Deshalb setzt Burglengenfelds CSU-Chef auf die grüne Wärmepumpe

Selten hat eine neue Verordnung solche Turbulenzen ausgelöst wie das Gebäudeenergiegesetz. Als 2023 Details aus dem Entwurf publik werden, löst dies panikähnliche Zustände aus. Doch es gibt auch Bürger, die in dem Tohuwabohu einen kühlen Kopf bewahren. Zum Beispiel Peter Singerer, Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf).
Der 52-jährige Familienvater besitzt in der Friedrich-Ebert-Straße ein schmuckes Eigenheim. 1998 hat er es auf dem Grundstück seiner Großeltern nach den damaligen Standards errichtet. Bei der Heizung setzte Singerer seinerzeit, wie so viele, auf Gas. Über zwanzig Jahre lieferte die Anlage zuverlässig Wärme. Doch dann deutete der Kundendienst an, das Gerät könnte störanfällig werden, und Ersatzteile würden nicht mehr so leicht zu beschaffen oder auf jeden Fall teuer sein.
Mithin stellte sich auch für Singerer die Frage, wie er in Zukunft heizen sollte. 2022, so berichtet der CSU-Stadtrat, wurde das Thema für ihn langsam akut. Gas als Energieträger sah der Zerspanungsmechaniker und Betriebswirt schon immer kritisch. Nicht nur, weil es sich dabei um einen fossilen, klimaschädlichen Brennstoff handelt. Singerer missfällt, dass mit dem Kauf von Gas wie Öl nicht selten Regime unterstützt werden, die es mit den Menschenrechten nicht so genau nehmen.
Sanierungspläne wieder verworfen
Auch eine Pelletheizung schied für den Burglengenfelder schnell aus – aus Kostengründen. Und so interessierte sich der „schwarze Peter“ mehr und mehr für die grüne Wärmepumpe. Doch würde eine solche für sein Haus überhaupt geeignet sein? Oder müsste auch er erst aufwendig sanieren und umbauen? Neue Fenster, Vollwärmeschutz, Fußbodenheizung.
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Nach seriösen Berechnungen summierten sich die Kosten dafür auf weit über 100 000 Euro. Viel Geld, auch für einen Mann wie Singerer, der bei der Maschinenfabrik Reinhausen sein Brot verdient. Außerdem verspürte er überhaupt keine Lust, seine völlig intakten Fenster auf den Müll zu werfen.
Der Faktencheck hat sich gelohnt
Der 52-Jährige versuchte, die Informationen, die verbreitet wurden, zu überprüfen. Nach und nach gewann er den Eindruck, dass viele schlicht nicht stimmten. Zum Beispiel die These, dass eine Wärmepumpe nur in Neubauten Sinn machte.
Nach intensiver Recherche kam Singerer zu dem Ergebnis, dass pauschale Bewertungen kaum möglich sind. Daher sollte jeder für sich analysieren, ob und falls ja, welche Sanierungsmaßnahmen infrage kämen – und wie sich diese konkret auf den Energieverbrauch respektive die Energiekosten auswirkten. Dabei könnten Fachleute eben so helfen wie Berechnungsprogramme im Internet. Und am Ende sollte dann jeder für sich beurteilen, ob der Aufwand in einem gesunden Verhältnis zum Nutzen steht.
Singerer selbst beantworte die Frage für sich mit „Nein“. Zwar ließen sich die Energiekosten durch bauliche Investitionen monatlich um 75 Euro senken, doch Singerer hält das für zu wenig. Denn in 25 Jahren (er wäre dann 77) hätte er seine Ausgaben voraussichtlich um lediglich 22 500 Euro gesenkt, was nur einem Bruchteil der geschätzten Sanierungskosten entsprechen würde.
Heizungsbauer verscheuchte die letzten Zweifel
Anfang 2023, also genau zu der Zeit, als die Debatte um das Heizungsgesetz Fahrt auf nahm, holte sich Singerer den Heizungsbauer seines Vertrauens mit ins Boot. Und siehe da: Der Experte entpuppte sich als Fan der Wärmepumpe und hatte damit schon reichlich Erfahrung gesammelt. So viel jedenfalls, dass er sich zutraute, auch für die Immobilie Singerers eine Lösung zu finden, die nicht mit einem bösen Erwachen enden würde.
Berechnungen ergaben: Auch Singerers Haus sollte grundsätzlich für eine Wärmepumpe taugen, obwohl eine Fußbodenheizung fehlt. Es war auch nicht nötig, die Heizkörper auszuwechseln, weil sie von vornherein, wie seinerzeit üblich, großzügig bemessen worden waren.
Der Fachbetrieb unterbreitete schließlich zwei Angebote. Eines für eine neue Gastherme und eines für eine Wärmepumpe. Mit einer Förderung von 40 Prozent sollte sich der Preisunterschied auf 6500 Euro reduzieren. Damit waren die Würfel zugunsten der Pumpe gefallen. Denn aufgrund der hohen Effizienz der grünen Technik sollten sich die Mehrausgaben binnen weniger Jahre amortisiert haben, hofft Singerer.
Mehrkosten sollen sich schon bald amortisiert haben
Auch hier machte der 52-Jährige eine einfache Rechnung auf: Seine letzte Gasrechnung belief sich auf rund 2800 Euro im Jahr. Unterstellt, dass sich seine Wärmepumpe mit 4500 Kilowattstunden Strom begnügt, sollten künftig aber nur Stromkosten in Höhe von rund 1350 Euro anfallen. Ein Unterschied also von 1450 Euro. Die bisher erfassten Verbrauchsdaten scheinen zu bestätigen, dass sich der Hausherr nicht verzockt hat. Im August 2023 Jahres bekam Singerer die Bestätigung, dass sein Projekt wie erhofft bezuschusst würde, und zwar mit 35 Prozent für die Anlage und weiteren fünf Prozent, weil Singerers Gerät mit einem natürlichen Kältemittel arbeitet.
Um kein unnötiges Risiko einzugehen, schloss Singerer beim Heizungshersteller eine Versicherung ab, die einen Fördermittelausfall kompensiert hätte. Außerdem nahm er bei seiner Hausbank einen Klimakredit auf, der sofort getilgt werden konnte, als der Zuschuss eintraf.
Anschluss an die PV-Anschluss kommt noch
Ganz glatt lief das Vorhaben dann freilich doch nicht: Wegen der damals hohen Nachfrage nach Wärmepumpen konnte der Einbau nicht wie beabsichtigt im Herbst 2023, sondern erst im Frühjahr 2024 stattfinden. In knapp einer Woche war dann aber alles erledigt.
Übrigens wird Singerers Pumpe ausschließlich durch Öko-Strom seines Energielieferanten gespeist. Zwar ist das Hausdach längst mit einer stattlichen PV-Anlage bestückt, doch fehlen ein Stromspeicher und ein Wechselrichter, der mit der Pumpe kommunizieren könnte. Auch das soll sich in absehbarer Zeit ändern, und dann wird die Bilanz noch positiver ausfallen.
