Oktoberfest: Josef Menzl spielt mit seiner Kapelle nur noch auf der Oidn Wiesn

Von Jürgen Scharf · 28. September 2024 um 10:00

Um die Auftritte von Josef Menzl mit seiner Kapelle auf dem Münchner Oktoberfest gab es vor zwei Jahren eine Riesen-Debatte. Vom Blasmusik-Krieg war sogar die Rede. Bundesweit wurde darüber berichtet. Heuer tritt Menzl aber nicht in einem der großen Wiesen-Zelte auf – und scheint dies auch in Zukunft nicht mehr machen zu wollen.

Vor zwei Jahren nahm das Oktoberfest noch viel Raum in Menzls Leben ein. Monatelange hatte er die Auftritte mit seiner Kapelle im Bräuroslzelt vorbereitet. Dort sollte die Blasmusik-Tradition der Wiesn wieder aufleben. 17 Tage, von morgens bis abends. Eingeprobt wurde ein Blasmusik-Programm, das mit ein paar Party-Runden aufgepeppt war.

Teils gehässige Kommentare

Festwirt und Brauerei waren überzeugt, dass das gut ankommt. Tat es dann aber doch nicht. Die Besucher im Bräurosl-Zelt wollten abends ausschließlich Party-Klassiker. Menzls Kapelle wurde teils ausgebuht und ausgepfiffen. Im Netz gab es schlechte Bewertungen und gehässige Kommentare. „Und es flog auch mal ein Zettel auf die Bühne, auf dem stand, was wir hier eigentlich wollen. Es war ein Wahnsinn“, erzählte Menzl.

Der Musiker, der in Pentling im Landkreis Regensburg lebt, hat in seiner Karriere schon viel erlebt. 1995 gründete er die Kapelle. Es ging kontinuierlich bergauf, es gab Auftritte in Funk und Fernsehen und auf Festivals. Auch auf Volksfesten hatte Menzl schon oft gespielt. Er ist es auch gewohnt, dass es da mal Kritik gibt. „Das musst du aushalten können, sonst brauchst du da nicht hinfahren“, sagt er.

Gegenwind nahm gewaltige Dimension an

Der Gegenwind in München habe aber eine gewaltige Dimension gehabt. „Mir hat es vor allem für meine Musiker leid getan“, schilderte er damals die Situation. Die hätten alles gegeben, die hätten gespielt, bis im wahrsten Sinne des Wortes die Lippen bluteten. Doch gegen den Shitstorm schien zunächst nichts zu helfen – bis sich urplötzlich das Blatt wendete. Zum Abend übernahm mit den Kumpels von „Erwin und die Heckflossen“ eine klassische Party-Band, das nahm Druck von der Kapelle Menzl. Zugleich wurde diese bundesweit als Beschützer der Blasmusik gefeiert.

„Wenn wir gute Geschäftsleute wären, hätten wir gleich im Anschluss eine Platte aufgenommen“, sagte Menzl einst. Haben sie aber nicht getan. Und er sieht sich auch nicht als Kreuzritter der Blasmusik. Man dürfe dem Publikum nichts aufzwingen, findet Menzl, das entscheide selbst. Er selbst hat dann auch entschieden, sagt er, dass im Bräuroslzelt für seine Kapelle bald Schluss ist. „Das stand schon im Frühjahr 2023 fest“, erzählt er.

Damals sei beschlossen worden, dass die Kapelle im Herbst noch eine zweite Saison im Bräuroslzelt spielen wird – und dann nicht mehr. „Ich hab da keine Zeit mehr, das ist ein Riesenaufwand. Und mehr will ich dazu öffentlich aber auch nicht sagen“, sagt Menzl. Die zwei Jahre in dem Zelt seien „eine sehr turbulente Zeit“ gewesen: „Wir haben dabei aber musikalische Freundschaften geknüpft, die noch andauern und so wie es aussieht auch ewig halten werden.“

Wieder in „normaler“ Größe

Für ihn und seine Musiker geht es nun quasi zurück zu den Wurzeln. Dieses Jahr spielt Menzl nämlich wie früher wieder im historischen Bereich des Oktoberfestes, der Oidn Wiesn. Drei Auftritte sind im Schützenliesl-Zelt geplant. Hier tritt Menzls Kapelle in ihrer ursprünglichen Größe von zehn Musikern auf.

Für die Auftritte im Bräuroslzelt war die Formation um etliche Instrumente erweitert worden. Den für die nähere Zukunft wohl letzten Auftritt dieser XXL-Formation gab es vor wenigen Wochen bei der Regensburger Herbstdult.

Josef Menzl gilt als Vollblutmusiker