Totes Geflügel baumelt von Straßenschild: Gutachten erhellt die Todesursache

Es waren makabere Funde in Sittling, einem Ortsteil von Neustadt a. d. Donau: Zunächst baumelte ein toter Hahn von einem Straßenschild, nur Tage später ein totes Huhn. Nun liegt ein Gutachten zur Todesursache der Tiere vor.
Die Vorfälle in Sittling, einem Dorf mit 200 Einwohnern, machten Schlagzeilen über Bayern hinaus. Am Samstag, 5. Oktober 2024, hing ein toter Hahn mit weißem Gefieder von einem blauen Straßenschild mit dem Aufdruck „Sittling 300“. Wenige Tage später, am 10. Oktober, baumelte ein totes Huhn vom selben Schild. Die Polizeiinspektion Kelheim stellte beide Kadaver sicher. Ermittlungen wegen Sachbeschädigung und Vergehen nach dem Tierschutzgesetz wurden eingeleitet.
Beide Tiere waren äußerlich unverletzt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde durch die Polizei eine Untersuchung der toten Tiere angeordnet. Das Veterinäramt Kelheim veranlasste den Probentransport zum Untersuchungsinstitut, dem LGL (Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit) in Oberschleißheim. Das Ergebnis ging zurück an den Antragsteller, die Polizei Kelheim.
Tiere erlagen einer bakteriellen Infektion
Dort gibt man nun die Todesursache preis. „Dem Gutachten zu Folge erlag das Geflügel einer nicht selten auftretenden bakteriellen Infektion“, erklärt PI-Sprecherin Kira Krause. Es gebe „keine Hinweise auf eine Gewalteinwirkung oder gezielte Zufuhr giftiger Stoffe“. Die Tiere starben also eines natürlichen Todes.
Die polizeilichen Ermittlungen sind damit vorerst abgeschlossen. „Der Vorgang wurde der Staatsanwaltschaft zur weiteren Bearbeitung vorgelegt“, so die Polizeisprecherin. Hinweise auf den oder die Täter gab es ihr zufolge bislang nicht. Auch Motiv und Hintergrund liegen im Dunkeln. Ortsbewohner berichteten, dass im Weiler freilaufende Hühner sogar über die stark befahrene Staatsstraße spazieren und Verkehrsteilnehmer zum Bremsen oder Ausweichen zwingen. Möglicherweise wollte der Täter darauf anspielen.
1000 Euro Belohnung für Hinweise half nichts
Die deutsche Tierrechtsorganisation Peta hatte nach den Vorfällen eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise ausgelobt. „Wir möchten helfen, diese schrecklichen Taten aufzuklären“, sagte Lisa Bechtloff, Fachreferentin für Whistleblower-Fälle bei Peta. „Der oder die Täter müssen schnellstmöglich gefunden werden, bevor noch weitere Lebewesen verletzt werden. Wer wehrlose Tiere quält, schreckt möglicherweise auch nicht vor Gewalttaten gegenüber Menschen zurück“, hieß es in einer Mitteilung von Peta.
Ortsfremde kamen auch beim Schildaufdruck „Sittling 300“ ins Rätseln. Die Bewandtnis: Im Dorf gibt es keine Straßennamen, zur Orientierung dienen Schilder wie „Sittling 100“, „Sittling 200“. Sie verweisen auf die jeweiligen Adressen in den Straßen. „Sittling 300“ gibt also den Weg zu allen 300er-Hausnummern an.
Seltsame Geschichte endet mit Luftballons
Und eben dort erfuhr die seltsame Geschichte am Samstag, 12. Oktober 2024, noch eine Fortsetzung. Wieder baumelte etwas am Schild. Diesmal waren es keine gefiederten Tiere, sondern drei farbige Luftballons mit dem „Happy Meal“-Aufdruck einer Fastfoodkette. Eine Anspielung auf das entsprechende Menü mit paniertem Hähnchenfleisch liegt nahe. Die Polizei war erneut vor Ort, die Luftballons wurden sicher gestellt. Das Anbringen stellt aber keine Straftat dar. Im Dorf ging man von launigen Trittbrettfahrern aus – die aber die Örtlichkeit genau kennen müssen.
