Weltweiter Sportpreis für den Skimulator aus Kelheim – sein Erfinder tüftelt schon an Neuem

Gleich zwei Preise heimste der Skimulator aus Kelheim bei der weltweit größten Sportmesse, der Ispo in München, ein. „Das ist überwältigend“, sagt sein Erfinder Helmut Bachschmid, der schon viele Projekte angeschoben hat – und längst noch nicht fertig ist.
„Ich habe schon wieder eine Idee im Hinterkopf“, sagt Bachschmid und lächelt. Verraten will der 58-Jährige noch nichts, aber auch diese Innovation soll mit Skisport zu tun haben. Wie der Skimulator: Beim Anprobieren von Skischuhen steigt der Kunde auf dieses Gerät, an dem eine Bindung montiert ist. Über Fernbedienung lassen sich verschiedene Hangneigungen einstellen und der Wintersportler kann testen, ob der Skischuh optimal passt.
Vor etwa zwei Jahren begann der Kelheimwinzerer mit der Entwicklung. Ausgangspunkt war, dass laut Deutschem Skiverband rund 70 Prozent der Skistiefel in falscher Größe verkauft werden. „Weil der Käufer im Laden auf ebener Fläche steht. Auf der Piste rutscht der Fuß durch das Gefälle anders rein.“ Der Skimulator kann das simulieren, auch die Aufkantbewegungen im Schnee lassen sich nachvollziehen.
Nach Feinjustierungen präsentierte Bachschmid mit dem Ihrlersteiner Christoph Hercher, die zusammen eine GbR gründeten, das ausgereifte Modell. Damit bewarben sie sich auch bei der weltweit größten Sportmesse in München, die zweimal im Jahr Zehntausende Besucher anzieht. In mehreren Kategorien werden bei der Ispo („Internationale Fachmesse für Sportartikel und Sportmode“) Awards vergeben.
Überraschung bei Ispo in München: „Newcomer des Jahres“
In der Sparte „Hartware“ gab es einen Preis für die Kelheimer. Die Jury würdigt: „Der Skimulator schafft nicht nur Vertrauen beim Skischuhkauf auf Kundenseite, sondern hilft auch, eine schlechte Passform neuer Skischuhe schnell zu erkennen.“ Bachschmid und Hercher wurden zur Überreichung geladen. „Nach der Übergabe hieß es plötzlich, wir sollten noch ein paar Stunden bleiben, es käme noch etwas.“
Zu ihrer „völligen Überraschung“ ging auch ein Sonder-Award nach Kelheim: „Newcomer des Jahres“. Während es in den anderen Kategorien mehrere Preisträger gibt, wird der Sonder-Award nur einmal verliehen. „Damit hat der Skimulator eine weltweit einzigartige Auszeichnung erhalten“, freut sich Bachschmid.
Verkauf an Fachhändler läuft an
Seine Errungenschaft wurde bereits zum Deutschland-Patent angemeldet. Mittlerweile gingen schon Modelle an Fachhändler. „Klar ist, dass es einige Jahre dauern wird, bis das Geschäft Gewinne abwirft“, sagt Hercher. Das sei für Start-Ups normal, zumal Bachschmid eine ideelle Mission verfolgt: „Mir ist die Entwicklung im Sinne der Skisportler wichtig.“
Die Auszeichnung passt trefflich zum 35-jährigen Bestehen seines „Sport2000“-Geschäfts in der Schäfflerstraße. Die ursprünglich ins Auge gefassten Ladenräume haben sich zwei Wochen vor Eröffnung zerschlagen. Wir mussten in Windeseile umziehen“, erinnert er sich. Anfänglich führte er das Geschäft mit Kompagnons.
Voller Tatendrang: Late-Night-Shopping, Lauftreff, Heli-Skiing
Dass der SV Kelheimwinzer und der ATSV Kelheim beim Blitzumzug halfen, zeigt die frühe Verbundenheit zu Vereinen – er selbst kickte in beiden Clubs. Deshalb ist es ihm stets ein Anliegen, Vereinen etwas zu bieten: Late-Night-Shopping oder Team-Events auf einem Kelheimer Schiff zählen dazu. „Ohne meine Mitarbeiter wäre das nicht möglich.“ 16 Beschäftige hat sein Laden.
Abseits dieser Aktionen hat Bachschmid zudem „Baches Lauftreff“ ins Leben gerufen. „Der geht zurück auf einen Start beim München-Marathon, zu dem mich Schneider Weisse angefragt hat.“ Mittlerweile zählt der Lauftreff 40 Mitstreiter, die jeweils montags auf eine Runde gehen. Der 58-Jährige rennt auch mit.
„Surfen“ auf Schnee in Kanada
Auch Reisen zum Helikopter-Skiing in Kanada gehen auf seine Initiative zurück. „Vor fast 25 Jahren haben wir uns das mal zu viert angeschaut.“ Nach und nach übernahm er mit Spezl Baptist Koller die Organisation. Die Runde, die alle zwei Jahre aufbricht, wuchs auf bis zu 30 Personen. „Wir haben schon ziemlich alle Skigebiete in den Rocky Mountains in den Beinen. Das Skifahren dort ist wie Surfen auf Schnee.“
Für 2026 steuert „Bachi“ ein neues Projekt an: einen „Run to Rom“. Mit Lauffreunden will er die Strecke bis in Italiens Hauptstadt etappenweise bewältigen. „Wir wechseln uns natürlich ab.“ Pro Tag sind 100 Kilometer angepeilt, in elf Tagen soll die Distanz geschafft werden. Spenden aus dem „Run“ sollen der Aktion „Sternstunden“ zugute kommen.
Die Charaktere der Kunden
Selbst nach 35 Jahren im Geschäft ist er „nicht müde“. Manchmal – auch durch die vielen Aufgaben um den Skimulator – sei er „mit der Belastung schon an einer Grenze“. Im Laden steht er auch nach dreieinhalb Jahrzehnten mit großer Freude. „Die technischen Entwicklungen in dieser Zeit waren enorm. Das Wichtigste ist aber nach wie vor, auf die verschiedenen Charaktere von Kunden einzugehen.“
Der Rückhalt für den Erfinder
Familie: Ausgleich findet Helmut Bachschmid beim Laufen – und bei seinen Lieben, Ehefrau Karin (57) und den beiden Söhnen. „Ich bin doch oft unterwegs und daheim komme ich schön runter“, lächelt er. Dass er ein echter Kelheimwinzerer ist, betont Bachschmid gerne.
Söhne: Timo (30) und Felix Bachschmid (28) spielen beide Fußball. Timo läuft für seinen Heimatverein SV Kelheimwinzer auf, nachdem er zwischenzeitlich beim ATSV Kelheim war. Felix führte der Weg unter anderem zum TSV 1860 München, heute spielt er bei Wacker Burghausen in der Regionalliga Bayern.
