Elf-Millionen-Euro-Frage: Wie teuer darf der „neue“ Waldfriedhof in Kelheim werden?

Von Beate Weigert · 18. Dezember 2024 um 05:00

Barrierefreiheit, zeitgemäße Arbeitsstätten, Orte der Stille, ein Friedhofscafé: Kelheims städtischer Friedhof müsste umfassend modernisiert werden. Doch was kann sich die Stadt leisten, was ist realistisch – und vor allem wann?

Neue, auf heutige Bedürfnisse beim Bestatten und Trauern zugeschnittene Gebäude am Kelheimer Waldfriedhof. Arbeitsbereiche und Orte der Stille. Endlich ein Aufzug und einbarrierefreier Zugang zum weitläufigen Gräberareal. Gebäude, die energetisch auf der Höhe der Zeit sind. All das könnte realisiert werden. Allerdings drängte sich nach der Präsentation zur Modernisierung des städtischen Friedhofs manchem Stadtrat die Frage auf: „Geht das auch günstiger?“ Und: „Haben wir Zeitdruck?“

Vertreter der KFB Baumanagement GmbH aus Reuth bei Erbendorf waren mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Sie hatten zuvor erklärt, welche maroden Gebäudeteile sie abreißen würden und was wo neu entstehen könnte. Nach heutigem Stand würden Rück- und Neubauten bei einer Realisierung durch die Stadt mehr als elf Millionen Euro kosten, hörten die Stadträte am Montagabend.

Schon lange wünschen sich insbesondere Menschen mit Handicap und auch viele Ältere, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, eine barrierefreie Erschließung. Aber auch von Menschen, die am Friedhof arbeiten – vom Pfarrer bis zum Bestatter kommen immer wieder Einwände, Wünsche und Hinweise, so Bürgermeister Christian Schweiger. All das floss in die Studie ein.

In 60 Jahren wurde nichts saniert

An die 60 Jahre ist der Kelheimer Waldfriedhof alt. Saniert wurde all der Zeit nie. Das mache sich bemerkbar. Zudem seien viele Einrichtungen aus heutiger Sicht viel zu groß angelegt, hieß es. Auch die einst als sinnvoll erachteten zwei Wohnungen, etwa für einen Friedhofswärter vor Ort, brauche es nicht mehr. Ebenso wenig einen Blumenladen.

Abgesehen von der „architektonisch wertvollen Aussegnungshalle“ sei die restliche Bausubstanz nicht erhaltungswürdig, sagte Robert Rüger von der KFB. Sprich alle funktionellen Gebäude könnten abgerissen und in kleinerem Stil neu gebaut werden. Teils an neuer Stelle. Anderes könnte neu angeordnet werden.

Insbesondere das Betriebsgebäude sei so veraltet, dass Gewerbevorschriften nicht einzuhalten seien. Laut den Studienmachern könnte der Bau „ausgelagert“ vom Friedhof am südlichen Ende des Parkplatzes neu entstehen. So dass im Norden ein stiller und pietätvoller (Eingangs-)Bereich entstehen könnte. Nahe der Aussegnungshalle könnten zudem öffentliche Toiletten und ein Begegnungsbereich eventuell mit einem Friedhofscafé entstehen sowie ein (eingehaustes) Foyer, das bei größeren Beerdigungen den Menschen Platz böte. Eine Brücke mit Aufzug sowie ein Fußweg angelegt als breite Rampe könnten einen barrierefreien Zugang sicherstellen. Allerdings wäre Letzteres nur mittels großer Erdbewegungen zu haben.

Angedacht wären laut KFB vier Bauabschnitte, so dass während des laufenden Betriebs Neues entstehen und Altes nach den Neubauten abgebrochen werden könnte.

Meinung vieler Stadträte: „Das ist viel zu teuer“

Elf Millionen können wir uns derzeit sicher nicht leisten, darauf verwies etwa Ludwig Birkl (FW). Bekanntlich hat die Kreisstadt viele teurer Pflichtaufgaben vor der Brust – von Ganztagsbetreuung über neue Feuerwehrhäuser in einigen Ortsteilen, von einem neuen Kindergarten bis hin zur Sanierung vieler maroder Straßen.

Viele Optionen zum „Abspecken“ sahen die Experten nicht. Die Gebäude seien ohnehin deutlich kleiner konzipiert. Die hohen Kosten generierten sich auch durch die Abbruchkosten der großen bestehenden Bausubstanz.

Generell seien Friedhöfe defizitär. Ohne Belastung des Haushalts bzw. ohne Kreditaufnahme werde sich das Vorhaben nicht stemmen lassen. Möglicherweise komme auch die Realisierung mittels einer sogenannten Öffentlich-Privaten Partnerschaft (ÖPP) infrage, wo die Kommune Verträge auf 20 bis 30 Jahre schließe und in der Zeit dem privaten Partner die Investitionen erstatte oder die Abwicklung über ein kommunales Tochterunternehmen. Letzteres biete den Vorteil, dass sich die Maßnahmen „autark vom städtischen Haushalt“ abwickeln ließen, so Rüger. Bevor die Stadträte weitere Pläne schmiedeten, solle man ein Rechts- und Steuergutachten erstellen lassen, so sein Rat.

„Machbarkeitsstudie bedeutet: Wir stehen ganz am Anfang“, betonte der Architekt. Einstimmig quittierten die Stadträte die Präsentation. Mit einer Gegenstimme beschloss das Gremium, dass die Verwaltung die Bauabschnitte 1 und 2 priorisieren solle, zudem sollen Finanzierungsmöglichkeiten ausfindig gemacht werden.

Zahlen aus der Machbarkeittsudie

Kosten: Das beauftragte Büro beziffert die Kosten für Rück- und Neubau eines Großteils der Gebäude – mit Ausnahme der Aussegnungshalle – auf mehr als 11 Millionen Euro. Wenn die Stadt selbst als Bauherrin aufträte.

Bauabschnitte: Für die Macher der Studie wären vier Bauabschnitte realistisch: Abriss Teil 1 (leerstehende Wohnungen, Verwaltung und früherer Blumenladen) + Rückbau der zugehörigen Freiflächen; Kosten: 665.000 Euro; Abschnitt 2: Neubau Betriebsgebäude inklusive Technikzentrale südlich des heutigen Parkplatzes, Neubau Aufbahrung, Neubau Aufzug mit Brücke: Kosten: 5,53 Mio. Euro; Abschnitt 3: Abbruch bestehendes Betriebs- und Aufbahrungsgebäude, Rückbau der dazugehörigen Freiflächen; Kosten: 874.000 Euro; Abschnitt 4: Neubau Verbindungsgang zur Aussegungshalle inklusive öffentliche Toiletten, Neubau Begegnungsstätte/Café, Umbau/ Sanierung Foyer Aussegnung, Sanierung Aussegnungshalle; Kosten: 3,97 Mio. Euro