Warmer Warteraum dauerhaft geschlossen: Bahnreisende in Obertraubling müssen frieren

Von Rainer Wendl · 19. Dezember 2024 um 19:00

Die Bahnstrecke bei Obertraubling (Landkreis Regensburg) ist wichtig, der Bahnhof selbst ein viel frequentierter Umsteigepunkt – seine Ausstattung aber lässt zu wünschen übrig.

Christian Fiedler wohnt in Straubing und arbeitet am Münchner Flughafen. Weil das Familienauto tagsüber von seiner Frau benötigt wird, pendelt er mit der Bahn. Durchaus aus Überzeugung, wie er sagt: „Ich fahre eigentlich gerne Zug, trotz aller Abstriche.“ Eine Schwäche des Systems nimmt er beispielsweise täglich am Bahnhof von Obertraubling wahr.

Dorthin fährt Fiedler von Straubing aus mit Agilis, um dann in den Flughafen-Express umzusteigen. „Leider ist diese Verbindung alles andere als perfekt, je nach Uhrzeit habe ich zwischen 20 und 40 Minuten Wartezeit in Obertraubling. Wenn es ohne Probleme läuft“, berichtet er.

Neulich gab es wieder einmal ein Problem: Wegen eines Wildunfalls bei Moosburg kam es zu Verzögerungen, weshalb der Aufenthalt am Umsteigepunkt satte 90 Minuten lang war. Weil es an diesem Tag auch noch empfindlich kalt war, fiel Fiedler besonders unangenehm auf, dass der beheizbare Warteraum am Obertraublinger Bahnhof abgesperrt ist.

Dieser Zustand hält schon seit geraumer Zeit an und nervt nicht nur den Pendler. Auch eine Obertraublinger Bürgerin beschwert sich darüber: „Im März haben wir bei der Rama-dama-Aktion das Bahnhofsgelände und den Warteraum gesäubert. Schon ein paar Tage später hing ein Schild mit dem Hinweis ,Geschlossen wegen Vermüllung‘ an der Tür. Das ist bis heute so“, erzählt sie.

Warten auf Streckenausbau

„Die Thematik ist uns bekannt“, bestätigt eine Sprecherin der Deutschen Bahn. „Der Warteraum wurde wegen ständiger Verunreinigungen und Beschädigung geschlossen. Derzeit sind keine Änderungen geplant.“

Im aktuellen Zustand ist der kleine Raum sauber. Wer durchs Fenster schaut, sieht zwei alte Bürostühle darin stehen. Diese Optik wirkt zwar alles andere als einladend, aber der Heizkörper im Zimmer macht den Unterschied. Im Winter ist der Aufenthalt hier einfach angenehmer als in dem größeren Unterstand, den die Gemeinde Obertraubling im vergangenen Jahr gleich neben dem Bahnhofsgebäude errichtet hat.

Pendler Fiedler kann prinzipiell verstehen, dass die Bahn auf anhaltenden Vandalismus reagiert. Andererseits verweist er auf die Möglichkeit der Videoüberwachung und findet, dass der Service für die Fahrgäste wichtiger sein sollte: „Generell alle zu bestrafen und in der Kälte stehen zu lassen, finde ich nicht fair.“

Die Gemeinde hält diesen Zustand ebenfalls für unbefriedigend, wie Geschäftsleiter Sebastian Dettenkofer auf eine Anfrage Fiedlers geantwortet hat: „Wir haben bereits des Öfteren erbeten, den Raum wieder zu öffnen. Leider ohne Erfolg.“ Zudem vermutet Dettenkofer, dass die Bahn wegen der neuen Wartehalle der Gemeinde keine Notwendigkeit für eine Öffnung sieht.

Er schränkt jedoch ein: „Dies ist natürlich kein beheizter Raum, sondern eine nach vorne offene überdachte Fläche.“ Für Fiedler stellt der Neubau daher keine adäquate Alternative dar. Die dort stehenden vier Bänke aus Metall, so moniert er, seien im Winter so kalt, dass man sich gleich auf den Boden setzen könnte.

Eine große, zufriedenstellende Lösung ist jedenfalls so schnell nicht in Sicht. „Man muss abwarten, wie sich das Thema im Zuge des Gleis-Ausbaus entwickelt“, verweist Dettenkofer auf das örtliche Großprojekt der Deutschen Bahn. Die Vorplanungen dazu werden 2025 abgeschlossen, anschließend folgt die Entwurfsplanung.

Der Ausbau der Strecke ist unbestritten ein immens wichtiges Vorhaben der Bahn in der Region – müsste da nicht auch etwas mehr Komfort für den auch nicht ganz unwichtigen Umsteigebahnhof Obertraubling drin sein? „Das würde man schon meinen“, sagt der Geschäftsleiter der Gemeinde.

Gemeinde wollte Bahnhof kaufen

Doch Gewissheit hat er bei diesem Thema nicht. Aus Erfahrung weiß er lediglich, dass die Bahn missliebige Aufgaben gerne auf die Kommunen abwälzt. Obertraubling kann immerhin für sich reklamieren, nicht untätig gewesen zu sein. Der neue Wartebereich hebt sich durchaus positiv vom verlottert wirkenden Bahnhofsgebäude ab, frieren müssen die Fahrgäste hier dennoch.

Ein besseres Ergebnis sei wegen der Bahn nicht zustande gekommen, betont Dettenkofer: „Wir wollten den Bahnhof ja kaufen. Aber da hat die Bahn nicht mitgemacht, wegen der Stellwerk-Technik. So dümpelt halt weiter alles vor sich hin.“ Und Christian Fiedler wird weiter mit dem Zug pendeln und im Winter bei längeren Aufenthalten in Obertraubling frieren. Der Hinweis der Bahn, wonach sich auch auf den Bahnsteigen 1 und 2 Sitzmobiliar mit Wetterschutz für Reisende befindet, ändert nichts daran.

Diesen Wartebereich hat die Gemeinde errichtet.
Auch kalt: die Wartehäuschen am Bahnsteig