Hype um Dubai-Schokoladen erobert Neumarkt: Gastronomen kreieren ihre eigenen Versionen

Von Marie Campisi · 16. Dezember 2024 um 05:00

Knusprig, grün und teuer: Dubai-Schokolade ist der Food-Trend des Jahres. Zwar existiert die Süßigkeit bereits seit einigen Jahren, aber erst in den letzten Monaten schwappte der Trend aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in die deutschen Supermärkte. Im Landkreis Neumarkt haben sich Chocolatiers und Gastronomen selbst an Dubai-Produkten ausprobiert – und kritisieren den Hype teilweise stark.

Patrick Schirch, Schokoladen-Sommelier aus Mühlhausen, hat im Herbst seine eigene Dubai-Rezeptur ausgearbeitet – wie alle seine Schokoladen ist sie vegan auf Hafermilchbasis. Er ist sich zwar sicher, dass die Aufregung um die teure Nascherei bald wieder abklingen wird. Geschmacklich hat Dubai aber auch den 34-Jährigen überzeugt: „Dieses Crunchige macht was her und auch die Kombination von Pistazie und diesem Sesam-Mus“, sagt er.

Auf die Zutaten kommt es bei der Dubai-Schokolade laut ihm an: die Pistaziencreme, geröstetes Engelshaar – die dünnen Teigfäden werden eigentlich Kadayif genannt – und die Sesam-Mus, auch als Tahin bekannt. Für die Pistaziencreme verarbeitet Schirch die Nüsse gemeinsam mit weißer Schokolade in einem Melangeur. Diese Steinmühle wird auch zur Schokoladenherstellung verwendet und mahlt die Pistazien extrem fein – ander als ein handelsüblicher Mixer. „Damit würde man niemals eine Textur hinbekommen, die im Mund schmilzt“, erklärt Schirch.

Hype durch Influencer

Er ist nicht der einzige, der im Landkreis Neumarkt mit dem Trend experimentiert. Auch Wolfgang Ebel, Chocolatier aus Parsberg, hat verschiedene Dubai-Rezepturen ausprobiert, unter anderem für eine Praline. Dass Dubai-Schokolade im europäischen Raum gerade in aller Munde ist, führt er vor allem auf Soziale Medien zurück. „Das ging halt total viral. Vielleicht ist es auch ein bisschen Zufall, dass sich deutsche Influencer dieses Produkt rausgepickt haben“, sagt Ebel. Vielleicht ist es aber auch gar nicht so zufällig. Schließlich lebt mittlerweile eine ganze Reihe an deutschen Social-Media-Stars in der Steueroase.

Dass Leute sogar stundenlang für die Schokolade Schlange stehen und verglichen mit anderen Süßigkeiten viel Geld dafür zahlen, liegt für Ebel vor allem am guten Marketing: „Es hat halt einen schönen Namen, Dubai, das steht für Prunk, für Protz, für Glamour und viel Geld.“

Auch Jakob Plank, Geschäftsführer der Bäckerei Plank, stimmt zu, dass der Preis für Dubai-Produkte auch durch den Hype und Marketing bedingt ist. Seit Mitte November gibt es bei Plank den Dubai-Krapfen und die Dubai-Schnitte zu kaufen. Mit 2,90 Euro kostet ersterer gut 30 Cent mehr als andere Spezialkrapfen, ebenso die Schnitte für 3,10 Euro. Die Hauptzutaten der Dubai-Schokolade sind auch in den Gebäck-Füllungen enthalten. Sie ist jedoch deutlich cremiger und luftiger als die der Schokoladen.

Bisher verkaufen sich die Dubai-Produkte gut. Dass das so bleibt, bezweifelt Plank: „Ich vermute, dass es ein Hype ist, der vielleicht Ende des Jahres, Mitte Januar, schon größtenteils durch ist.“ Auch Schirch und Ebel geben dem Trend hierzulande keine lange Lebensdauer.

Achtung beim selber Nachmachen

Dass Ebel seine selbstkreierten Dubai-Schokoladen gar nicht verkauft, sondern nur im Bekanntenkreis verschenkt, liegt aber daran, dass er den Trend hierzulande unauthentisch findet. „Eigentlich gehört sich die Dubai-Schokolade auch nur Dubai-Schokolade genannt, wenn sie wirklich aus Dubai kommt“, findet er. Für etwas überzogen hält auch Schirch den Hype – „überall hängen die Leute jetzt das Wort Dubai davor, damit die Leute das kaufen“, sagt er. Geschmacklich hält er den Trend dennoch für gerechtfertigt.

Einige Supermärkte setzen nun auch auf Kunden, die sich selbst an der Dubai-Schokolade probieren wollen. Das Engelshaar, das bis vor wenigen Wochen noch in der Abteilung für internationale Ware gesucht werden musste, ist nun in vielen Läden prominenter platziert. Wichtig ist beim Selbstherstellen, wie Schirch erklärt, vor allem eines: „Dass die Creme, wenn man sie einfüllt, nicht über 32, 33 Grad hat, sonst würde das die Schokolade schmelzen“, erklärt er. Damit die Schokolade nicht gummiartig wird und sich gut verarbeiten lässt, rät er außerdem, sich vor dem Selbstversuch über das richtige Temperieren von Schokolade zu informieren.

Der Dubai-Krapfen der Bäckerei Plank kostet rund 30 Cent mehr als andere Spezialkrapfen – auch wegen des etwas höheren Aufwands. Foto: Campisi
Patrick Schirch aus Mühlhausen hat seinen Dubai-Nikolaus in seinen eigenen vier Wänden kreiert. Foto: Campisi
Dem Dubai-Trend geben auch die Chocolatiers und Bäcker keine lange Lebensdauer. Foto: Campisi