Schulhaus-Sanierung in Saal fördert kuriose Mängel zutage

Von Etienne Nückel · 11. Dezember 2024 um 12:00

Das Saaler Schulhaus ist rund 50 Jahre alt und wird dieser Tage saniert. Oft könnte sich der Architekt über die Bausünden der Vergangenheit die Haare raufen: Einbetonierte Lüftungsklappen, Kabelsalat und ein Stahlträger, der in der Luft hängt.

Über die laufende Sanierung des rund 50 Jahre alten Schulhauses informierte Architekt Albert Jellbauer auf der Sitzung des Saaler Schulverbands.

Bisher wurden rund 841 000 Euro ausgegeben, sagte Jellbauer. Damit lägen die Kosten im Soll. Die Gesamtkosten der Sanierung sollen sich auf rund 2,6 Millionen Euro belaufen. Jellbauer schätzt, dass die Sanierung 2026 abgeschlossen werden kann.

Aus Sicht von Rektorin Marion Häusler-Lindl ist die laufende Sanierung mit ständigen Klassenzimmerwechseln verbunden. Für die betroffenen Kollegen bedeute das einen Aufwand, lasse sich aber nicht ändern.

Wesentliche Neuerungen bezüglich der Sanierung hatte Jellbauer nicht zu vermelden. Dafür präsentierte er dem Gremium, welch teils abstruse Funde sein Team im Zuge der Sanierung mache. Im Keller des Schwimmbades etwa habe man einen Stahlträger gefunden, der eine Stützmauer trägt – und „seit 20, 30 Jahren vor sich hinrostet“, erzählte Jellbauer. Offenbar hatte Wasser aus dem undichten Schwimmbecken ihn korrodiert. Um das Problem zu beheben, hatten die Bauarbeiter den Rost entfernt, bis sie wieder auf solides Material trafen. Anschließend wurde unter dem alten ein neuer Stahlträger angebracht. Dabei fanden die Arbeiter eine weitere Kuriosität: der alte Stahlträger endete auf einer Seite einen halben Meter vor der Mauer, auf der er eigentlich aufliegen sollte. Auch den Laien im Gremium war klar: das dürfte es eigentlich nicht geben. Robert Fuchs fragte, ob man denn einen maroden Träger mit einem neuen stützen könne. „Wenn es kraftschlüssig ist“, antwortete Jellbauer.

Das Schwimmbecken wurde ebenfalls abgedichtet, erklärte der Architekt. Beispielsweise hatte sich der Hausmeister beschwert, dass der Keller immer unter Wasser stünde, wenn eine Schulklasse auf einmal ins Becken springe. Wie sich herausstellte, mündeten die Abläufe des Beckens in zu großen Rohren, durch die Lücken schwappte das Wasser hinaus. Diese und weitere undichte Stellen wurden behoben, sagte Jellbauer.

Es gab weitere Stellen an dem rund 50 Jahre alten Schulgebäude, die bei dem Architekten Kopfschütteln auslösten. Hinter einer Bretterverschalung fand man einen Lüftungsschacht, in dem sich eine Klappe im Brandfall schließen sollte. Die war jedoch so einbetoniert worden, dass sie sich nicht bewegen konnte. Regelmäßig gewartet sei sie auch nicht worden, da hinter der Verschalung versteckt. Mit der ursprünglichen Sanierung hatte das übrigens nichts zu tun, so Jellbauer – „das sind Fleißaufgaben“. „Unsere Schule ist ein Schatzkästchen“, merkte der Saaler Bürgermeister Cristian Nerb an.

Unter der Decke der Aula offenbarte sich bei der Sanierung „ein Wahnsinns-Gewirr an Leitungen“, die kreuz und quer verliefen. „Brandschutztechnisch ist das der Hyper-GAU“, sagte Jellbauer. Zunächst habe er befürchtet, dass man in der Aula eine Brandschutzdecke einziehen müsse, was teuer und aufwendig geworden wäre. Zum Glück habe sich eine einfachere Lösung gefunden, eine Kombination einer normalen Decke mit einer Brandmeldeanlage. Beim Thema Brandschutz wurde ein weiterer Fehler gefunden: zwar gibt es im Gebäude Brandschutztüren, die die Gänge aber nicht bis zur Decke absperren. Darüber befinde sich ein Bereich, durch den ein Feuer sich weiterfressen könne.

Weitere Mängel wurden an den Regenfallrohren aus Metall gefunden. Viele wiesen Brüche an den Muffen auf, sagte Jellbauer. Dabei war es offenbar zu Rost-Sprengungen gekommen, wohl weil die Rohre nicht sauber zusammengesteckt worden waren. Die Arbeiter hatten die Rohre ausgetauscht und hatten dafür sogar die Bodenplatte der Schule aufgebohrt. Man müsse die Spur der kaputten Rohre bis zu dem Ton-Rohr verfolgen, das das Wasser unter der Schule durchführe. Aus dem Gremium kam die Frage, ob diese Leitung in Ordnung sei. „Das kann man nicht richten, ohne die Schule in der Mitte auseinanderzuschneiden“, sagte Jellbauer. Aber Tonrohre gingen in der Regel nicht kaputt und der Boden mit Donauschwemmkies lasse Wasser ohnehin versickern. Jellbauer sah keine Gefahr, dass das Fundament wegsacken könne – „da sollte nichts fehlen“.