Früher hat er bei 1860 München gekickt, nun wird er neuer Wirt in Kelheimer Gasthaus

Von Etienne Nückel · 11. Dezember 2024 um 05:00

Ursprünglich wollte Edin Radoncic Profi-Fußballer werden. Dann trat der 27-Jährige in die Fußstapfen seiner Mama und wurde Gastronom. Ab März betreibt er ein Kelheimer Traditionsgasthaus – hier stellt er sein Konzept vor.

Edin Radoncic (27) übernimmt das Gasthaus zum Schützen. Am Dienstag hat er den Vertrag mit dem Verpächter, der Brauerei Schneider Weisse, unterschrieben.

Ab März möchte Radoncic nach Sanierungspause eröffnen. Die Stärken des Schützen – die enge Bindung zu den Stammgästen, das urig-bayerische Ambiente und die Karte mit Schnitzel und Co – möchte er beibehalten und um mediterrane und Balkangerichte erweitern. Und auch sportlich möchte der ehemalige Profi-Nachwuchsspieler sich in Kelheim einbringen.

Radoncic stammt aus einer Gastronomie-Familie, die nach den Wirren des Balkankrieges in den 1990er-Jahren nach Deutschland flüchtete. Seine Eltern bauten sich hier eine neue Existenz auf, zunächst in Kassel und dann in München. „Meine Mutter hat in etlichen Restaurants in der Küche gearbeitet“, sagt Radoncic. Seine älteren Schwestern, Sanida Gutic (33) und Mercia Corovic (35), fingen als Kellnerinnen in der Gastronomie an und kamen so zur Brauerei Schneider Weisse. Gutic ist heute die Betriebsleiterin im Bräuhaus Berg am Laim in München, sie hat den Kontakt zwischen der Brauerei und ihrem kleinen Bruder hergestellt.

Geheimtipps von Mama

Radoncic führte in den vergangenen sechs Jahren ein Restaurant in Belgien. In seiner Jugend galt seine Leidenschaft jedoch vor allem dem Fußball, erzählt er. Er habe in Leistungs-Nachwuchszentren gespielt – SpVgg Unterhaching, 1860 München, FC Ingolstadt. Eine angestrebte Profi-Karriere kam nicht zustande, dafür trat er in die Fußstapfen seiner Mutter. Von ihr habe er viele Küchen-Geheimtipps gelernt, die man in keiner Ausbildung erhalte, ist sich Radoncic sicher. Sein Lieblingsgericht ist Mamas Piccatina Limone, ein Kalbsschnitzel in Zitronensaft. „Das wird gebraten und dann eingelegt und dann noch ein bisschen gebraten mit den Zitronenscheiben, damit das alles seinen Geschmack kriegt“, schwärmt Radoncic.

Tradition bewahren

In das Gasthaus zum Schützen hat Radoncic sich auf den ersten Blick verliebt. „Ich bin reingegangen und mir wurde warm ums Herz. Der Kamin, der Biergarten“, schwärmt er. Besonders freut ihn, dass ein Großteil der Gäste im Schützen Stammgäste sind: „Ich liebe das. Das soll bleiben.“ Sorgen, dass die ihn als neuen Pächter nicht annehmen könnten, hat Radoncic überhaupt nicht. „Das ist gar kein Problem. Die werden alle noch einmal vorbeikommen, um zu sehen, wer der Neue ist“, sagt er. Und dann werde er sie mit seiner Freundlichkeit und Gastfreundschaft überzeugen, ist sich Radoncic sicher.

Die Eigenheiten des Gasthauses will der neue Wirt bewahren. Die Gaststube soll größtenteils bleiben, wie sie ist. Beispielsweise die Wandgemälde mit den Jagdszenen. Die wurden von Künstlern gemalt, sagt Radoncic, es wäre ein Sünde, sie zu übermalen. Auch kulinarisch will er an seine Vorgänger anknüpfen. „Die Basis bleibt erhalten. Der Schütze hat eine sehr schöne Karte und sehr schöne Gerichte. Die bleiben.“

Erweitern möchte er das Angebot um Balkanküche und mediterrane Gerichte aus Italien. Nicht zu viele – „vielleicht werden es wöchentlich ein, zwei, Gerichte sein“, sagt Radoncic. Wie genau die Karte endgültig aussehen wird, müsse man dann im laufenden Betrieb sehen.

Junior-Bräu Georg Schneider VII. begrüßte Radoncic am Dienstag in der Schneider-Weisse-Familie: „Ich freue mich darauf, zu dir zum Essen zu kommen.“ Nun müsse Radoncic noch die „hochpolitische“ Entscheidung treffen, bei welchem der Kelheimer Vereine er Fußball spielen wolle.

Edin Radoncic und seine Schwester Sanida Gutic