt es online oder 90 Minuten vorher vor Ort.

Programm: Der Circus Krone präsentiert das Programm „Mandana – Circuskunst neu geträumt.“ Zahlreiche Artisten, Clowns – und die Tierlehrer mit Pferden, Löwen und Tigern wirken mit.

Kommentar: Wer Kontrollen besteht, verdient Vertrauen

Ob zum eigenen Nutzen oder zur Unterhaltung anderer: Wer Tiere hält, schuldet ihnen Respekt und bestmögliche Lebensstandards. Hält sich jemand nicht daran, muss es Konsequenzen geben. Das gilt auch – und gerade für dressierte Wildtiere in Zirkussen. Darum ist es legitim, wenn Tierrechtler Zirkusse kritisch beobachten, solange sie differenziert bleiben. Dass Behörden umfassend kontrollieren, ist ebenfalls richtig und notwendig.

Kein Landwirt, kein Zirkusdirektor darf in die Versuchung kommen, mangels Kontrolldruck nachlässig in Sachen Tierhaltung zu werden. Wenn aber Behörden nach einer Prüfung zum Ergebnis kommen, dass ein Zirkus den Tieren zuliebe alle Anforderungen der Veterinärämter einhält, ist völliges Misstrauen irgendwann unangebracht. Dann kann man auch davon ausgehen, dass es den Zirkustieren offensichtlich gut geht – womöglich besser als so manchem Haustier.

Als einem der größten und berühmtesten Zirkusse kommt dem Circus Krone eine besondere Verantwortung zu. Doch wenn er diese erfüllt, darf es auch heißen: „Manege frei!“

(David Santl)