Neues Leben unter dem Alten Rathaus: Indische Familie übernimmt Ratskeller

Von Christian Eckl · 21. Dezember 2024 um 09:00

Offiziell steht der Regensburger Ratskeller seit zwei Jahren leer: 2022 schloss Gastronom Alexander Deutsch die historische Pforte mit den barocken Schlüsseln der Stadt Regensburg und dem monumentalen Portikus. Jetzt zieht in den Kreuzgewölben mit der Familie Dhoat eine echte Gastronomie-Tradition ein.

Schon während der Pandemie ab 2020, verbunden mit einer langen Durststrecke für die Gastronomie, kränkelte der Ratskeller. Ausgerechnet: Unter dem Herzen des historischen Welterbes darbte eine Gastronomie, die in der an Wirtshäusern und Restaurants reichen Stadt eigentlich ein Aushängeschild sein könnte.

„Das soll der Ratskeller wieder werden“, sagt Till Hedrich. Der Brauereichef von Bischofshof setzte diese Woche seine Unterschrift unter einen Vertrag, der neues Leben in die alte Stube bringen soll. In den Kreuzgewölben zieht mit der Familie Dhoat eine echte Gastronomie-Tradition ein. Bayerisch-Indisch soll es zugehen im „Swagat im Ratskeller“, wenn ab Januar die Pforten geöffnet sind.

Drei indische Restaurants betreibt Sukhwinder Singh Dhoat zusammen mit seiner Familie in Regensburg und Umgebung. Das bekannteste dürfte das Namaste im Posthof sein. Auch in Burgweinting und in Lappersdorf hat die Familie ein Restaurant. Dhoat trägt den traditionellen gelben Turban, sein Sohn Stephan arbeitet als Angestellter in der Ausländerbehörde der Stadt. Er freut sich sehr darüber, dass er bald auch Kollegen bewirten darf.

Konzept bayerisch-indisch

Doch wie kommt es eigentlich, dass unter dem Alten Rathaus ausgerechnet eine katholische Brauerei die Oberhoheit hat? Schließlich war die Freie Reichsstadt Regensburg bis zur Übernahme durch die Bayern evangelisch. Gerade in der Zeit des Immerwährenden Reichstages (1663 bis 1806) waren die Grenzen zwischen dem katholischen Teil der Stadt rund um den Dom und den Bischofshof einerseits und dem Alten Rathaus und der Reichsstadt andererseits ein Politikum. Des Rätsels Lösung: Ein Deal zwischen zwei alten Schlachtrössern. Der frühere Brauereichef Herrmann Goß und der frühere Oberbürgermeister Hans Schaidinger handelten aus, dass die Brauerei die Sanierung des Ratskellers übernimmt, dafür das Wirtshaus verpachten darf. „Die Brauerei hat hier über eine Million Euro reingesteckt“, sagt Martin Sperger, Verkaufsleiter Gastronomie bei Bischofshof. Auch heute blitzt der Ratskeller wieder. Eine Grundreinigung und ein grundlegender Check aller Anlagen ist erfolgt oder erfolgt noch die kommenden Tage.

„Die Gastronomie ist das Schaufenster für Bischofshof“, sagt Hedrich. „Da können wir unsere Marken in einem sehr emotionalen Umfeld präsentieren.“ Unterschiedliche Konzepte sind es, die laut Hedrich die Marken Bischofshof und Weltenburger präsentieren sollen. Und genau da springt auch Sukhwinder Dhoat in die Bütt: „Wir wollen auch einen Bereich schaffen, in dem man nicht essen muss, sondern auch Bier trinken kann.“ Denn natürlich sei das indische Restaurant auf den ersten Blick nicht der Ort, um bayerisches Bier zu konsumieren – doch das Ambiente des Ratskellers soll genau diese Lust auf Bier dennoch wecken.

Einmal im Monat Party

Und auch über die Generationen hinweg möchte man die Gaststätte öffnen. „Es werden hier einmal im Monat auch Partys stattfinden“, sagt Sperger. Damit soll ein jüngeres Publikum in den Keller unter das Alte Rathaus gelockt werden. Zudem gibt es die Möglichkeit, die Dollinger-Säle im Rathaus anzumieten. Gerade für Hochzeiten und größere Feierlichkeiten sei das „geradezu optimal“, sagt Sperger.

Hedrich sagt auch, dass ein Ratskeller in einer historischen Stadt auch „das Aushängeschild für die Gastronomie vor Ort ist“. Bischofshof identifiziere sich mit Regensburg.

Gastronomie in Regensburg braucht auch Freisitze. Im Innenhof des historischen Rathauses wird es etwa 30 Plätze geben, diese eher im schattigen Kühl der barocken Mauern. Doch auch vor dem Ratskeller werden Freisitze ermöglicht, im Detail wird das nochmals mit der Stadt geklärt werden.

Sperger sagt, dass man sich auch damit befasst hat bei der Auswahl der neuen Wirte, welche gastronomischen Angebote es in der Umgebung gebe. Das rein bayerische Feld sei einfach schon besetzt, durch den Gravenreuther und das Hofbräuhaus. „Indisch gibt es in der näheren Umgebung in dieser Form nicht.“

In früheren Zeiten war es übrigens Tradition, dass bei Ehrungen und Dienstjubiläen, aber auch traditionell nach der Haushaltssitzung des Stadtrates in den letzten Dezemberwochen in den Ratskeller eingeladen wurde.

Schweinelendchen-Legende

Legendär ist dabei, dass ein Gericht besonders häufig bestellt wurde: Die Schweinemedaillons. Auch Alt-Oberbürgermeister Schaidinger verriet so manche Interna schon mal nach einem kühlen Bischofshofbier und nach dem Genuss der Lendchen bei diesem Festmahl nach getaner politischer Arbeit. Als die amtierende Oberbürgermeisterin von den Plänen der Brauerei erfuhr, soll sie auch gefragt haben, ob es denn Schweinelendchen geben wird. Offenbar schon.

Die Wände zieren Wappen und Ritterhelme
Das Gewölbe ist historisch
Noch sind die Stühle oben