Bekannt für seinen trockenen Humor: Waldmünchens Hauptamtsleiter verabschiedet

„Er hat mit Fug und Recht das Hauptamt geführt und die ganze Verwaltung am Laufen gehalten, koordiniert, gemanagt, geregelt und gestemmt.“ Diese anerkennenden Worte stammen von Bürgermeister Markus Ackermann anlässlich der Verabschiedung von Hauptamtsleiter Rainer Wagner am Donnerstag im Sitzungssaal des Rathauses vor versammelter Belegschaft.
In seiner Würdigung sprach Ackermann von einer schweren Stunde, den Hauptamtsleiter in den wohlverdienten Ruhestand zu entlassen. Eine 44-jährige Ära einer Persönlichkeit gehe zu Ende, die dieses Rathaus, die Mannschaft und das Bild nach außen gestaltet und geprägt habe. Das entstehende Defizit könne nur im Team ausgeglichen werden. Die vollbrachte Leistung lasse sich in drei verschiedenen Facetten beschreiben.
Wagner habe mit seinem Sachwissen, seinem fachlichen Hintergrund und dem gewonnenen Erfahrungsschatz alle Verwaltungsvorgänge vorbildlich und beispielhaft abgearbeitet. Dadurch sei er ein Kompetenzzentrum und eine Informationsdrehscheibe innerhalb des Rathauses geworden.
Alles für die Arbeit
Hinsichtlich der Arbeitseinstellung, -moral und -produktivität könne man im positivsten Sinne von einem „Arbeitstier“ sprechen. Er habe Arbeit immer ganz vorne für sich platziert, alles andere hintangestellt, und seine Hartnäckigkeit und Geradlinigkeit seien aller Ehren wert. Schließlich sei dieser, die persönliche und menschliche Komponente betreffend, eine ehrliche Haut und ein offener Mensch. Bei ihm gelte, was ausgemacht ist, er sei absolut zuverlässig und hilfsbereit, habe ein klares Wertekonzept und einen treffsicheren und trockenen Humor.
Dabei bleibe einem oft im ersten Moment die Spucke weg, bis man die Tragweite des Wortwitzes oder der Situation erkenne. Viele Anekdoten hierzu gehörten eigentlich im Heimatboten aufgeschrieben. „Wir haben heute ein weinendes Auge – den Verlust eines wertvollen Kollegen – und ein lachendes“, so Ackermann, „denn wir gönnen dir den verdienten Ruhestand und hoffen, dass du deine Pläne umsetzen und genießen kannst.“ Da er von Wagners Faible für Volksmusik wisse, überreichte er ihm einen Gutschein für einen Aufenthalt mit Übernachtung beim „Woodstock der Blasmusik 2025“ im Innkreis: „Damit du da voll abrocken kannst!“
Er sei schon mal dort gewesen, so Rainer Wagner, doch mit der Übernachtung habe es nicht geklappt. Sein Dank galt der Stadtspitze, dem Stadtrat und allen, dass sie ihn so lange ertragen hätten. Vielleicht sei er manchmal ein kritischer Begleiter und nicht everybody’s darling gewesen, aber nicht immer „Ja“ zusagen, schütze auch vor unnötiger Arbeit: „Wir sind aber, denke ich, als Arbeitgeber sehr liberal und moderat.“ Er hätte noch länger arbeiten können, sei jedoch jetzt gut ausgestiegen, als „der Aufzug das erste Mal gehalten habe“, gab er zu bedenken und appellierte an alle: „Nicht nachlassen – und auf zu neuen Ufern!“
Personalratsvorsitzender Thomas Vogl sprach von einem gekommenen Zeitpunkt, den man gerne ignoriert oder so weit wie möglich hinausgeschoben hätte: „Für uns ist es keine alltägliche Verabschiedung, sondern ein emotionaler Moment.“ Jetzt gelte es, danke zu sagen. Wagner, der alle Abteilungen durchlaufen und in jeder seinen Abdruck hinterlassen habe, sei über die letzten zwei Jahrzehnte hinaus das größte Zahnrad in der Rathausuhr gewesen. Mit ihm zusammengearbeitet zu haben, bezeichnete Thomas Vogl als eine Ehre: „Dir haouds taugt, däi Oarbat, und mir haouds àà mit dir taugt.“
Seit 1980 bei der Stadt
Monika Klein vom Personalrat, nun Dienstälteste und langjährige Begleiterin des Ruheständlers, war vier Jahre in derselben Wirtschaftsschulklasse, ehe beide 1980 bei der Stadt anfangen durften. Sie bekannte: „Du wirst uns fehlen“, wünschte Zeit für die Familie, die Musik, die Feuerwehr und „Hulz und Wold“ und übergab ein Fotobuch mit Bildern und Texten und „etwas, das du beim Woodstock-Fest fürs Übernachten brauchen kannst“.
Zum Schluss dankte Dr. Stefan Spindler als Rötzer Stadtoberhaupt für die gute Zusammenarbeit mit Waldmünchen. Er habe als neuer Bürgermeister von Wagner, der auch federführend im Aktionsbündnis „Čerchov plus“ war, viel lernen dürfen. Es sei immer gut, in Notlagen einen Telefonjoker an der Seite zu haben, den man Tag und Nacht erreichen könne, und zu sagen: „Das könnte der Wagner wissen.“ Dieser erhielt dafür von ihm als Erster die neue Rötzer Stadttasse.
Die Verabschiedung endete nach einem langen Applaus mit einem Zusammensein bei Sekt und Häppchen und Wagner lud seine „Truppe“ für Januar, „nach der staaden Zeit“, zu einem Abschiedsessen ein.