Jagd nach dem Todesfahrer von Riekofen: Polizei überprüft erneut Autos

Von Philip Hell · 19. Dezember 2024 um 17:29

Ein 24-Jähriger wird mitten in der Nacht auf dem Weg von Sünching nach Riekofen (Landkreis Regensburg) von einem Fahrzeug überrollt. Er bleibt auf dem Teer liegen und stirbt – der Fahrer gibt Gas und verschwindet im Dunkeln. Bis heute ist er wie vom Erdboden verschluckt.

An Heiligabend ist dieser schockierende Vorfall von Anfang September genau 111 Tage her. Doch der Schmerz der Angehörigen ist so groß wie am ersten Tag – davon zeugen frische Blumen an einer kleinen Gedenkstelle unweit des Unfallorts. Die Polizei jagt den Todesfahrer nach wie vor.

Am Montag wurden erneut Fahrzeuge kontrolliert, das teilte das Präsidium gestern mit. Das Augenmerk der Ermittler lag dabei auf Geländewagen mit offener Ladefläche. Christian Eichenseher, Leiter der Fahndungskontrollgruppe der Verkehrspolizeiinspektion, sagt: „Wir beschränken uns in unseren Ermittlungen nicht auf einen speziellen Ablauf der Ereignisse, sondern wollen möglichst offen verschiedene Möglichkeiten beleuchten.“

Todesfahrt von Riekofen: Unfall wird rekonstruiert

Im Rahmen der Ermittlungen überprüfe man verschiedene Fahrzeugtypen, betont Eichenseher. Darüber hinaus rekonstruiere man eine ganze Reihe von verschiedenen Unfallhergängen. „Aufgrund der eher dürftigen Spurenlagen, kommen hierbei mehrere denkbare Abläufe in Betracht, die wir alle in Erwägung ziehen müssen.“

Insgesamt wurden seit Beginn der Ermittlungen 2000 Fahrzeuge überprüft. Für Aufsehen sorgte etwa eine Großkontrolle im kleinen Ort Riekofen. 20 Bereitschaftspolizisten gingen von Tür zu Tür und überprüften sämtliche Fahrzeuge. Damals teilten die Beamten mit, dass sich einzelne Verdachtsmomente ergeben hätten – alle Spuren führten jedoch ins Nichts. Unmittelbar nach dem Unfall hatte die Polizei nach einem Geländewagen gesucht, der an der rechten Seite beschädigt ist.

Jagd nach Todesfahrer von Riekofen: Polizei nimmt auch Handydaten ins Visier

Die Ermittler fokussieren sich dabei nicht nur auf das Fahrzeug des Todesfahrers. Sie untersuchen beispielsweise auch die Mobilfunkdaten in der fraglichen Nacht. Das gleicht allerdings der Suche nach der Nadel im Heuhaufen – oder wie es Ermittler Eichenseher kürzlich im MZ-Gespräch ausdrückte: „Es ist ein zeitaufwendiger Prozess.“ Darüber hinaus sucht die Polizei in diesem Fall immer wieder die Öffentlichkeit – beispielsweise über Fahndungsplakate. Diese hängen seit ungefähr zwei Monaten an belebten Orten in ganz Ostbayern, also beispielsweise Einkaufszentren oder Bahnhöfen. Auf die Aktion hin seien einige Hinweise eingegangen, sagte eine Polizeisprecherin vor einigen Wochen zur MZ. Sie sagte weiter: „Insgesamt lässt sich feststellen, dass das Hinweisaufkommen nachgelassen hat.“

Herausforderung für Beamte

Und dennoch: Die Polizei hat mehrfach betont, in diesem Fall nicht aufgeben zu wollen – so auch am Donnerstag. Josef Neft, der stellvertretende Leiter der Ermittlungsgruppe, wird wie folgt in der Pressemitteilung zitiert: „Solche intensiven Ermittlungen sind natürlich auch für die erfahrenen Mitglieder der Ermittlungsgruppe keine Leichtigkeit. Aber man spürt, dass die Beamten mit vollem Einsatz dabei sind und alles daran setzen, diesen Fall zu lösen.“

Neft betont weiter: „Der Vorfall lässt keinen von uns kalt und wir möchten natürlich auch den Angehörigen Gewissheit über die Unfallnacht geben.“ Für die Hinterbliebenen steht nun ein trauriges Weihnachten bevor. Festtage, an denen niemandem zu feiern zumute ist – und über denen nur eine Frage schwebt: Warum?