Kammerjäger-Duo aus Saal a.d. Donau erzählt von seinen extremsten Einsätzen und gibt Tipps

Von Antonia Zuruev · 22. Dezember 2024 um 11:00

Wer an Weihnachten unter dem Christbaum nicht nur Geschenke entdeckt, sondern auch flink huschende Überraschungen, für den oder die ist die Bescherung schnell vorbei. Doch für solche Fälle gibt es sie: die Kammerjäger wie Mirjam Göttlinger (40) und Tobias Käufl (32) aus Saal a.d. Donau (Landkreis Kelheim).

Im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung gewähren sie Einblicke in die skurrilsten und ekligsten Momente ihres Berufsalltags – und geben praktische Tipps, um Ungeziefer vorzubeugen.

Die Arbeit eines Kammerjägers ist eng mit den Jahreszeiten verknüpft: Während manche Schädlinge das ganze Jahr über aktiv sind, treten andere nur zu bestimmten Zeiten auf – und sie alle erfordern unterschiedliche Herangehensweisen. „Im Winter sind es tatsächlich vor allem Mäuse und Ratten, die oft ein Problem darstellen“, erklärt Tobias. „Wenn es draußen warm ist, sind die Tiere weniger ein Thema. Aber im Winter kommen sie dann wieder rein, vor allem in Scheunen und Gebäude“, fügt er hinzu. Im Sommer hingegen beschäftigen vor allem Wespen die beiden Schädlingsbekämpfer. „Da geht es hauptsächlich ums Nestentfernen“, ergänzt er.

Das Problem mit dem Müll

Die Ausbreitung von Schädlingen ist oft menschengemacht, weiß Mirjam: „Heute gibt es fast überall alle Arten von Schädlingen, und es werden immer mehr.“ Ein Hauptgrund sei der Umgang mit Abfällen. „Wenn Mülltonnen voll sind und Abfall daneben gestellt wird, bietet das Schädlingen perfekte Bedingungen,“ erklärt sie.

Jeder Kammerjäger-Einsatz ist anders. „Man schaut, wo der Befall ist – oft liegen die Ursachen draußen, bei Kompost oder Mülltonnen“, erklärt Tobias. Häufig stoßen die Schädlingsbekämpfer dabei auf bauliche Mängel wie defekte Rolltore, die ungebetenen Gästen Zugang verschaffen.

Bei Gift ist besondere Vorsicht angesagt: „Gerade in Gewerbegebieten arbeiten wir zunächst mit ungiftigen Wachsblöcken und greifen nur bei Befall zu Giftködern“, sagt Mirjam. Umweltfreundliche Methoden wie Schlupfwespen oder Kieselgur, die Insekten austrocknet, gehören ebenfalls zu ihrem Repertoire.

„Die Ratten hatten sogar die Mülltonnen angefressen“

Doch nicht jeder Einsatz verläuft glimpflich. Manchmal stoßen Mirjam und Tobias auf besonders erschreckende und ekelerregende Szenarien, die sie noch lange nicht vergessen werden. „Für mich war es der Hinterhof bei einer Lagerhalle mit den Ratten“, sagt Tobias. „Die haben sogar die Mülltonnen angefressen. Die hatten richtige Löcher drin.“ Er erinnert sich an den Anblick der Lagerhalle, die der Ursprung des Problems war: „In dem leeren Gebäude sind mir die Ratten sogar über die Füße gehuscht. So viele habe ich noch nie gesehen, so ein Ausmaß war wirklich unvorstellbar.“ Im schwindenden Licht war die Szenerie besonders unheimlich: „Wenn man dann in der Dämmerung in diese Lagerhalle ging, haben einen Hunderte von Augen angeschaut.“

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Auch Mirjam hat in ihrer Karriere schon unangenehme Erfahrungen gemacht. Eine der schlimmsten sei ein besonders schwerer Bettwanzenbefall gewesen. „Durch den starken Befall ist sogar die Bettdecke eingegangen“, erzählt sie. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Betroffene seine Bettwäsche mindestens drei Jahre nicht gewechselt hat.“

Die erschreckenden Einsätze führen Mirjam und Tobias jedoch eines klar vor Augen: Prävention ist der Schlüssel, um Schädlingen gar nicht erst die Möglichkeit zu geben, sich auszubreiten. Umso wichtiger ist es, frühzeitig die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, bevor sich ein Problem zu einer unkontrollierbaren Plage entwickelt.

Vorsorge ist die halbe Miete

Das Kammerjäger-Duo hat einfache Tipps auf Lager, um Schädlingen vorzubeugen. Mirjam erklärt: „Ein häufiger Fehler ist, Lebensmittel lose herumliegen zu lassen. Es ist wichtig, alles in luftdichte Behälter zu packen, um Schädlinge fernzuhalten.“ Sie empfiehlt auch, gute Gewohnheiten zu etablieren: „Schädlingsbefälle können jeden treffen, aber man kann viel tun, indem man Lebensmittel sicher aufbewahrt – zum Beispiel in Tupperdosen.“ Tobias ergänzt: „Komposthaufen, in die wahllos alles mögliche reinkommt, sind auch ein Problem. Sie locken Schädlinge an.“ Ein weiterer Tipp: „Kaffeemaschinen regelmäßig reinigen. Ich habe mal einen Fliegenbefall gefunden, weil Kaffeesatzreste Maden anzogen.“

So wird klar: Nicht nur zu Weihnachten kann ein wenig Vorsorge helfen, ungebetene Gäste draußen zu halten – egal, ob raschelnde Mäuse, summende Wespen oder andere Störenfriede.

Tobias Käufl nutzt einen Vernebler gegen Ameisen.
Mirjam Göttlinger stellt eine Mäusebox auf.
Wachsblöcke sind ungiftige Köder für Nagetiere.