Die Kapelle Josef Menzl zünd’t auf: Zum 30. gibt es eine XXL-Benefizgala in Regensburg

Von Marianne Sperb · 20. Dezember 2024 um 13:55

Blasmusik ist heute cool und Tracht ist Kult. Pionier war die Kapelle Josef Menzl. Zum 30. Jubiläum werden an der Universität Regensburg im Audimax die Betonwände zum Beben gebracht.

30 Jahre, kann das wahr sein? Die Fans schauen zweifelnd und die Jubilare können’s selbst gar nicht glauben. Die Kapelle Josef Menzl ist jetzt also im gstandnen Alter. „Wo ist die Zeit nur hin?“, sinniert Josef Menzl und wird beinahe ein bissl melancholisch – aber nur kurz, dann ist er schon mittendrin in der Jubiläumsgala. Der XXL-Abend steigt Ende März im Audimax, mit dem „Maximalsten aus 30 Jahren“ – drunter geht’s nicht – und als Benefizabend mit dem Lions Club Regensburg Land.

Josef Menzl hatte sein Erweckungserlebnis, da ging er noch in die Grundschule. „Ich hörte Blockflöte im Radio.“ Ein Nonkonformist war er schon damals, sauste in der Lederhosn rum, obwohl in der Schule keiner so was trug. Der junge Menzl spielte in der Islinger Dorfmusik und tauschte später Lederhose gegen Lederjacke. Mit den Slick 50 und einem Mix aus Rock’n’Roll und Rockabilly mischte er Kneipen wie das „Wirtschaftswunder“ in der Altstadt Regensburg auf.

Menzl ist nicht nur ein Multiinstrumentalist

Klarinette, Tuba, Saxophon, Flöte, gern auch Gitarre: Josef Menzl wurde ein Multiinstrumentalist und mehr – Kapellen-Gründer, Erneuerer der Heimatmusik, detailversessener Arrangeur, feinsinniger Komponist, zuletzt gar Talkmaster der Volksmusik. Die 1. Bayerische Late-Night-Show im Januar 2024 war ruckzuck ausverkauft, das Theater Regensburg erlebte eine Dirndl-Dichte wie nie und ein Publikum so jung wie selten. Der Saal jodelte und brodelte, bis am Ende der letzte Gast in einen Zustand willenloser Begeisterung gefallen war. Im Januar 2025 gibt’s Nachschlag, allerdings: Mehr als ein paar versprengte Restplätze sind nicht mehr zu haben.

Was die Kapelle Josef Menzl ausmacht, lässt sich schwer fassen. Klar, die Musiker sind – und zwar durch die Bank – exzellente Instrumentalisten, die das Kernige so präzise drauf haben wie das Zarte, die aufdrehen können bis zum Anschlag, aber auch innig und perlend spielen – auswendig, ohne Noten. Die Mitglieder sind außerdem Gaudiburschen mit Stern, schlitzohrig, schlagfertig und sattelfest auf allen Bühnen, im Besonderen der Kapellen-Chef. Josef Menzl steht immer vorn an der Rampe, manchmal tragen ihn die Fans auf Händen. Wer in dem Clip auf der Homepage sieht, wie das Publikum das Trumm Mannsbild wie einen Popstar, wie den Campino der Blasmusik, durch den Saal schiebt, wird das lang nicht vergessen.

Imagepflege auf allen Kanälen

Der breite Erfolg verdankt sich auch der pointierten Imagepflege auf allen Kanälen. Die Slogans sind selbstironisch – „Letzter Auftritt in Europa“ oder „Bekannt trotz Funk und Fernsehen“ – und die Fotos eine Schau. Für die Late-Night-Show etwa wirbt ein Bild, das Josef Menzl von hinten zeigt, den Maßkrug in den rot-goldenen Theatersaal gereckt. Popularität ist, wenn du nur Rücken und Hinterkopf zeigen musst und jeder erkennt dich auf einen Blick.

Der Kern des Phänomens Menzl-Kapelle ist wohl der Mix an Musik, der vor nichts zurückschreckt, der Altbairisch paart mit Mexikanisch, Klezmer, Klassik, Blues und allem anderen dazwischen. Die Kapelle, die es heute in diversen Größen von vier Mann bis zur 17-köpfigen XXL-Formation gibt, tut sich mit den Domspatzen zusammen, mit der AC/DC Revival Band oder Kbetch aus Tel Aviv. Sie spielt von der Wiege bis zu Bahre, heizt ein beim Gäubodenfest, auf der Oidn Wiesn, vor 100 000 Menschen beim Woodstock der Blasmusik in Österreich oder beim Kathreintanz in München. Einzige Maßgabe in einem maßlosen Repertoire: „Hauptsach’ handgemacht und ohne Strom“, sagt Josef Menzl, von dem so gut wie alle Arrangements stammen. „Und: Wir wollten immer überraschen, das treibt uns an.“

Auf einen Schlag wurde die Kapelle bekannt

Es ging bescheiden los. „Wir spielten halt beim Erdbeerfest in Keilberg oder beim Pfarrfest Oberisling“, erinnert sich der Gründer. Auf einen Schlag bekannt wurde die Kapelle, als Heinz Mierswa und Hubert Lankes, die mit ihrer Satirepartei Liste Alz für den Stadtrat Regensburg kandidierten, zur Kundgebung auf dem Haidplatz riefen. Eine absurde Szene: Mierswa fuhr in der schwarzen Limousine vor, umringt von Bodyguards, forderte „freien Schweinsbraten für freie Bürger“ und die Kapelle spielte mindestens zehn Mal in Folge den Bayerischen Defiliermarsch. Die daraus resultierenden Auftritte im Auer-Bräu waren legendär, Menzl: „Das war der Urknall.“

Erlös geht an Sternstunden

Blasmusik ist heute cool und Tracht ist Kult. Die quirlige bayerische Barfüßler-Band La BrassBanda befeuert den Trend – aber der Pionier war die Kapelle Josef Menzl. Allerhand Anlass also, bei der Jubiläumsgala im Audimax die Betonwände beben zu lassen, mit vielen Weggefährten als Gästen, mit dem Besten aus 30 Jahren – und für einen guten Zweck: Der Erlös des Benefizkonzerts vom Lions Club Regensburg Land geht an Sternstunden Bayern und an Zweites Leben Regensburg.

Menzl erleben

Showtime: Für „Menzls Bayerische Late-Night-Show“ am 6. und 16. Januar (je 19.30 Uhr) im Theater Regensburg gibt es nur noch Restkarten.

Benefizkonzert: Im Audimax Regensburg steigt am 26. März (19.30 Uhr) die große Gala „30 Jahre Kapelle Josef Menzl“, zusammen mit dem Lions Club Regensburg Land. Die Kapelle tritt in allen Formationen auf und zündet ein musikalisches Feuerwerk der Extraklasse. Alle Details: kapelle-josefmenzl.de